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Secrets Of The Moon: Sun

Stagnation bleibt für diese Band ein Fremdwort
Wertung: 8.5/10
Genre: Black/Occult Metal
Spielzeit: 52:42
Release: 04.12.2015
Label: Lupus Lounge

Black Metal war und ist hochgradig ambivalent: Einerseits waren die größten Feinde der Szene schon immer die Kirche und das Christentum, angeprangert wegen Heuchelei und blindem Folgen einer Gottheit oder deren Repräsentanten. Spiritualität, Freigeistigkeit und das Individuum werden immer wieder als Ideale hochgehalten (für viele Anhänger ist Black Metal schließlich mehr als nur eine extreme Musikrichtung), auf der anderen Seite aber gibt es auch kein Subgenre, in dem so penibel auf Dresscodes und Trueness geschaut wird; wenn eine Band mal große Veränderungen vornimmt, steht die Szenepolizei jedenfalls gleich Gewehr bei Fuß.

Auf solche Stimmen nichts zu geben und zu machen was man will, ist aber eigentlich doch so viel mehr Black Metal als alles andere, sollte man meinen – rebellieren gegen die eigene Szene, die durch ihren Dogmatismus die eigenen Ideale zum Teil ad absurdum geführt hat, und damit selbst schon Heuchelei an den Tag legt. Secrets Of The Moon jedenfalls wollten von Anfang an niemals zweimal dasselbe Album aufnehmen und haben sich damit alle musikalischen Möglichkeiten offen gehalten. Dass man sie einst als „Chamäleons des Black Metal“ bezeichnete, ist schon sehr treffend. So bleibt es jedenfalls immer spannend, wenn die Osnabrücker eine neue Studiolangrille veröffentlichen.

Dass sie ihr letztes Werk „Seven Bells“ (2012) überhaupt nicht promoteten, ihr Label veranlassten, keine Anzeigen dafür zu schalten und keine Interviews im Rahmen des Releases gaben, zeugt in besonderem Maße dafür, dass sie den Spirit auf jeden Fall mehr als so mancher Möchtegern-Evil-Schwarzheimer in sich tragen. In musikalischer Hinsicht hatte man bei den letzten Platten die Hochgeschwindigkeitsattacken zu Gunsten von Midtempo-lastigen Passagen deutlich zurückgefahren, überflüssig zu erwähnen, dass das vorliegende „Sun“ erneut anders als alles klingt, was die Truppe bisher herausgebracht hat.

So wird man extreme Vocals auf dem neuesten Output der Niedersachsen vergeblich suchen, Frontmann sG pflegt stattdessen einen ausschließlich cleanen bis allenfalls angerauten Gesangsstil. Im brillanten Opener „No More Colours“ wird zwar zunächst eine ordentliche Blastbeat-Wand aufgefahren, über der eine einfach gehaltene, melancholische Gitarrenmelodie schwebt, doch sGs Gesang hat mit typischen schwarzmetallischen Screams nichts mehr zu tun. Nach und nach wird das Tempo immer mehr gedrosselt, das Mainriff gekonnt variiert bis zu einem ruhigen Ausklang des Stückes. Im Übrigen kommt auch eine gewisperte Textpassage auf Französisch vor – eine Hommage an Ex-Bassistin LSK (R.I.P.), die sich 2013 das Leben nahm?

Bei „Dirty Black“ agiert die Formation sogar noch etwas rockiger und grooviger (mit Akustikgitarre im Hintergrund), was jeden Puristen mit Sicherheit dazu bringen wird, sich alle Haare einzeln auszureißen – doch sollte man lieber anerkennen, wie Secrets Of The Moon es schaffen, trotzdem eine dunkle und bedrohliche Atmosphäre beizubehalten, was sich schon allein durch die überragend in Szene gesetzte, mächtige Gitarrenwand ergibt. „Man Behind The Sun“ hat ebenfalls eine rockige Schlagseite und einen sehr melancholischen Unterton, und auch hier lohnt es sich, vor allem auf die Klampfen zu achten – insbesondere die Slide-Gitarre besitzt eine enorme Effektivität. Insgesamt folgt der Song einem behutsamen Aufbau und gewinnt durch die kurze Blastbeat-Sequenz eine ziemlich dramatische Note. 

Es ist schon eine Kunst, wie die Norddeutschen mit grundsätzlich recht einfachen Mitteln ans Songwriting auf „Sun“ herangehen, durch ihre starken musikalischen Fähigkeiten jedoch stets das Maximum herausholen und vor allem atmosphärisch bleiben. Die abschließende Achterbahnfahrt „Mark Of Cain“ sei hier noch als Beispiel aufgeführt: Simple Basis zwar, dafür allerdings ein cleveres, wirkungsvolles Arrangement mit vielen spannenden, dennoch schlüssigen Wendungen und toller Dynamik. Eine absolut großartige Produktion trägt außerdem ihren Teil zum positiven Gesamtbild bei. 

Wer noch nach wirklicher Innovation im schwarzmetallischen Sektor sucht, ist bei Secrets Of The Moon auch anno 2015 wieder goldrichtig – Stagnation bleibt für diese Band ein Fremdwort. Auch wenn man das im musikalischen Sinne nur noch phasenweise Black Metal nennen kann (doch schreibt die Band auf ihrer Facebookseite sicherlich nicht aus Jux und Tollerei inzwischen „Occult Rock/Metal“ als Genrebezeichnung), ist trotzdem allein von der Stimmung her immer noch klar, wo die Wurzeln des Quartetts liegen. Und Namen (oder eben auch Genrebezeichnungen) sind letztlich ja eh nur Schall und Rauch.

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