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Sentenced: The Funeral Album

Das letzte Album der Finnen von Sentenced.
Wertung: 9.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 49:48
Release: 18.07.2005
Label: Century Media

Das war es nun. Aus. Schluss. Vorbei. Sentenced liefern mit „The Funeral Album“ endgültig ihr letztes Werk ab, ohne ein mögliches Da Capo nach 16 Jahren Bandgeschichte. Die Band wollte einen stilvollen Abschied auf dem Höhepunkt ihrer Karriere feiern. Das ist mit diesem letzten Album geglückt. Sentenced haben nicht versucht, sich neu zu erfinden, im Gegenteil, es wird all das repräsentiert, für das die Band in all den Jahren stand.

Der Opener „May Today Becomes The Day“, sowie “Ever-Frost”, legen gleich mit gutem Tempo los. Eingängige Melodien, ein Refrain, der im Ohr bleibt, und doch alles ziemlich rockig. Das ist Sentenced, wie wir sie kennen, natürlich noch gewürzt mit ihrem typischen Zynismus.

Es reihen sich gleich zwei Stücke im Stile von Halbballaden ein. Die Band setzt hier auf Emotionen, die sie versucht, dem Hörer zu vermitteln. Einen großen Teil steuert da Gitarrist Miika dazu, der seine Gitarre genau richtig zur Geltung kommen lässt.

„Where Waters Fall Frozen“ ist das erste instrumentale Stück auf dem Album. Der Song reist den Hörer aus der Melancholie der vorherigen Songs und lädt ein zu einer Zeitreise in eine Zeit, als Sentenced noch eine Death-Metal Combo waren - eine Huldigung an die Vergangenheit und Alben wie „North From Here“ oder „Shadows Of The Past“.

Das folgende „Despair-Ridden Hearts“ wurde live häufig als „western from the north“ angekündigt. Dazu passt die zu Beginn des Songs spielende Mundharmonika. Der Song beginnt eher langsam und baut sich im Laufe der Spielzeit immer weiter auf. Diese Besonderheit und der auffällige Chorus machen den Song zu etwas Besonderem.

„Vengeance Of Mine“ schließt problemlos an das letzte Album „The Cold White Light“ an. Der Song rockt durchgängig. In der Mitte traut man zuerst seinen Ohren nicht, aber es stimmt. Die Finnen haben einen Kinderchor mit ins Studio genommen, der hier gut in die Stimmung des Songs eingebunden ist. Aber was hat das Kinderlied „Bruder Jakob“, das am Ende des Songs angedeutet wird, damit zu tun?

„A Long Way To Nowhere“ ist ein Stück, das uns Sentenced so im Gedächtnis behalten lässt, wie wir sie die ganzen letzten Jahre kannten. Interessant ist der sehr ruhige, verzerrte, mit akustischer Gitarre begleitete Teil in der Mitte des Songs.

„Consider Us Dead“ folgt denselben Sentenced-Traditionen. Ein sehr harmonisches Intro und eine Strophe, in der Gefühle wieder eine große Bedeutung haben, leiten den nun unwiderruflichen Abgesang ein.

Das nachfolgende „Lower The Flag“ erinnert an eine Trauer-Hymne. Es gibt einen stetigen Wechsel zwischen ruhigen und rockigeren Parts. Thematisch gesehen passt dieser Song sehr gut in den Hintergrund des Begräbnisses.

„Drain Me“ knüpft an die beiden ersten Songs des Albums an. Hier wird das Tempo nach den doch zuvor eher ruhigeren Nummern wieder etwas angezogen. Ein Song, der eindeutig Ohrwurmpotenzial aufweisen kann.

Noch einmal kommt ein kurzes instrumentales Zwischenspiel mit „Karu“, der schon mal den Abgesang „End Of The Road“ einleitete. „Karu“ ist eher spartanisch, traurig gehalten, nur unterlegt mit einer Akustikgitarre.

„End Of The Road“ setzt eindeutig auf Melancholie. Der ganze Song ist in Moll gehalten. Villes Stimme klingt eher bedächtig, was zu den ruhigeren Passagen passt. Diese werden immer wieder durch schnellere atmosphärische Passagen wie ein letztes Aufbäumen unterbrochen. Hinzu kommt wieder der Kinderchor, der zu den richtigen Zeiten einsetzt. Ein fulminantes Ende für eine großartige Band.

Als Fazit ist festzuhalten, dass Sentenced sich bis zum Schluss treu geblieben sind. „The Funeral“ Album kann man zum einen als Huldigung an die Vergangenheit verstehen, aber es wirkt trotzdem nicht abgenutzt. Die ungewöhnlichen Instrumente und der Kinderchor machen deutlich, dass die Kreativität und Experimentierfreude in punkto Klang noch lange nicht verbraucht ist. Textlich und thematisch bleiben Sentenced bei alten Traditionen. Die Songs handeln von Selbstmord, Tod, Abschied und Einsamkeit. Bei diesem Album hat die Band mehr Gefühle in die Songs eingebaut als zuvor, weshalb man sich vielleicht doch mal die Taschentücher etwas näher an den CD-Player legen sollte. Daraus resultieren auch die verschiedenen (Halb-) Balladen. Bei einem normalen Rock-Album wären es zu viele gewesen, aber hier scheinen sie richtig am Platz zu sein. Ebenfalls erhält jeder Musiker der Band auf diesem Album noch einmal die Möglichkeit, sein Können zu zeigen, sei es Powerdrumming, Gitarrensolos oder gute Basslinien.

Man kann ganz klar sagen, dass dies ein gelungener Abschied von Sentenced ist, einer wirklich guten Band, die bei allen Fans eine schmerzliche Lücke hinterlassen wird. Ruht in Frieden.

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