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Schacht: Abwärts

Eine geniale Idee um Kohle, Stahl und Bergbau
Wertung: 9.5/10
Genre: Gothic, Electro, Dark Wave
Spielzeit: 45:28
Release: 03.09.2010
Label: Schachtmatt

Eine Band, die sich selber Schacht und ihr erstes Album „Abwärts“ nennt, wird vom Kopf her direkt ins Ruhrgebiet verpflanzt. Schacht aber kommen aus Rheinland-Pfalz. Gegründet haben die drei Kumpel Sascha Kuwatsch, Stefan Lang und Christopher Lang Schacht bereits 2002, jedoch verstanden sie sich zuerst einmal als reine Live-Band. Dort förderten sie tagein, tagaus neue Fans zu Tage und nun endlich haben sie sich entschlossen, ihre Songs auch auf einen Silberling zu pressen.

Der Name Schacht ist Programm, es geht um Bergbau, es geht um Fördertürme, um Gruben, Schächte, Steiger und Stollen. Musikalisch sind Schacht eine Mischung aus Dark Wave, Gothic, Electro und Metal. Auf dem Album enthalten sind zwölf Tracks, die sich mit dem Thema Hüttenwesen beschäftigen, und dieses Jahr ist wohl einer der besten Augenblicke, so ein Album, mit diesem einzigartigen Thema zu veröffentlichen: Das Jahr 2010, in dem das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt ist.

„Abwärts“ beginnt mit dem gleichnamigen Song und behandelt das schwere Arbeiten unter Tage und preist die Heilige Barbara. Sankt Barbara ist die heilige Schutzpatronin der Bergleute und hat im dritten Jahrhundert gelebt. Die Angst, die die Bergleute unter Tage, aufgrund der Dunkelheit, haben wird nur durch den Glauben an die Schutzpatronin gelindert. Musikalisch ist dieses Stück eine schöne Mischung aus elektronischen Einflüssen und Dark Wave. Gekonnt wurden beide Genres ineinander verwoben.

Besonders hervorzuheben sind definitiv zwei Songs des Albums. Da ist zum einen der Song „Schacht“, der eine aktuelle elektronische Version des Steigerlieds „Glück Auf“ ist und absolut überzeugt. Es ist, als wenn der Bergbau sich von der Industrialisierung in das Zeitalter der Digitalisierung weiter entwickelt hat. Das hölzerne Knarren der Lorenräder ist nun ein elektronisches. Zum anderen ist der Song „Frühtau“ eine neue Vertonung des Liedes, welches in Deutschland unter dem Titel „Im Frühtau zu Berge“ aus der Weimarer Republik bekannt ist. Geschrieben wurde es ursprünglich von dem Schweden Olaf Thunmann. War „Schacht“ noch vordergründig elektronisch, weist „Frühtau“ eindeutig metallische Einflüsse auf. Elektronische Beats werden von einem grunzenden Sascha Kuwatsch kunstvoll ineinander verwoben. Die gespielten Gitarren, mit ihren harten Riffs sind allerdings kaum noch als solche zu erkennen. Aber auch hier kommen, durch kurze Einschübe, die wieder Ruhe rufen, die Eindrücke des Dark Wave nicht zu kurz. Es ist, als wenn dieses Album die moderne Version des Bergbaus aufzeigt, in einer Zeit, wo gerade in Chile 33 Kumpel aus 700 Metern Tiefe befreit worden sind.

Das Album macht Spaß. Es ist eine schöne, neuartige Kombination aus verschiedenen Musikrichtungen, die so vielleicht kein anderer zu mischen gewagt hätte. Aber kein anderer ist auch auf die Idee gekommen, derart konzeptorientiert zu arbeiten. Diese Entschlossenheit, aber auch Waghalsigkeit muss belohnt werden. Das Album muss jeder hören, der Interesse an Dark Wave und EBM hat. Und es ist eine schöne Vorstellung, Enkel mit ihren Großvätern, die einst unter Tage arbeiteten, auf der Couch sitzen zu sehen, wie sie gemeinsam den Song „Schacht“ anhören.

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