Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Selmore DriveBy: Such Thin Walls

Post-Hardcore mit Charakter
Wertung: 8/10
Genre: Post-Hardcore
Spielzeit: 25:03
Release: 12.12.2012
Label: Eigenproduktion

Obwohl die Hannoveraner Selmore DriveBy bereits seit 2007 aktiv sind, erschien erst vor kurzem die Debüt-EP der Truppe, die sich bislang vor allem durch zahlreiche Live-Auftritte einen Namen in der lokalen Post-Hardcore-Szene machte. „Such Thin Walls“ markiert also gewissermaßen ein neues Kapitel in der Bandgeschichte und zeigt mit drei neuen Songs sowie der 2011er-Demo „Forget.Exist.Pretend.“ in aller Deutlichkeit, dass das Quintett große Ambitionen hat und dabei auch zwischen der unüberschaubaren Masse an Newcomern in diesem Genre herausstechen kann.

Ihr Potential erhalten Selmore DriveBy jedoch nicht etwa dadurch, dass sie ihre Musikrichtung in irgendeiner Form revolutionieren würden – im Grunde genommen konzentriert sich die Band auf Post-Hardcore im traditionelleren Sinne, der nicht Richtung Pop-Punk schielt, sondern die Hardcore-Wurzeln so manches Mal hervortreten lässt und doch stets Melodie-betont gespielt wird. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie die Formation diesen Stil zu ihrer ganz eigenen Identität formt, die sich auf vielerlei Weise äußert; sei es nun durch die auffälligen Melodien oder den Gesang von Frontmann Benny. Speziell auf der ersten Hälfte der EP agiert die Band dabei mit so viel Selbstvertrauen, dass man kaum glauben möchte, dass es sich hier um ein Debüt handelt.

„The Eye Of The Storm“ unterstreicht diesen Gedanken gleich einleitend hervorragend: Obwohl der im Midtempo gehaltene Track für die Ausrichtung der anderen Songs vielleicht ob seiner beinahe epischen Anklänge etwas irreführend sein mag, präsentieren sich die Hannoveraner ohne Umschweife in Bestform und verbinden die Melodien der surrenden Lead-Gitarre mit dem melodischen Gesang Bennys – für manch einen mag die oftmals leicht nasal angehauchte Stimme ein Punkt sein, an den es sich erst einmal zu gewöhnen gilt, doch mit jedem Hördurchgang wird deutlicher, dass der Gesang durch seinen eigenwilligen Klang zwischen Zerbrechlichkeit und Kraft der Band jede Menge Wiedererkennungswert beschert. Vor allem der großartige Refrain des Songs hinterlässt durch den durchdringenden Gesang einen bleibenden Eindruck, der nicht wie bei so vielen Genre-Kollegen künstlich auf Helium getrimmt ist, sondern auch in der Höhe einen vollen Klang behält.

Nach diesem eindrucksvollen Einstieg ziehen Selmore DriveBy das Tempo deutlich an und geben sich auf dem Rest der EP deutlich härter - „Rise With The Sun“ steigt mit wuchtigen Shouts und einfallsreichem Drumming ein, das dem Song eine ganz eigene Dynamik verleiht. Wie schon bei „The Eye Of The Storm“ bleibt auch hier der Chorus im Ohr hängen und festigt weiter die Band-eigene Melodieführung, während als Höhepunkt des Tracks zweifelsohne die enorm wirkungsvolle Bridge zum Finale hin genannt werden kann, in der die Truppe jede Menge songwriterisches Geschick beweist und den Sound bis zum Schluss druckvoll ausbaut. Der Titeltrack der EP hält das hohe Niveau problemlos und erinnert bei einigen Riffs und den flirrenden Lead-Gitarren im Pre-Chorus ein wenig an neuere Bring Me The Horizon, wohingegen gesanglich trotz diverser geshouteter Passagen wieder eher auf Melodie vertraut wird und so ein weiterer Ohrwurm-Refrain präsentiert wird.

Die zweite Hälfte der EP wird von drei älteren Tracks gefüllt – obwohl bei den ungeschliffener erscheinenden Stücken nicht das Niveau der neuen Songs erreicht wird, zeigen die Eulenliebhaber gerade dadurch, mit was für großen Schritten sie voranschreiten. Nicht nur gesanglich wurde sich auf allen Ebenen verbessert, auch der technische Anspruch erscheint inzwischen ausgereifter und profitiert von dem mittlerweile sehr gut durchdachten Songwriting. Nichtsdestotrotz handelt es sich auch bei den drei Demo-Stücken alles andere als um Ausfälle: „Panta Rhei“ bringt mit deutlichem Hardcore-Einschlag und rauen Vocals einen dreckigeren Vibe in die Musik der Truppe, während „Nothing Left To Say (But The Truth)“ und „Forget.Exist.Pretend.“ erneut mit einprägsamen Refrains auftrumpfen, wobei vor allem letztgenannter Song als Hit durchgeht.

Letztendlich ist „Such Thin Walls“ so ein äußerst gelungenes und rundes Debüt, das den Wunsch nach mehr schürt und mit der 2011er-Demo als Dreingabe zudem einen ansehnlichen Umfang aufweist. Mit ihren ungezwungen melancholischen Melodien, dem cleveren Songwriting und einer charakteristischen Stimme ist es Selmore DriveBy so gelungen, ein viel Potential zeigendes Studiowerk auf die Beine zu stellen, das trotzdem nicht die Energie einer Live-Show vermissen lässt. Erwerben lässt sich das Digipak derzeit nur im Bandshop – wer eingängigem Post-Hardcore also etwas abgewinnen kann und den Biss dabei nicht missen möchte, sollte sich diese EP definitiv einmal näher ansehen.

comments powered by Disqus

„Das ist genau der Punkt, kein erhobener Zeigefinger“

Perfekter Tour-Abschluss, der mehr Zuschauer verdient hätte

Kurzweiliger Abend mit kleinem Vorgeschmack auf das kommende Album

Wenn es im August schneit und trotzdem alle schweißgebadet nach Hause gehen

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging