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Sear Bliss: Forsaken Symphony

Symphonischer Black Metal in Perfektion
Wertung: 10/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 63:15
Release: 02.02.2009
Label: Vic Records

Wieder ein Re-Release, wieder Sear Bliss. Zusammen mit dem 2004-er Album „Glory And Perdition“ veröffentlicht das Label Vic Records ebenfalls seinen Vorgänger von 2002 neu. „Forsaken Symphony“ heißt das gute Stück der Ungarn, die sich auch zum damaligen Zeitpunkt schon von der Trompete verabschiedet und dafür einen Posaunisten im Lineup begrüßt hatten. Ein Blechbläser in der festen Besetzung einer Black Metal-Band ist skurril, doch gehört seit Anbeginn der Band fest dazu. Auch das aktuellste, siebte Sear Bliss-Werk setzt noch immer auf diese Besonderheit.

Würde man sich Fünf-Sekunden-Samples beliebiger Stücke von „Forsaken Symphony“ und seinen beiden Nachfolgern anhören, wüsste man sofort, in welcher chronologischen Reihenfolge die Alben wurden. Objektiv gesehen ist die Produktion vom 2004er-Album tatsächlich deutlich besser als die des hier besprochenen Werkes. Dass sich die vermeintlich bessere Produktion subjektiv allerdings durchgehend negativ auf das Hörerlebnis auswirkt, wurde bereits an anderer Stelle erörtert.

„Forsaken Symphony“ ist dagegen noch so, wie man es von Re-Releases alter Alben einer Black Metal-Band, die nicht zu den Topsellern gehört, erwartet. Die Gitarren klirren und kratzen, die Becken tun fast körperlich weh und der Gesamtsound wirkt leicht übersteuert. Das allein klingt nicht wirklich positiv. Die Synthie-Sounds allerdings wandeln den Gesamteindruck: Die synthetischen Soundgebilde sind derart präsent, dass sie zusammen mit Drums, Gitarre und Bass eine Einheit bilden, die gleichzeitig kalt und warm, gleichzeitig roh und stimmig ist. Sear Bliss liefern uns hier eine sehr interessante Mischung, die Nachteile zu Vorteilen transformiert und in dieser Hinsicht deutlich besser zündet als das Nachfolgealbum.

Die Atmosphäre, die daraus resultiert, ist unglaublich dicht und betörend. Die Metal-Fraktion liefert bitterkalten, rohen und gleichzeitig abwechslungsreichen Black Metal, der sowohl Up- also auch Mid-Tempo-Passagen vereint. Die symphonischen Klänge sind der Kategorie „spacig“ zuzuordnen, da sie ganz bewusst keine orchestralen Instrumente nachbilden, sondern sich meistens flächendeckend im Hintergrund halten. Die Posaune dagegen passt sich wunderbar an. Man fragt sich plötzlich nicht mehr, wie es möglich ist, stimmigen melodischen Black Metal mit einer Posaune zu spielen, sondern wie es möglich ist, dieses Genre ohne das signifikante Instrument zu bedienen.

Es ist unglaublich, wie der Geist des ursprünglichen Black Metals trotz der bei Genre-Puristen so verhassten Synthiesounds beibehalten und sogar durch sie unterstützt wird. Die Songs – allesamt kleine Meisterwerke – schwanken zwischen tiefer Trauer, abgrundtiefem Hass und berstender Wut. Sänger András Nagys macht mit seiner markanten, kräftigen Stimme dazu einen perfekten Job. Die übermittelten Emotionen werden perfekt in Szene gesetzt, es stimmt einfach alles: Majestätische Melodien, bewegende Harmonien, brutales Geknüppel, theatralische Dramatik; Highlights am Fließband. Wie kann es sein, dass ein vergriffenes Werk dieser Klasse nicht schon früher neu aufgelegt wurde?

„Forsaken Symphony“ überzeugt nicht nur, es überwältigt. Wer der Meinung war, es sei unmöglich, unverfälschten Black Metal mit synthetischen Elementen zu verbinden, ohne seine Natur zu zerstören, den wird dieses Album garantiert überzeugen. Was die Ungarn hier abliefern, ist grandios. Die Folgealben sind dagegen nur Stangenwaren.  

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