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Second To Sun: The First Chapter

Eine halbe Stunde Wahnsinn
Wertung: 8/10
Genre: Experimental, Progressive Djent
Spielzeit: 33:59
Release: 16.11.2015
Label: Eigenproduktion

Second To Sun sind eine Instrumental-Band aus Russland. Mit „The First Chapter“ veröffentlichen sie ihr zweites Studioalbum. Was auch immer man vorm Einlegen der CD erwartet, es wird definitiv anders. Das Album ist eine verrückte Mischung aus Härte, Melancholie, Wahnsinn und Unberechenbarkeit. 

Schon der Opener „Spirit Of Kusoto“ führt den Hörer zu Anfang erstmal mit lieblichen Keyboard-klängen in die Irre, die genauso gut das Intro einer kitschigen Anime-Serie hinterlegen könnten. Nach nicht mal einer Minute wird aber ohne Vorwarnung klar, dass es ganz anders läuft, denn auf einen Schlag scheppern tiefe Djent-Riffs aus den Boxen, hinterlegt mit verstörenden Leads und Keyboards und stellenweise laut krachenden Blastbeats.

Das folgende Stück „Red Snow“ kann man sich so vorstellen, als wären Dark Tranquillity auf Acid und Speed, während sie einen Horrortrip erleben. Nach paar Minuten Wahnsinn und einer kurzen Pause, in der das Geräusch eines eisigen Wintersturms zu hören ist, endet das Lied mit rasenden Blastbeats und hektischen, dramatischen Melodien. Hier kann man sich die Panik vorstellen, die in einem vorgeht, wenn man im eiskalten russischem Winter mit letzter Kraft gegen den Erfrierungstod ankämpft. Doppelt Gänsehaut!

Nach diesem Schema geht es auch weiter. Besonders düster geben sich Second To Sun in „The Blood Libel“ zu hören. Der Song ist hauptsächlich langsam und doomig gehalten und bringt eine bedrohliche Atmosphäre mit sich. Mit „Narcat“ geht es dann wieder Djent-lastiger zur Sache und nach dem wahnsinnigen „Virgo Mitt“ ist das Album eigentlich durch. Warum aus „Cokk Kapper“ ein Bonustrack gemacht wurde, leuchtet bei der kurzen Spielzeit nicht ganz ein. Hier geht es nochmal mit sägendem Djent und einer Mischung aus tänzelnden Gute-Laune-Melodien, gestörtem Riffing und ausrastenden Drums wild zu Sache.

Der zweite Bonustrack ist eine, auf die doppelte Länge ausgeweitete Version von dem ursprünglich recht kurzen „Narcat“ und trotz der rohen Qualität durchaus nochmal hörenswert. 

Da es keinen Gesang und somit auch keine Lyrics gibt, liegt die Vorstellung der Thematik bis auf kleine Anhaltspunkte aus den Liedtiteln ganz beim Hörer selbst. Man kann sich beispielsweise die Führung durch eine alte russische Irrenanstalt vorstellen, oder ein außer Kontrolle geratenes Raumschiff, das ungebremst und planlos durch das Weltall rotiert.

„The First Chapter“ ist ein experimentelles Album, das dem Hörer viel Raum zum Phantasieren lässt, sehr kraftvoll und sauber produziert ist und definitiv einen eigenen Stil hat. Besonders Djent-Fans können sich hier die Zähne ausbeißen und generell alle, die auf harte, durchgeknallte Musik stehen, sollten mal reinhören. Etwas mehr Spielzeit wäre allerdings schön gewesen. 

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