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Scratched Surface: Nine Novembers Fall

Durchwachsenes Debüt - es hapert noch beim Songwriting
Wertung: 5/10
Genre: Melodic Thrashcore
Spielzeit: 35:51
Release: 04.07.2008
Label: Dr. Music / Rough Trade

Die vielen unterschiedlichen, vom Label genannten Einflüsse wie Metallica, Slayer, Sepultura und Machine Head aus dem klassischen Thrash-Bereich, Mudvayne und Slipknot aus der modernen Brutalo-Sektion, sowie The Haunted aus der Death-Thrash-Ecke lassen schon einmal aufhorchen und erhoffen, man habe es hier mit einer vielseitigen, abwechslungsreichen Scheibe zu tun.

Leider aber ist dies nicht der Fall. Das melancholische, ruhige Intro „Infinity 0.02“ ist zwar spannungsgeladen und klingt zunächst danach, als wenn sich hier tatsächlich Großes ankündigt. Die sich langsam steigernden, cleanen, von Akustikklampfen untermalten Gitarrenmelodien muten wie die Ruhe vor dem Sturm an – aber dass es danach abgehen würde, war bei der Nennung der Einflüsse ja ohnehin relativ klar. 

Und beim folgenden „Choke Down“ geht es schon ziemlich ab – ernüchternderweise jedoch in absolut Standard-mäßiger Modern Thrash/Metalcore-Manier: Wenig innovatives Geschrammel auf tiefer gestimmten Gitarren, dessen Akkorde selten weiter als einen Halbton auseinander liegen. Das haben wir in ähnlicher Form schon geschätzte 123 Mal gehört – gähn. Eher nervig auch der Gesang, der in ebenfalls wenig eigenständiger 08/15-Manier herausgebellt wird. Zugegeben, wenn man den Song ein paar Mal gehört hat, bleibt von dem Refrain schon ein bisschen was hängen, aber das bedeutet auch nicht, dass einen die Melodie, die Frontmann Michael Babic da trotz des erwähnten Hardcore-lastigen Gebrülls zu singen versucht, total vom Hocker reißen würde.

Ein ähnliches gilt für das kurze „Break To Arise“: Viele Schrammel-Riffs, wenig Innovation, wenn man mal von den eingestreuten ganz netten Harmony-Voicings der Gitarren absieht, die zumindest ein bisschen Farbe in den Einheitsbrei bringen.

Erst mit „Make Me Clear“ kann das Quintett ein wenig punkten. Der erste Teil gehört zwar ebenfalls zur Kategorie „zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus“, doch der etwa ab der Mitte einsetzende gemäßigte Part – der sich zum Ende des Songs wiederum steigert – wurde wirklich gut eingebaut und bietet zum ersten Mal so etwas wie Abwechslung. Die Gitarrenmelodie klingt hübsch wehklagend – schade, dass sie von Sänger Michael Babic völlig niedergemetzelt wird. In den harten Momenten ist das Gebrüll ja noch okay – auch wenn diese Art Gesang nie wirklich mein Ding sein wird –, aber in solch ruhigeren Momenten wird seine stimmliche Limitation dann doch ziemlich offensichtlich. Insgesamt dennoch klar eines der besseren Stücke auf der Platte.

Dieses Fazit kann man wohl auch für „Hold The Lights You Own“ ziehen, bei dem der Wechsel zwischen ruhiger Strophe und hartem Refrain recht gelungen zelebriert wird. 

„Phoenix“ bietet dann leider erneut Einfallslosigkeit pur: Standardmäßige Rhythmik und völlig belanglose, langweilige Akkordfolgen, während bei „Not To Breathe“ durch vereinzelte ruhige Stellen zumindest der Versuch unternommen wird, wieder etwas Abwechslung in den Laden zu bringen, was allerdings nicht ganz so gelingen will wie bei „Make Me Clear“ und „Hold The Lights You Own“.

So ist es auch bei „Worn Out“: Es ist aller Ehren wert, mit ruhigeren Passagen Würze in eine Platte zu bringen und auf diese Weise zu versuchen, Eigenständigkeit zu beweisen, aber irgendwie wirkt das auf „Nine Novembers Fall“ meistens gezwungen, irgendwie will das Ganze nicht recht flutschen. Vielleicht allerdings liegt dies auch daran, dass die Hooklines fehlen, so richtig hängen bleibt kaum etwas (bis auf das finale „The Great Fall“, das ganz gute Gitarrenmelodien im Chorus parat hat) – die Chose plätschert vor sich dahin und rauscht völlig an einem vorbei.

Die Jungs sollten das nächste Mal noch etwas mehr an ihrem Songwriting feilen und Frontmann Michael Babic täte gut daran, an seinem Gesang arbeiten. Aber da es sich hier noch um eine sehr junge Band handelt, ist dafür ja noch genügend Zeit, denn das Bemühen ist auf jeden Fall erkennbar.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann