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Schandmaul: Traumtänzer

Schandmaul beweisen, dass sie alles sind, aber keine Traumtänzer
Wertung: 10/10
Genre: Folk-Rock
Spielzeit: 55:27
Release: 28.01.2011
Label: F.A.M.E. Recordings (Sony BMG)

Nach anderthalb Jahren melden sich Schandmaul endlich mit einer Neuveröffentlichung zurück - 2011 konnte somit für alle Fans nicht besser beginnen. Um die Wartezeit bis zur Veröffentlichung zu verkürzen, publizierten die Barden vorab ein Video zu dem neuen Song „Geas Traum“. Sich 18 Monate „unsichtbar“ zu machen, ist selbst für eine Band wie Schandmaul ein Wagnis, aber die Gefahr, in Vergessenheit zu geraten, ist für eine Band mit bereits sechs Longplayern ungemein kleiner, als für manch andere Band. Und so kommt es, wie es kommen muss: Schandmaul melden sich mit „Traumtänzer“ zurück.

Die CD enthält vierzehn neue Tracks und alleine die Namen der einzelnen Songs verraten, dass diese siebte CD von viel Phantasie und viel Einfallsreichtum lebt. Von Phantasie und Zusammenarbeit erzählte schon die Vorankündigung. Thomas Lindner, der begeistert Romane von Wolfgang Hohlbein liest, bekam dessen neuesten Roman „Infinity - Der Turm“ vorab zu lesen und, davon immens inspiriert, schrieb er seine Interpretation von „Geas Traum“. Der Song bringt einen direkt in die Mitte des neuen Albums, in die Mitte der Kreativität des Sextetts und erzählt von unbändiger und aufopferungsvoller Liebe. Einer Liebe, die sogar so weit geht, dass alles aufgegeben wird. Und irgendwann ist der Punkt gekommen, dass diese unbezähmbare Liebe ein jähes Ende gefunden hat. Musikalisch ist alles so arrangiert, dass das Geheimnisvolle des Textes nochmals unterstrichen wird.

Aber mittendrin anzufangen, das hat das Album nicht verdient. Zu gut schon der Beginn des „Träumtänzers“. Es knistert und knackt und der Blick wandert, wie zur Bestätigung, zum CD Player. Denn es klingt wie die ersten Runden der Plattennadel auf Vinyl. So wird der Hörer direkt in die Tiefen der Schandmaul-Welt geführt. „Traumtänzer“ beginnt mit dem Titelsong. Die Atmosphäre ist am besten mit einen Pint Guinness in der Hand zu erleben: Irish Folk von der besten Manier wird geboten und Thomas Stimme beginnt schnell und durchdringend die Geschichte des Traumtänzers zu erzählen. Der Song hat ein schnelles Tempo, enormes Ohrwurmpotential, aber auch ruhige, nachdenkliche Momente. Mit einem Donnerschlag kommen Schandmaul zurück und erobern die Fans, die nicht weniger geworden sein dürften, im Sturm.

An dieser Stelle muss einfach gesagt werden, dass die Pause, die die sechs Barden gemacht haben, sie noch besser gemacht hat. Sie kommen zurück mit derart viel zu erzählen, dass jeder Song etwas absolut Besonderes geworden ist. Sowohl die musikalischen Arrangements, als auch die Geschichten in den Songs machen es nahezu unmöglich, einzelne Stücke hervor zu heben, um die Größe des Albums darzustellen. Das wäre dann eher eine Auflistung der gesamten Tracks. Erzählt wird von Zauberei und was diese mit einem anrichten kann („Der Alchemist“, „Hexeneinmaleins“), von Kreaturen der Nacht („Bis Zum Morgengrauen“), von Fahrten zur See („Auf Hoher See“) und von wunderschönen Liebeserklärungen („Rote Rosen“, „Mein Lied“).

Schandmaul haben die Instrumente derart kunstvoll aufgenommen, so dass es beinahe klingt, als stünde der Hörer vor der Bühne und erlebe alles live. Der Wunsch, nun endlich wieder die Festivalbühnen der Republik zu erobern wird größer, je weiter die Tracks fortschreiten. Vor allem der Song „Hexeneinmaleins“, der eine aktuelle Version von dem kleinen Zaubererlehrling ist, muss einfach auf die Bühne.

Interessant ist es auch, dass die Musik wieder einmal nicht in ein Genre zu pressen ist. Internationaler könnte der Einsatz der Instrumente überhaupt nicht sein. Die Dramatik und das Feuer der Liebe bis in den Tod in „Bis Zum Morgengrauen“, wird unterstrichen durch mexikanische Trompeten und durch spanischen Gitarren. Raffinierter und schöner kann ein Schachzug gar nicht sein. All dies unterstreicht die Größe von „Traumtänzer“.

Schandmaul sind phantasievoller denn je. Vom ersten Song an wird der Hörer in die erfinderische Welt der ihren mitgenommen und kein Song des Albums lässt das Tor auch nur einen Spaltbreit für ein etwaiges Entkommen auf.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann