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Schönleben: Übungen Im Positiven Denken

Unfassbar gutes Drumming kollidiert mit nicht immer überzeugenden Vocals
Wertung: 7/10
Genre: Screamo, Post-Hardcore
Spielzeit: 20:04
Release: 22.07.2020
Label: Through Love Records

Through Love Records ist neben den saarländischen Midsummer Records mittlerweile deutlich überproportional im heimischen CD-Regal vertreten – immer wieder kann man sich am Roster begeistern, vor allem herrscht eine nicht versiegende Flut an sehr guten bis großartigen deutschsprachigen Post-Hardcore-Bands vor, die politisch wie auch emotional etwas zu sagen haben und sich nicht hinter Germanistik-Plattitüden versteckt. Wer sich in diesem Genre noch nicht so auskennt, aber neugierig ist, sollte Kollegen wie Mahlstrom, Fjørt, 8kids oder die großartigen Todd Anderson mal auschecken. Schönleben platzieren sich trotz des abstrusen Bandnamens, der eher an eine Wohnzeitschrift denn an Geschrei denken lässt, mitten in der Schnittmenge dieser und noch weiterer Truppen, was kaum verwundert, wenn man weiß, dass unter anderem Mahlstrom-Mitglieder mitmischen.

„Übungen Im Positiven Denken“ heißt die sieben Tracks starke EP, die eigentlich aus einer Spiellaune heraus entstanden ist, den Musikern dann aber viel zu gut gefallen hat, um auf der Festplatte zu versauern und so den Weg des Vinyls gehen durfte. Beim Intro muss man ein bisschen recherchieren, stößt dann aber auf ein großartiges und heute wichtiger denn je anmutendes Zitat des bereits 2002 verstorbenen SZ-Journalisten Klaus Podak – eine spannende und schlaue Einleitung, die die Jungs sich da überlegt haben.

Entsprechend erwartet man natürlich ein bestimmtes Niveau von den restlichen Stücken, die unterschiedliche Titel wie „Origami“ oder „Künstliche Beatmung“ tragen und mit einer „Hochseilakt“ benannten Schreiorgie eingeleitet werden. Man erkennt die typischen Post-Hardcore-Bausteine sofort wieder – verzweifelt-hysterische Vocals zwischen Shouts und Rufen, melancholisch-melodiöse Gitarren und clevere Drumfills – und kann sich daran erfreuen, dass Schönleben ihren Einstand ernst zu nehmen scheinen. Damit steht dann auch schon der erste Anspieltipp; das ging ja flott.

Auch scheinbar lärmige Zeitgenossen wie „Weichenstörung“ bekommen durch die Tempowechsel und die filigran eingewobenen Gitarren doch immer wieder auch die Kurve weg vom reinen Lärm hin zu gestandenen Post-Hardcore-Tracks, wobei man sich wirklich daran gewöhnen muss, dass Sänger Micha teils heiser aus dem Off brüllt. Wer sich mit dem Genre aber schon tiefer gehend befasst hat, kennt seine Pappenheimer natürlich – da folgt direkt ein deftig geschriener Refrain und man ist wieder versöhnt. Wobei – bei Tracks wie „Künstliche Beatmung“ wird dem Pathos dann doch ein bisschen viel Raum gegeben, hervorheben muss man hingegen das absolut geniale Drumming von Schlagwerker Martin, der überhaupt immer wieder auf „Übungen Im Positiven Momenten“ absolut denkwürdige Akzente setzt. Da wird‘s bei „Tastsinn“ dann endlich auch etwas lärmiger, schon beim Zuhören wird man heiser, da hätte es den Tritt auf die Bremse gar nicht gebraucht, der zornige Ausraster entschädigt dann aber glücklicherweise dafür.

Tatsächlich haben Schönleben auf ihrem ersten Lebenszeichen einige druckvolle Momente, die sollten sie aber auch beibehalten – gegen melodische Instrumentalpassagen ist nichts einzuwenden, zumal sie ja ein Trademark des Post-Hardcore darstellen, so ganz anfreunden kann man sich hingegen mit den ruhigeren Gesangspassagen nicht. Dennoch: Mehr „Übungen Im Positiven Denken“ täten uns allen gut, entsprechend darf die EP sich mit soliden sieben Zählern in die Sammlung einordnen.

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