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Schandmaul-Unendlich

Schandmaul: Unendlich

Schandmaul überzeugen mit bekannten Stärken
Wertung: 8/10
Genre: Folk, Rock
Spielzeit: 58:42
Release: 24.01.2014
Label: Vertigo/Universal

In den letzten 16 Jahren haben sich Schandmaul hierzulande zu den absoluten Szenegrößen in punkto Folk-Rock entwickelt. Trotz allen Erfolgs in dieser Zeit, kann man der Band durchaus bescheinigen, dass sie sich auf keinem der bisher sieben Alben verbogen haben. Lebenslustiger Folk, die markante Stimmfarbe des Frontmanns Thomas Linder und ihre ganz eigene Art Geschichten zu erzählen, sind die prägnantesten Säulen auf denen ihr hoher Wiedererkennungswert basiert.
Drei Jahre nach ihrem bisher erfolgreichsten Album „Traumtänzer“, legen die Bayern mit „Unendlich“ ihr neuestes Werk vor.

Schon mit dem Einstieg „Trafalgar“ wird deutlich, dass Schandmaul sich auch auf dieser Scheibe weiter treu bleiben. Dieses Stück kommt mit einem recht traditionellen Klanggewand daher, auf den Rockfaktor wird hingegen fast komplett verzichtet. Wobei diese Geschichte rund um die Seeschlacht durchaus etwas mehr Fahrt aufnehmen könnte, das recht gemäßigte Tempo will nicht so hundertprozentig zum Thema passen. Diese leichte Diskrepanz verfliegt bei dem nachfolgenden „Tippelbruder“. Die fröhlich, beschwingte Hommage an die Walz, dürfte so manchen Gesellen auf Wanderschaft gut von den Lippen gehen, und ebenso gut die Fans das Tanzbein schwingen lassen.

Auch in den folgenden Nummern verliert sich diese starke Wiederbelebung des Folkanteils nicht. Bei „In Deinem Namen“ wird hingegen „Toccata und Fuge“ von Johann Sebastian Bach aufgegriffen. Sicher ist der Einbau von klassischen Motiven in der Rockmusik bei weitem nicht mehr außergewöhnlich, Erwähnung sollte es allerdings dennoch finden, zumal Schandmaul hier eine gekonnte Symbiose aus dem Orgelwerk und Rockmusik darbieten.

Ungewöhnlich für die Band ist allerdings ein Track wie „Bunt und nicht braun“. Hier geben die Folk-Rocker erstmals ein politisches Statement ab, bei welchem der Titel zugleich Programm ist. Der gehobene Zeigefinger, der bei derlei Songs oft vorhanden ist, kommt hier nicht zum Vorschein. Stattdessen baut man eine Geschichte rund um das Thema, welche den Aufruf zur Toleranz sehr erfrischend erscheinen lässt.

Mit „Baum des Lebens“ wurde eine Ballade geschaffen, die einmal mehr in die Saga der Nibelungen entführt. Das gefühlvolle Stück lässt wieder Zeit zum Träumen und in eine andere Welt einzutauchen. Abgelöst wird dies von dem Instrumentalstück „Tangossa“, welches durch die lateinamerikanischen Einflüsse deutlich belebt wird. Hier, wie auch beim zweiten Instrumental „Little Miss Midleton“, können Schandmaul mit filigranen Können an ihren Instrumenten überzeugen.
„Euch zum Geleit“ wurde bereits im Vorfeld als Single ausgekoppelt und dies durchaus sehr berechtigt. Es ist eine Geschichte, die direkt aus dem Leben kommt und die Beerdigung einer Freundin beschreibt. So traurig der Song auch anmuten mag, bewahrt er sich durch den Rückblick auf ein erfülltes Leben, etwas sehr positives und lässt reichlich Platz für Gefühle.

Mit „Mittsommer“ wird wieder auf die Tube gedrückt. „Der Teufel…“ steht dem mitnichten nach. Das folkige Zechlied geht ordentlich ins Blut und lädt zum Feiern ein. Den gelungenen Abschluss bildet das epische Stück „Märchenmond“, welches nach ruhigem Anfang noch ordentlich Druck aufbaut und an Tempo gewinnt.

Damit ist man schon beim Fazit angekommen. Schandmaul kehren mit „Unendlich“ deutlich mehr zu ihren Wurzeln zurück. Die E-Gitarre gerät mehr in den Hintergrund, dafür gibt es mehr traditionelle Instrumente zu hören, die mit ihrer außergewöhnlichen Virtuosität überzeugen. Von Balladen, über Instrumentalstücke, einer Tango geschwängerten Nummer, bis hin zu folkig-schmissigen Rocksongs ist hier alles zu hören, was den Silberling sehr abwechslungsreich gestaltet. Die ansprechenden Lyrics tun ihr übriges, um das Gesamtbild abzurunden. Auch wenn man zwei bis drei gefühlte Füllnummern wahrnimmt, kann man insgesamt von einem starken und überzeugenden Album sprechen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann