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Seagrave: Stabwound

Bis zu perfekt fehlt noch was
Wertung: 7/10
Genre: Post Metal / Black Metal
Spielzeit: 42:56
Release: 27.04.2015
Label: Art Of Propaganda

Ein düsterer Sound weht aus den Boxen als das Debüt des Wiener Projekts Seagrave vom Laser getastet wird. Im allerersten Moment könnte man an ein Black Metal Werk denken (das Cover legt diese Vermutung zusätzlich nahe), aber damit greift man zu kurz.  Wenn man den Begriff Black durch Post ersetzt, dann kommt man der Sache schon ein ganzes Stück näher, denn trotz vieler schwarzmetallischen Elemente überwiegt hier das technisch ausgefeilte Liedgut. Vor allem auf Dramatik wird viel Wert gelegt. Immer wieder wird vor allem die Dynamik und die Geschwindigkeit geschickt eingesetzt um Spannung zu erzeugen. Das geht sogar so weit, dass rockige Gitarrenriffs direkt neben vollem Black Metal Geballere aufgefahren werden. Im Gegenzug zu dieser musikalischen Vielfalt zeigt sich der Schreigesang als einzige sehr verlässliche Konstante. Klingt wirr bisher? Ist es auch.

Seagrave, die gerade vom Studioprojekt zur Liveband pubertieren wollen, erschaffen ein abstraktes Werk aus musikalischen Intermezzos, die geschickt angeordnet und verbunden wurden. Diese sind dann auch noch so stark verdichtet, dass dem Hörer kaum Zeit bleibt, das eine oder andere Einzelstück zu analysieren. In der Regel muss man sich darauf beschränken, dass man sich die sechs Einzelstücke vornimmt, ohne sie weiter aufzudröseln.

Macht man sich genau diese Arbeit, dann sollte man beim zweiten oder dritten Rillenlauf der Plattennadel darauf aufmerksam werden, dass die Scheibe einen Riss hat. Denn trotz aller Abwechslung innerhalb der Stücke bröckelt der Glanz, wenn man die Lieder in ihre Einzelteile aufspaltet und analysiert. Dann wird nämlich zum Beispiel der Gesang schnell zur Last. Das meist monotone Geschrei verleitet den Hörer rapide dazu, das ganze Projekt auf den Shouter zu minimieren. Dabei haben die Songs doch mehr zu bieten als nur das stark im Vordergrund gehaltene Gegurgele.

All die Arrangements und verwobenen Notenlinien gehen eben schnell kaputt, wenn auch nur ein Baustein in dem empfindlichen Gebilde nicht passt. Und dieser Stein ist hier eben der Gesang. So verzweifelt und emotional der Sänger zu Beginn auch noch klingt, spätestens nach dem dritten Lied wünscht man sich zumindest eine kleine Variation am Mikro. Es passiert aber nichts. Bis zum bitteren Ende. Vielleicht steckt da sogar Absicht dahinter.

Seagrave ist ein beeindruckendes Projekt, welches, sobald es komplett für Liveshows sein sollte, bestimmt mitreißen kann. Für die nächsten Studiosachen sollte man sich aber wirklich überlegen, wie man Musik und Geschrei ein bisschen besser in Einklang bringen kann.

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