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Sear Bliss: Glory And Perdition

Mit Pauken und Trompeten
Wertung: 7/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 38:22
Release: 02.02.2009
Label: Vic Records

Sear Bliss wegen des Sounds ihrer Posaune zu kritisieren, wäre in etwa so, wie sich die Musik Nightwishs ohne Orchester zu wünschen. Schließlich war bei der ungarischen Black Metal-Band schon von Beginn an ein Blechbläser am Start. Das ändert allerdings nichts daran, dass Trompeten-Black Metal auch weiterhin zumindest gewöhnungsbedürftig ist. Aber um ehrlich zu sein passen Dudelsäcke und Flöten mindestens genauso schlecht zum Heavy Metal.

Mit „Glory And Perdition“ erscheint das hierzulande vergriffene 2004er-Werk erneut in Europa. Als Besonderheit ist vor allem die Zusammenarbeit mit Landsmann Attila Csihar (Mayhem) in zwei Tracks zu nennen. Das aktuelle Album „The Arcane Odyssey“ (2007, 9 von 10 Punkten) räumte ordentlich ab. Ob das der Vorgänger auch schafft?

Produktionstechnisch ist die Frage mit einem eindeutigen „Nein“ zu beantworten. Bekannt für einen dezenten Synthie-Einsatz waren Sear Bliss noch nie, doch auf „Glory And Perdition“ treiben es die Fünf hin und wieder auf die Spitze. In „Shores Of Death“ etwa sind die meist flächendeckenden und damit wenig eigenständigen Konservensounds stellenweise derart präsent, dass der Rest Gefahr läuft,  nur noch drucklos vor sich hin zu plätschern. Der Begriff ist nicht willkürlich gewählt: Tatsächlich klingen die Keyboard-Sounds meist wenig bodenständig, dafür fast spacig.

Auch Satyricon haben den tiefen Blechsound inzwischen zu schätzen gelernt: Was wäre „To The Mountains“ ohne Bläser? Sear Bliss aber gehen anders vor. Das Grundgerüst bildet solider, durchdachter Black Metal mit massiven Keyboard-Einsätzen. Man schwankt zwischen Up- und Mid-Tempo, bewegt sich im Prinzip aber recht gradlinig. Dazu kommt die Posaune, entweder unterlegend auf einer Ebene mit den Synthie-Klängen oder als eigenständiges Element. Dass das nicht immer böse und furchteinflößend klingen muss, beweist beispielsweise „Night Journey“ oder auch der starke Opener „Birth Of Eternity“, der durch die Vocals von Attila Csihar ungemein bereichert wird. Sear Bliss setzen ihre Posaune bewusst ein und grenzen sich mit ihr nicht nur klanglich, sondern auch musikalisch von ihren Black Metal-Kollegen ab. Denn Melodien der Art wie auf „Glory And Perdition“ zu entdecken, findet man bei kaum einer anderen Formation.

Zwar beträgt die Spieldauer des Albums lediglich 38 Minuten, doch kommt darin keine Langeweile auf. Der Song „Glory And Perdition“ etwa wartet mit orientalischen Melodien auf, während „Two Worlds Collide“ mit seinen abwechslungsreichen Parts überzeugt. „Dreams Spectre“ knüppelte die Band nahezu vollständig in bester brachialer Black Metal-Manier ein, während die anderen Songs sich über weite Strecken dem Mid-Tempo bedienen.

Es hätte dem Album sicherlich gut getan, wären beim Remastern auch die Synthiespuren etwas eingedämmt worden. Abgesehen davon liefern Sear Bliss mit „Glory And Perdition“ allerdings ein abwechslungsreiches, gut durchdachtes – wenn auch mit 38 Minuten sehr kurzes - Black Metal-Album ab. Freunden von melodischem Schwarzmetall sei ein Probehören ans Herz gelegt, für Genre-Puristen ist „Glory And Perdition“ aber definitiv die falsche Wahl.

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