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Schneewittchen: Perlen vor die Säue

Grotesk, poetisch, abartig, gedankenvoll, rebellisch, lächerlich, provokant, bizarr und vor allem abstrus
keine Wertung
Genre: Electroclash / Alternativ
Spielzeit: 55:31
Release: 06.06.2008
Label: Danse Macabre

„Perlen vor die Säue“. Verständlich, dass ein Künstler seine Songs als Perlen zu umschreiben mag, aber dass deren Hörer Säue sein sollen? Auf kommerziellen Erfolg ist man also schon einmal nicht aus. Gut, denn dann richtet der Bandname „Schneewittchen“ dahingehend wenigstens keinen Schaden mehr an. Doch zurück zu der CD – als ich dieses so schön betitelte Album in meinen Rechner legte, fiel mir auf, dass sie drei Videos enthält; 'eine feine Überraschung ' dachte ich zuerst als sich meine von dem Titel und dem Cover-Artwork (Soll man nun darüber lachen oder weinen? Oder einfach nur wegrennen?) etwas angeschlagene Laune wieder ein wenig besserte. Freunde, macht nicht den gleichen Fehler wie ich. Hört euch zuerst die Musik an – und nur, nur wenn diese euch zusagt, dann seht euch auch die Videos an, alles andere wäre fatal, ich spreche aus bitterer Erfahrung.

Der aufmerksame Leser hat sich nun wahrscheinlich bereits gedacht, dass mir diese Musik nicht sonderlich zusagt – dabei ist sie gar nicht mal schlecht gemacht. Der Opener „Komm wir ritzen uns die Adern“ besteht hauptsächlich aus Geige, Piano und Akustik-Gitarre, dazu der bei diesem Song teilweise recht aggressiv klingende Gesang. Bei dem Song „Ohne Liebe“ handelt es sich grundsätzlich um eine Pianoballade mit E-Gitarren und Orgeleinsatz. Das gesanglich extrem auf die Nerven gehende „Ich war in Gold“ klingt vor allem aufgrund des Beats – allerdings trägt auch die restliche Instrumentierung eine Teilschuld – nach schlechtem Electroclash à la Die Perlen.

„Sonnenuntergang I“ klingt sehr beschaulich und ruhig - eben wie ein gewöhnlicher Sonnenuntergang -, wohingegen „Sonnenuntergang II“ sich der Thematik scheinbar aus einer apokalyptischen Perspektive widmet. Nervenzerreißend hohe Töne und weitere Noise-Elemente tun ihre Wirkung, machen den Song allerdings noch lange nicht zu einem schönen Industrial-Noise-Song wie man sie von Noisuf-X oder Weena Morloch kennt.

Teilweise kann man die Songs dieser Band recht gut hören, wobei von dieser Aussage größtenteils die balladesken Stücke wie „Der Mann meines Lebens“ betroffen sind. Die experimentelleren Tracks sind sehr, sehr gewöhnungsbedürftig.

Unter dem textlichen Aspekt betrachtet, kann man die Songs als grotesk, poetisch, abartig, gedankenvoll, rebellisch, lächerlich, provokant, bizarr und vor allem abstrus beschreiben. Das Wort "extravagant" scheint für diese Band erfunden worden zu sein - Schneewittchen ist eine äußerst unkonventionelle und übersteigerte Band, die es mag, den Finger in offene Wunden zu legen, neue Wunden zu reißen und alte Wunden manchmal auch zu verarzten.

Man muss schon ein Fable für solche Musik haben, um sie gut zu finden. Bei mir ist dies leider nicht gegeben, daher maße ich es mir auch nicht an, dieser CD eine Wertung zu verpassen. Mit diesem Ergebnis ist sicherlich auch die Band glücklicher – eine etwaige Punktzahl auf Basis meines persönlichen, objektiv-bornierten Eindrucks würde allerhöchstens im negativen Zahlenbereich halbwegs realistisch sein. Manchmal macht man beim Rezensieren echt was mit.

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