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Schöngeist: Keine Zeit

Interkultureller Gothic Rock mit interessanten Texten
Wertung: 8.5/10
Genre: Gothic-Rock
Spielzeit: 55:10
Release: 25.03.2011
Label: GoldenCore Records, Zyx Music

Schöngeist liefert deutsch-türkischen Gothic Rock mit aufrüttelnden Texten. Hinter Schöngeist steht der Sänger Timur Karakus, der Musik nicht nur als Möglichkeit der Meinungsäußerung sieht, sondern vielmehr als Inspiration, Maßstab und Horizonterweiterung. All dies möchte Schöngeist mit der Musik transportieren, all dies soll angesprochen werden. Das ist natürlich mutig.
Das Album wurde auf den Namen „Keine Zeit“ getauft und spiegelt eine der größten Herausforderungen der heutigen Zeit wieder. Zwar werden immer mehr Werkzeuge erfunden, die uns Zeit sparen sollen, es wird digitalisiert, durch Technik erleichtert und dennoch rennen wir jeden Tag unserer Zeit hinterher. Angesprochen fühlen durch den Titel kann sich also jeder. „Keine Zeit“ liefert insgesamt vierzehn Tracks und davon sind drei Songs Bonusmaterial und mit insgesamt 55 Minuten besitzt die Scheibe eine ordentlich lange Spielzeit.

Die elf Tracks sind in deutscher Sprache gehalten, nur ein Bonustitel nutzt die englische. Die türkischen Wurzeln Schöngeists kommen hier so noch nicht zum Tragen. Die Titel betrachtend, fällt allerdings auf, dass Timurs Wurzeln inhaltlich sehr wohl in das Album finden. Religiöse Zitate findet man bei Song Nummer eins: „Auge Um Auge“ oder auch bei „Halbmondfinsternis“, um nur die offensichtlichsten Stücke zu nennen.

In das Album reinhörend wird deutlich, dass Schöngeists Vorhaben, den Horizont zu erweitern, nicht nur Floskel ist, sondern dass die Band absolut dahinter steht. Schöngeist machen Rock, Schöngeist machen Gothic und mixen diese beiden Genres mit orientalischen Einflüssen. Diese Mischung klingt so natürlich, als wenn es das Genre schon seit Ewigkeiten gibt. Timur, der Schöngeist 2006 gründete, ist interkulturell aufgewachsen und nimmt dies als Grundlage für seine sehr politischen Texte. „Halbmondfinsternis“ beschäftigt sich mit der Unterdrückung der muslimischen Frauen. Auf extrem ironische Weise wird das Tragen des Kopftuches und das Bleiben unter den Seinen angewiesen. Beginnt der Song ruhig und der Text scheinbar sachlich, endet dieser mit der Aussage und der dazu passenden musikalischen Untermalung, dass nach einem Krieg kein Stein mehr auf dem anderen liegen wird.

Es gibt auch sehr ruhige Balladen auf dem Album wie zum Beispiel „Nie Mehr Allein“. Diese Ballade beschäftigt sich mit der Seefahrt und der damit verbundenen Einsamkeit der Seeleute. Erinnerungen an Unheilig werden hier wach. Auch „Du“ ist ein ruhiger Song, der leider viel zu poppig geraten ist.

Schöngeist liefern mit „Keine Zeit“ ein abwechslungsreiches Album, welches seine Höhen hat, welches aber teilweise auch zu ruhig geworden ist. Höhen sind definitiv die Auseinandersetzung mit der „Kopftuch-Thematik“, der Thematik des „an den Hals Werfens“ in den Diskotheken („Sonne Der Nacht“) und dem Thema der nie genügenden Zeit. Musikalischer Höhepunkt ist die Art und Weise, wie Schöngeist orientalische Klänge mit Rock und Gothic mit einer bisher nicht dagewesenen Selbstverständlichkeit mischen. Schwachpunkte sind die teilweise zu schmalzigen Songs. Was sie aber durchweg schaffen, ist, den Wunsch zu erwecken, sie live auf der Bühne zu sehen.

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