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Secrets Of The Moon: Black House

Starkes Album mit Gothic-Rock-Einschlag, das nicht jedem alten Fan zusagen wird
Wertung: 8,5/10
Genre: Gothic Rock/Metal
Spielzeit: 52:20
Release: 08.05.2020
Label: Lupus Lounge

Mit ihrem letzten Album „Sun“, das eine deutliche Veränderung gegenüber ihren vorigen Alben markierte, haben Secrets Of The Moon ihre Fanschar ziemlich gespalten. Sicher, die Osnabrücker haben sich nie wiederholt und stets Wert darauf gelegt, Neues auszuprobieren und nicht auf plumpe Klischees festgelegt zu sein, doch mit dem kompletten Verzicht auf Black-Metal-Screams und der deutlichen Reduzierung von Blastbeats hatte die Band dann doch einen ungleich größeren Schritt gewagt als je zuvor.

Dass mittlerweile Lars Plegge alias Daevas ins Line-Up zurückgekehrt ist (und damit nun auch wieder ein Gründungsmitglied in der Formation aktiv ist), bedeutet keineswegs, dass sich Secrets Of The Moon wieder zurück in härtere Gefilde begeben – ganz im Gegenteil. Wer die vorab präsentierten Songs gehört hat, wird festgestellt haben, dass man auf dem siebten Studioalbum „Black House“ in noch rockigere Sphären vorgestoßen ist und dem Schwarzmetall (zumindest in rein musikalischer Hinsicht) komplett abgeschworen hat. Wem die letzte Scheibe aufgrund mangelnder Black-Metal-Härte nicht gefiel, wird demnach auch am neuesten Output der Niedersachsen mit Sicherheit keine Freude haben.

Dabei hat „Black House“ definitiv Aufmerksamkeit verdient. Selbstverständlich wird es auf ewig jene Querulanten geben, die von der Band verlangen, gefälligst ihren Namen zu ändern, weil sie ja überhaupt nicht mehr die Mucke fabrizieren wie früher (von dieser Forderung können Opeth garantiert ein Liedchen singen) – dabei ist die auf diesem Album enthaltene Musik im Endeffekt schlicht der kontinuierlichen Entwicklung der Gruppe geschuldet, der Sound dabei aber immer noch düster und melancholisch.

Blastbeats gibt es nun tatsächlich gar nicht mehr, stattdessen setzt man auf relativ klar strukturierte Stücke mit einem gewissen Maß an Eingängigkeit. „Veronica’s Room“ (übrigens Titel eines Theaterstücks von Ira Levin von 1973; demselben Typen, der auch „Rosemary’s Baby“ geschrieben hat), als erste Kostprobe seinerzeit ausgekoppelt, setzt auf wunderschöne, sehnsuchtsvolle Melodiebögen und besitzt einen gewissen Popappeal, was in keinster Weise negativ gemeint ist. Klar, mit Black Metal hat das nichts zu tun, aber um eine kompositorisch richtig starke Nummer mit großem Ohrwurmcharakter handelt es sich allemal.

Insgesamt hat man sich ausgiebig mit Gothic Rock à la Fields Of Nephilim befasst, dies wird in Stücken wie dem einleitenden „Sanctum“ überdeutlich, das mit seinen „Ahaha“-Gesängen im Hintergrund ebenfalls sehr eingängig daherkommt und am Ende mit dem „Don’t burn the witch“-Part eine der wenigen schnelleren Passagen auf der Platte aufweist. Das folgende „Don’t Look Now“ hat mit dem prominenten, wabernden Bass und den Synthesizern gar ein leichtes Type O Negative-Ambiente, während „He Is Here“ zunächst schleppend und bedrohlich tönt, im Refrain jedoch einen schwebenden, postrockig geprägten Part beinhaltet und sich stetig steigert. Hier ist mit Jules Näveri von Enemy Of The Sun einer von zahlreichen Gästen zu hören, die sich auf der Scheibe die Ehre geben.

Dies mag noch so ein Punkt sein, der manch altem Fan sauer aufstößt, doch sind die Gastmusiker recht subtil integriert – einen Overkill muss in dieser Hinsicht keiner befürchten. Als Musiker sind SOTM gut genug, um die Arrangements spannend zu halten, ohne sie zu überladen; hier klingt nichts nach dem Zufall überlassen oder danach, einfach mal ein paar Songs ohne großen Plan mit ein bisschen Hilfe von Freunden auf Platte zu bannen. Des Weiteren gilt einmal mehr die berühmte Maxime: Je mehr Durchläufe, desto mehr Details offenbaren sich.

Dass „Black House“ dennoch nicht jedem gefallen wird, das war allerspätestens mit der ersten Single-Auskopplung klar und es wird ja auch niemand gezwungen, das enthaltene Material toll zu finden – die Band dafür zu verdammen, dass sie es gewagt hat, trotz einer Ausrichtung, die keine Screams, Blastbeats etc. mehr birgt, auch weiterhin unter ihrem alten Namen zu firmieren, ist hingegen hochgradig albern. Vielmehr ist es spannend, dass sie es trotzdem geschafft hat, ihre mystische, düstere Atmosphäre beizubehalten, nur eben anders zu transportieren. Da überrascht plötzlich so ein Track wie das großartige Titelstück, das gar Grunge-Einflüsse der Marke Linie Alice In Chains zeigt, dabei aber ebenfalls eine bluesige Note offenbart und relativ verspielt erscheint.

„Heart“ wiederum hat mit seinem Tribal-Drumming, das einer elegischen Sequenz in der Mitte weicht, Züge eines Trauermarsches und generell einen zeremoniellen Charakter, in „Mute God“ hingegen trumpft der Refrain nach zurückhaltender, dumpfer Strophe regelrecht auf und qualifiziert sich damit als Anspieltipp, und das stark von Akustikgitarren geprägte „Cotard“ überzeugt mit eindringlichen, bewegenden Gesangslinien und einer entfesselten Gitarrenfanfare zum Ende hin.

Secrets Of The Moon haben sich also viele Gedanken gemacht und ein Album erschaffen, das gekonnt und vielschichtig Grunge-, Rock- und Gothic-Elemente vereint und diese mit einer schwarzmetallisch angehauchten Stimmung überzieht. Es gebührt ihnen gerade dafür Respekt, dass sie eben nicht irgendwelche Erwartungen erfüllen und plumpen Fanservice betreiben. Auch sG zeigt sich als Cleansänger gereift; sicher ist er nicht unbedingt technisch herausragend, seine Stimme besitzt jedoch Seele und passt gut zur Musik. Für sich genommen ist „Black House“ ein starkes Album, dem jeder Fan dunkler Rockmusik eine Chance geben sollte, anstatt „Carved In Stigmata Wounds“- oder „Privilegium“-Zeiten nachzutrauern.

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