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Sepultura: Kairos

Beide Daumen hoch für eine wohltuend erfrischende Thrashscheibe
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 53:16
Release: 24.06.2011
Label: Nuclear Blast

Brasiliens Thrasher Nummer eins? Das war einmal, denn Sepultura hatten in den letzten Jahren doch arge Mühe, Anschluss an der eigenen Vergangenheit zu halten. Natürlich dürften da die Line-Up-Wechsel in vorderster Reihe stehen, denn noch immer nerven „Fans“ mit Reunionwünschen am laufenden Band.

Doch wenn man einen Schwenk in die Anfangsphase des Bandschaffens macht, dann waren sie zu „Morbid Visions“- und „Schizophrenia“-Zeiten genauso umstritten wie nach dem Ausstieg von Max Cavalera – einige Fans wollten einfach den Schritt der Wandlung nicht mitmachen, und nicht immer zu Unrecht sind die beiden letzten Werke „Dante XXI“ und „A-Lex“ von den Old-School-Fans abgelehnt worden. Viele Metalheads im Nachwuchsbereich sind allerdings genau mit diesen Scheiben erst mit Sepultura in Kontakt gekommen und müssen nun ihrerseits einen Wandel in der Karriere der Brasilianer hinnehmen.

Zusätzlich dürfte allein schon der Wechsel zum Branchenriesen Nuclear Blast nicht unwesentlichen Druck auf das Quartett ausgeübt haben - nur scheint das innerhalb des dreimonatigen Aufnahmeprozesses nicht durch die Studiomauern gelangt zu sein. Wie sonst ist zu erklären, dass natürlich bei optimalem Sound derartige Thrash-Wutbrocken aus den Speakern tönen?

Das fängt auch gleich mit dem Opener „Spectrum“ an – keine Absammlung verschiedener Metalspielarten, sondern ein Riff in Dauerschleife, mit Derrick Greens heiserem Gesang unterlegt, und das Solo sorgt für Abwechslung. Langweilig? Fehlanzeige, eher ein Hinweis.

Auch der Titeltrack lebt von den dauerhaften Riffwiederholungen, während der spartanische Refrain einen Kontrast zu den sägenden Gitarren bietet. Sepultura scheinen eh recht minimalistisch zu Werke gehen, und wenn sie einmal ein fettes Riff aus den Gitarrensaiten quälen, dann sorgen sie genau mit diesen Tonfolgen für eine Riffmauer und bauen dafür lieber so ganz nebenbei einige Soundaccessoires ein. Vor allem die auf den Punkt bratenden Soli wie z.B. in „Relentless“ kommen sehr gut zur Geltung und zeigen einmal mehr auf, dass Sepultura es einfach drauf haben, auch anno 2011 gute Songs aus dem Hut zu zaubern.

Das ganze Album durchzieht eine derartige Melange aus Riffs und surrealen Soli, dass man glatt die mäßigen Vorläufer vergisst. Spielen Sepultura bei „Mask“ noch mit dem Tempo und deuten lediglich an, dass sie jederzeit unvermittelt den Fuß vom Bremspedal nehmen können, so brettern sie bei „No One Will Stand“ roh und brutal los, packen eine kurze Groovephase ein, würzen dieses wieder mit einem der schier unerschöpflich genialen Soli, um dann im Finale wieder aggressiv davonzupreschen.

Mit „Structure Violence (Azess)“ kehren wieder tribalartige Rhythmen ein, ein gewisser Elektrotouch ist auch nicht anzusprechen – definitiv der vom Aufbau her verspielteste Song auf der CD. Ihren Hang zum Industrial unterstreichen sie allerdings auch mit den beiden ausgewählten Coverversionen. Da wäre auf der einen Hand die „Firestarter“-Coverversion von Prodigy, der mit reichlich Metal angereichert auch für volle Tanzflächen in der Dorfdisco sorgen dürfte. Mit „Just One Fix“ versuchen sie sich an einen Song von Ministry, doch hier müssen sie ein paar Federn lassen, denn sie können dem Original einfach keine neuen Impulse verschaffen – hier hätten sie den Track deutlich mehr durch den Bandfleischwolf drehen und mehr eigene Identität verleihen dürfen.

Fazit: Sicher ist, dass das mittlerweile zwölfte Studioalbum der Thrasher Sepultura wieder einen Wendepunkt in der Bandgeschichte markiert. Nicht nur der Deal mit Nuclear Blast, sondern auch das Einflechten alter Wurzeln sorgt für frischen Wind im Hause dieser Multikulti-Truppe. Volltreffer wie der Titeltrack „Kairos“ oder das mal eben schneller durchstartende „Mask“ machen einfach Laune – Punkt. Da gibt es nichts zu meckern oder zu deuteln. Kleine Abzüge in der B-Note gibt es lediglich für die Intermezzi „2011“, „1433“ und 5772“, die so manchen PC-Fan dazu bringen werden, eine entsprechende Sicherungskopie anzulegen, damit nicht immer wieder die Skiptaste für den 30 Sekunden-Sprung sorgen muss. Ansonsten bleibt nur: Beide Daumen hoch für eine wohltuend erfrischende Thrashscheibe – das macht Mut für die nächsten Jahre, in denen Sepultura noch immer ein gewichtiges Wörtchen im Thrashhimmel mitzureden haben. Brasiliens Thrasher Nummer eins? Mit „Kairos“ sprechen sie ein Machtwort.

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