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Sekoria: Iter Stellarum

Mit etwas mehr Eigenständigkeit könnte Black- / Death-Metal-Welt in Schutt und Asche gelegt werden
Wertung: 8/10
Genre: Symphonic- / Black- / Death-Metal
Spielzeit: 49:12
Release: 04.05.2012
Label: Eigenproduktion

Mit „Iter Stellarum“ veröffentlichen die drei Mannen um den Fronter Tobias Forneberg von Sekoria ihr erstes Album, komplett in Eigenregie erstellt. Die Band-Besetzung aus Nordrhein-Westfalen besteht in der aktuellen Formation seit Anfang 2011, die Texte sind vorwiegend in deutsch verfasst.

Der fast 50-minütige Silberling beginnt mit einem anspruchsvoll symphonischen Intro „Iter Incipit“, das mit Pauken-, Chor-, Streicher- und munter verspieltem Flötensound daherkommt und bereits zu Anfang auf leisen Sohlen, erwartungsvolles Gänsehautfeeling verursacht. Der Übergang zu Titel Nummer zwei „Ursprung der Zeit“ gelingt perfekt. Die Fröhlichkeit versinkt langsam aber sicher in einem tief depressiven Sumpf, welcher stellenweise an frühe Secrets Of The Moon oder auch Der Weg Einer Freiheit erinnern lässt. Vielfältig fett eingesetzte Akkorde der Saiten-Fraktion unter Verwendung einiger Disharmonien, die jedoch zu jedem Zeitpunkt perfekt platziert sind, wechseln sich mit melancholischen Melodie-Linien ab, die allerdings niemals zu tief nach unten ziehen und immer wieder etwas Hoffnung durchschimmern lassen. Eisig klirrende Gitarren lassen das Blut in den Adern gefrieren. Auch ein kleines feines Solo findet seinen verdienten Pfad. Doublebase-Attacken preschen oft schier ungebremst durch die finstere Gegend. An anderer Stelle wiederum erzeugt der Meister am Schlagwerk, Mathias Tröster, einen mächtigen Groove, der die düsteren Geschichten über Tod und Leid unweigerlich vorantreibt.

Den darauffolgenden Song „An solchen Orten“ eröffnen die vier Herren unter enorm mitreißenden Blast-Beats, um im Anschluss den gekonnten Übergang zu verträumten und zugleich verzweifelt hymnisch-märchenhaften Melodien zu schaffen. Zum einen im Hintergrund wandelnde, wabernde orchestrale Chor- und Streicherklänge sowie zum anderen locker flockig verspielte bis traurig oder bombastische Einwürfe zeichnen sich mitunter für die Dichte und Vervollkommnung des Gesamten verantwortlich, ohne dabei jemals zu aufdringlich in den Vordergrund zu gelangen. Im Wechselspiel von zum Teil vertrackten Passagen, schleppendem Sound, immer wiederkehrenden Blast-Beats mit einigen wirren, aber gekonnten Snare-Attacken sowie dem variantenreichen Gesang dürfte wohl so schnell keine Langeweile aufkommen. Die melancholische Atmosphäre zieht sich das ganze Album hindurch. Die beiden Vokalisten Tobias Forneberg und Felix Piroth überzeugen in jeder Sekunde mit hohem Gekreische und / oder etwas tieferem Growlen, zum Teil mehrstimmig, was für zusätzliches, ansprechendes Volumen sorgt.

Neben einem leicht erkennbaren Einschlag aus dem Pagan-Bereich erwachen immer wieder wohlig schaurige Stimmungen und Erinnerungen an Bands wie Insignium und bereits genannte Der Weg Einer Freiheit – bisweilen vielleicht ein wenig zu sehr. Und auch wenn es noch an ein paar kleinen Stellen etwas holprig klingen mag, sollte man schon aufgrund des noch recht jungen Status der Band sowie unter Anbetracht ihrer vollständigen Eigenregie das eine oder andere Auge zudrücken können.

Nichtsdestotrotz erfährt dieses Werk zum Ende hin noch einmal eine spürbare Steigerung. Mit „Nie Gestorben, Nie Gelebt“ liefert das Quartett einen Song mit absolutem Hit-Faktor, der wohl keinen Fan des melodischen Black Metals kalt lassen dürfte. Die schmerzlich-schönen Melodie-Bögen der Gitarren-Fraktion dringen in die tiefsten Abgründe der Seele und man fühlt sich dem ganzen Geschehen hilflos und unwiderruflich ausgeliefert. Die zwischendurch eingeschlagenen Akustik-Parts lassen noch einmalkurzzeitig nach Luft schnappen, bevor man sich endgültig in die steile atmosphärisch, höchst emotionale Schlucht stürzen darf.

Die einzigen zwei englischsprachigen Songs „Do You Repent?“ und „Summoning The Demon“ warten mal mit Geigenklängen, prächtig voluminös polternden Toms, untermalt mit orchestralen sowie einigen akustischen Arrangements auf. Hier gibt es zwischendurch auch einmal längere Midtempo-Passagen zu genießen. Fast könnte man meinen, der 'Schunkelmodus' würde sich einstellen. Bevor man jedoch wirklich diesen Gedanken fassen kann, brechen wiederum unaufhaltsam heiße Blast-Beats zu Tür und Tor herein. Die schaurig-schönen epischen Melodien versetzen den Hörer in eine magische Traumwelt und verführen unweigerlich zu einem höchst kulinarisch musikalischen Genuss.

„Zu den Sternen“ ist als letzter Streich optimal platziert. Über zu Beginn anstimmende Kirchenorgel- / und Streicher-Sounds sowie einigen noch fröhlicheren Momenten dehnen sich dunkle Moll-Wolken immer weiter am bereits ach so düsteren Firmament aus, um zum krönenden Abschluss eine beängstigende Endzeit-Stimmung zu verursachen. Die Snare, mit kriegerischen Triolen voran preschend, klingt so, als wolle Herr Tröster dem Hörer seine Trommelfelle über die Ohren ziehen. Die weinende Geige kennzeichnet unwiderruflich das hoffnungslose Ende. Und sehr psychedelisch sollte der Abgang wohl klingen: Ausweglos, ausgeliefert und verdammt.

Verdammt dazu, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Mit ein wenig mehr Eigenständigkeit dürften die vier noch recht jungen Musiker schon bald die symphonische Black- / Death-Metal-Welt in Schutt und Asche legen.

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