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Seether: Si Vis Pacem Para Bellum

Man orientiert sich gottlob am Vorgänger
Wertung: 8,5/10
Genre: Post-Grunge, Alternative Rock
Spielzeit: 51:41
Release: 28.08.2020
Label: Fantasy Records

Ein Seether-Fan zu sein gehört nicht zu den leichtesten Dingen, die sich ein Musikfan aussuchen kann. Zwar strotzte die letzte Veröffentlichung „Poison The Parish“ vor galaktischen Hits wie „Betray And Degrade“, „Nothing Left“ oder „Against The Wall“, allzu frisch ist aber noch die Erinnerung an das eher schwächelnde „Holding Onto Strings Better Left To Fray“, das zwar keinen Totalzusammenbruch markiert, aber seinem Titel gefährlich gut entsprach. Die Platte ist mittlerweile schon neun Jahre alt, aber dennoch, wie bereits im letzten Review angedeutet – Fans vergessen nicht.

Entsprechend nah liegen Freud und Skepsis beieinander, sobald die Truppe wieder neues Material auffährt – „Si Vis Pacem Para Bellum“ mit Namen, veröffentlicht Ende August und nun endlich auch auf dem Schreibtisch der Schreiberin dieser Zeilen. Vorbestellungen können halt doch Segen und Fluch zugleich sein.

Nach dem ersten Durchmarsch ist klar: Die neue Scheibe ist düster und angepisst, wie man es sich von den Südafrikanern gewünscht hat. Vorab wurde der Song „Dangerous“ inklusive Video veröffentlicht, der aber bei weitem nicht den stärksten Vertreter der Tracklist darstellt; wenn auch die Gitarrenarbeit, mittlerweile mit Unterstützung von Stuck Mojos Corey Lowery, durchaus an Tiefe gewonnen hat und gerade der Refrain den typischen Seether-Depressionsgrad erreicht – ein bisschen flach kommt der Track aber dennoch daher.

Gänzlich anders geraten da Tracks wie das bissige „Beg“, das nicht nur im Refrain mit verzerrten Vocals und ordentlich Geschrei aufwarten kann, sondern auch insgesamt einen schön schleppenden Groove verbreitet. Gegensätzlicher könnte dem ein fast balladesker Song wie „Drift Away“ kaum gegenüberstehen – der zwar durchweg solide gemacht ist und auch gehörig nach Seether klingt, aber doch nicht unbedingt zum Lieblingsstück mutieren wird. Da kann das zwar noch ruhigere, aber eindringlichere Finale „Written In Stone“ schon etwas mehr überzeugen.

Richtig krachen lassen es die Vier aber tatsächlich zu Beginn der Scheibe: Gleich der Opener „Dead And Gone“ arbeitet mit druckvollen Gitarren und tighten Drums und drängt damit schon ordentlich nach vorne, im Refrain gibt es dann das volle Brett aufs Hirn inklusive deftigem Geschrei versus resigniertem Klargesang – sicherlich einer der stärksten Seether-Tracks der letzten Jahre. Ähnlich großartig, wenn nicht sogar besser, da mit einer unfassbaren Ohrwurmigkeit gesegnet, ist der Folgetrack „Bruised And Bodied“ mit seinem bärenstarken Refrain und einer gehörigen Portion Rotzigkeit. Um das Trio Infernale zu vervollständigen, kann schließlich auch das eher im Alternative Rock der Anfangs-2000er schwelgende „Wasteland“ ordentlich punkten, das direkt auch eine Portion Gänsehaut mitliefert und den Seether-typischen Mix aus Resignation und Verzweiflung transportiert.

Auch den Spagat zwischen grungiger Raserei und rockigeren Halbballaden haben die Jungs immer noch gut drauf, und da läuft es mit „Liar“ sogar deutlich besser als mit „Written In Stone“ in der zweiten Albumhälfte. Ordentlich Gänsehaut ist spätestens im Refrain angesagt, die Kitschkarte behalten die Jungs da aber größtenteils mal schön in der Tasche. Weit entfernt vom Ohrwurmcharakter präsentiert sich dann das eher noisige „Let It Go“, das erst im Refrain wieder zu Melodien findet, ansonsten aber eine wahnsinnig gereizte Gitarre auf der Habenseite zu verzeichnen hat.

Es wird schon im zweiten Durchlauf klar, dass Seether sich an der Qualität der letzten Platte „Poison The Parish“ orientiert – und damit macht das Quartett doch wirklich alles richtig. „Si Vis Pacem Para Bellum“ ist keine schnöde Kopie der Vorgängerplatte geworden, sondern zeigt sich tatsächlich noch etwas ausgereifter, zumal sich der vierte Mann im Bunde gut eingelebt zu haben scheint. So dürfen Seether gerne noch mal 20 Jahre weitermachen.

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