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Scorpions: Humanity - Hour I

Sie haben es immer noch nicht verlernt!
Wertung: 9/10
Genre: Hard Rock Melodic Metal
Spielzeit: 49:5
Release: 25.05.2007
Label: Sony BMG

Tja, was soll man denken, wenn man im Vorfeld einer CD Veröffentlichung hört, dass Helden der deutschen Hardrock / Metal Szene, welche doch in den Neunzigern und bis jetzt im 21. Jahrhundert eher für Ernüchterung gesorgt hat, nun mit einem faustdicken Überraschungspaket am Start sein sollen? Nun ja, irgendwie haben es die Scorpions geschafft, letztes Jahr das größte Metal Festival zu headlinen, ohne vorher eine richtig starke Platte abgeliefert zu haben. Seltsam, aber noch seltsamer ist die Ankündigung gewesen, dass man dies mit tatkräftiger Unterstützung von Starkomponist Desmond Child machen wollte. Nun ja, außerdem beansprucht die Band für sich, das Konzeptalbum wieder zu beleben. Seltsam, tot war dieses Genre eigentlich wirklich nicht, W.A.S.P. fallen mir da auf Anhieb mit deren extrem starken „Dominator“ Album ein.

Egal, von vielen schon ins Altersheim abkommandiert, muss ich sagen: Ja, es stimmt, die Band bewegt sich in Richtung Altersheim…. Aber nur, um die alten Fans dort heraus zu zerren, um gehörig abzurocken. Die Band schafft es seit langem wieder, so richtig in den Arsch zu treten. „Hour I“ hämmert richtig stampfend drauf los. James Kottak verleiht dem Song durch seine Drumarbeit gehörig Groove, welcher durch die starken Metalgitarren noch deutlich verstärkt wird. Matthias Jabs haut ein amtliches Solo raus und der Kuchen ist gegessen. Was ist mit den Scorpions los? Energy Drink oder Zeitmaschine?

Na, so kann es gerne weiter gehen. Nicht ganz so treibend, aber trotzdem toll geraten ist „The Game Of Life“. Unglaublich, was Klaus Meine auch mit 59 Jahren aus seinem Goldkehlchen rauszaubert. Apropos Klaus Meine, er scheint sich mit dem Album ein eigenes Geburtstagsgeschenk gemacht zu haben, denn just am Veröffentlichungstag, dem 25.5. hat er auch Geburtstag. Die Party mit der neuen Scheibe als Hintergrundmusik dürfte gelungen sein.

Mit „We Were Born To Fly“ wird dann auch der Powerballadenfraktion gehuldigt. Gelungen, denn der Song setzt sich sehr schnell im Kopf fest. Also, in den letzten Jahren hätte Mathias Jabs niemals so eine Gitarre zu solch einem Song abgeliefert. Irgendwie ist dies eine Symbiose aus den Alben „Blackout“ und „Crazy World“ mit einem topaktuellen Melodic Metal Sound.

„The Future Never Dies“ ist noch balladesker ausgefallen und steht in der Tradition von „Still Loving You“. Auch wenn der Song durch seine teilweise kurz auftauchenden härteren Akzente deutlich mehr Power aufweist, verliert der Song nichts von seiner Charttauglichkeit. „You`re Lovin`Me To Death“ geht da schon wieder deutlich härter zur Sache. Ein schöner Heavyrock-Song, der gerade auch durch die tolle Bassline sehr gut geraten ist, welche Pawel Maciwoda da eingespielt hat. Das Ganze dann natürlich mit einem Refrain garniert, dass man den Song schon beim ersten Durchlauf mitsummt.

„321“ haut dann noch mal so richtig in die powervolle Kerbe. Ein groovender Stampfer, der trotzdem eingängig ist. Okay, dermaßen viel Drive wie bei der „Blackout“ ist hier nicht zu sehen, denn über die Hälfte der Songs der 1982 Veröffentlichung haben soviel Energie gehabt, dass sie einen quasi durch die Lautsprecher mit wildem Kriegsgeschrei ansprangen. Aber das muss hier auch gar nicht sein, denn die Songs haben auch so genug Qualität, um zu überzeugen.

„Love Will Keep Us Alive“ ist dann die große Schmalznummer, welche ein wenig zuviel Chartorientierung bekommen hat. Trotzdem ein toller Song, welcher für ruhige zärtliche Stunden zu zweit prädestiniert scheint. Gott sei Dank hat man hier nicht versucht, soviel Pathos wie bei „Still Loving You“ reinzulegen.

„We Will Rise Again“ ist wie so oft ein Song, welcher zwischen Powersektionen und balladesken Elementen hin und her pendelt. Aber seien wir ehrlich, das beherrschen die Scorpions aus dem Eff Eff. „Your Last Song“ zeigt, dass Klaus Meine auch in anderen Stimmlagen immer noch bestehen kann. Ein weiterer balladesker Song durch und durch, welcher aber mit einem tollen Refrain gesegnet ist.

„Love Is War“ fällt da leider dann etwas ab. Er begibt sich zwar auf den gleichen Weg wie schon „Your Last Song“, kann aber leider nicht mit einem dermaßen gelungenen Hammerrefrain aufwarten. Irgendwie könnte es jetzt aber wieder mal richtig abgehen, finde ich und lechze nach einer weiteren Energieleistung der Band. Zum Glück wird dieser Wunsch auch mit „The Cross“ erfüllt. Der Song rockt noch mal schön ab. Ich frage mich nur, warum die Band hier Smashing Pumpkin`s Billy Corgan an Bord geholt hat. Das hat man doch nun wirklich nicht nötig. Klaus Meine`s Stimme ist eh besser und wirklich große Akzente weiß Billy hier eigentlich auch nicht zu setzen.

Zu meiner großen Enttäuschung kommt dann auch schon der Schlusssong daher: „Humanity“. Also, da ist die Spielzeit aber doch recht knapp geraten. Nicht falsch verstehen, wenn wir hier von „Unbreakable“ sprechen würden, dann wäre es nicht schlimm, aber bei so einem starken Album? Schade! Der Song lässt Gänsehaut aufkommen, obwohl er zwischenzeitlich richtig losstampft.

Fazit: Ein echt starkes Album, welches ich der Band alleine wegen der Energie ehrlich gesagt nicht zugetraut habe. Die drei Urscorpions Rudolf Schenker, Klaus Meine, und Mathias Jabs mit internationaler Verstärkung von Pawel Maciwoda und James Kottak sind gerade auch in der Songwriterverbindung mit Desmond Child wieder auf einem Hoch! Das Ganze wird als Konzeptalbum verkauft, welches sich, wie der Titel sagt, um Humanität handelt. Nun ja, leider hat man es vergessen, in den sehr hochwertig (Papier) anmutenden Booklet die Songtexte abzudrucken. Somit dürfte den meisten Hörern das groß angepriesene Konzept zumindest in den Feinheiten verborgen bleiben. 49 Minuten und 5 Sekunden sind im Zeitalter der CD aber mindestens 15 Minuten zu wenig, wir sind ja eben doch nicht mehr in den Achtzigern.

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