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Scar Symmetry: The Unseen Empire

Zurück zu alter Stärke
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Death Metal
Spielzeit: 43:06
Release: 15.04.2011
Label: Nuclear Blast

Besetzungswechsel sind bekanntlich vor allem für alteingesessene Bands ein Problem, insbesondere wenn es sich dabei um den Verlust des Sängerpostens handelt – Scar Symmetry vollzogen im Jahre 2008 genau diesen Schritt und das auch noch, nachdem das zuletzt veröffentlichte Album „Holographic Universe“ von Fans und Presse gleichermaßen als Meisterwerk gefeiert wurde. Einen vielseitigen und trainierten Sänger wie Christian Älvestam so einfach zu ersetzen, ist natürlich nicht einfach und so entschied man sich schließlich, einfach zwei neue Frontmänner einzustellen, um so das gesangliche Konzept noch umfassender umzusetzen. Nachdem bei „Dark Matter Dimensions“ das erste Mal mit dem neuen Line-Up gearbeitet wurde und man sich langsam aufeinander eingespielt hat, setzen die Schweden nun zum Sturm auf das „Holographic Universe“ an und stellen ihm „The Unseen Empire“ entgegen, das dem unerreichbar scheinendem Thron gefährlich nahe kommt.

Neue Pfade beschreiten die Schweden dabei erwartungsgemäß nicht, sondern konzentrieren sich gänzlich darauf, ihren modernen Melodic Death Metal zu verfeinern und vor allem den zweistimmigen Gesang weiter auszubauen, denn gerade die ebenso variable wie beeindruckende Stimmleistung war schon immer eine der größten Stärken und das Erkennungszeichen schlechthin der Band. Wirkte das Zusammenspiel von Robert Karlssons Growls und Lars Palmqvists klarem Gesang auf dem Vorgänger „Dark Matter Dimensions“ trotz der zweifellosen Begabung beider Sänger stellenweise noch etwas aufgesetzt, ergänzen sich die Vokalisten dieses Mal hervorragend und stimmen ihre Anteile dynamisch aufeinander ab, was insbesondere solchen Passagen zugute kommt, in denen beide Frontmänner parallel zu Wort kommen. Doch auch in anderer Hinsicht hat sich etwas getan, denn mit der Gewöhnung an die neue Situation geht auch eine deutliche Verbesserung im Songwriting verglichen mit dem letzten Album einher, die die Symbiose aus Härte und Ohrwurmcharakter mehr denn je betont.

Mit Oldschool-Melo-Death-Truppen wie At The Gates sind Scar Symmetry nach wie vor nur von der grundlegenden Ausrichtung her verwandt, denn sowohl Produktion als auch Melodien sind gewohnt modern gehalten und erhalten durch die Texte und einige Synths einen Sci-Fi-Anstrich, der jedoch nicht mehr so futuristisch wie noch in der Älvestam-Ära ausfällt. Da generell der Klargesang eine wesentlich größere Rolle spielt als bei den alten Helden des Genres wie den genannten Schweden, richtet man das Augenmerk besonders auf die Refrains und serviert hier ausnahmslos gnadenlos eingängige Melodien, bei denen auch vor ein wenig Pop-Appeal oftmals nicht Halt gemacht wird – zwar zeigt sich Herr Palmqvist hier als äußerst kompetenter und talentierter Sänger, die ganz großen Momente sind allerdings eher spärlich gesät. Dass der Death Metal trotzdem nicht auf der Strecke bleibt, ist vor allem Roberts mörderischen Growls zuzuschreiben, die denen von Christian an Intensität ein ganzes Stück voraus sind und immer wieder dafür sorgen, dass man sich daran erinnert, wo die Wurzeln der Schweden liegen – gerade in Songs wie „Seers Of The Schaton“, in dem Lars die gegrowlten Passagen um ein paar raue Screams bereichert, ist der Härtegrad doch beachtlich.

Der Clou jedoch liegt in der Verbindung dieser zwei Gesichter, die Scar Symmetry inzwischen zur Meisterschaft gebracht haben und dies auch über die Länge eines kompletten Albums durchhalten – fließend und vollkommen natürlich gehen so in „The Anomaly“die melodischen Leads in heavy Riffing und durchdringende Growls über, bevor diese ihrerseits von kraftvollem Klargesang abgelöst werden, der dem Chorus einen epischen Charakter verleiht, welcher sich auf „The Unseen Empire“ häufig findet. Obwohl die Schweden in ihren relativ eng gesteckten Genre-Grenzen nicht die Möglichkeit haben, mit den ganz großen Innovationen aufzuwarten, lassen sie es sich trotz allem nicht nehmen, einige Songideen umzusetzen, die sich vom Rest des Albums unterscheiden: Besonders ins Auge fallen hierbei der orientalische Einschlag zu Beginn von „Extinction Mantra“, das mit seinem großartigen Refrain sowieso eines der Highlights darstellt, das im Melodic-Metal-Stil gehaltene „Domination Agenda“, das fast ausschließlich auf Lars' Vocals basiert und zudem ein Genre-typisches, sehr gelungenes Solo verpasst bekommen hat, und „The Draconian Arrival“. Letzteren Song könnte man mit seinen melancholischen, tiefen Riffs fast schon mit Before The Dawn assoziieren – außerordentliche Dramatik und mitreißende Melodien inklusive, die sich gegen Ende sogar zu bedrohlichen orchestralen Klängen entfalten.

„The Unseen Empire“ ist nach „Dark Matter Dimensions“ ein deutlicher Schritt nach vorne und stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass die Band im neuen Line-Up zu alter Stärke zurückgefunden hat. Die Melodien strotzen nur so vor Eingängigkeit und doch fehlt den Songs nie das nötige Maß an Aggressivität, um sie auch für Freunde härterer Sounds interessant zu machen – Scar Symmetry sind sich treu geblieben und haben sich dennoch in Sachen Songwriting und technischer Versiertheit weiterentwickelt. Im direkten Vergleich zum holographischen Universum muss sich das ungesehene Imperium zwar geschlagen geben, doch wenn sich die Schweden weiterhin so steigern und den progressiven Einschlag noch etwas erhöhen, könnte die nächste Schlacht schon ganz anders verlaufen.

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