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Say Anything: Oliver Appropriate

Ein (vorläufiger) Abschied
Wertung: 8,5/10
Genre: Indie Rock, Emo
Spielzeit: 34:12
Release: 25.01.2019
Label: Dine Alone Records

Bereits im August letzten Jahres kündigte Say Anything-Kopf Max Bemis die Auflösung der Band an, die seit 18 Jahren Futter für Emokids geliefert hatte – aber irgendwie doch nicht. „Oliver Appropriate“ sollte zwar das finale Album werden, aber man wollte es „wie Jay-Z“ machen; ob das nun Hoffnung oder Drama für die Fans bedeutet, lässt sich schlecht sagen, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sich immer einen klitzekleinen Strohhalm zum Festhalten sucht. Sehen wir „Oliver Appropriate“ also nicht als letztes Album, sondern als musikalischen Pausenfüller bis die Truppe sich wieder an die Öffentlichkeit traut.

Wie jeder gute Songwriter verarbeitet Bemis auch auf „Oliver Appropriate“ seine eigenen Dämonen, die auch dazu geführt haben, Say Anything bis auf weiteres auf Eis zu legen: Depressionen, Ängste, das lange Touren trennt den Mann von Frau und Kids, da kann man schon mal den Boden unter den Füßen verlieren. Entsprechend startet die neue Scheibe mit dem absurd traurigen „The Band Fuel“, das die vollen zwei Minuten und zehn Sekunden Laufzeit die Tränendrüsen beansprucht und dabei das Kunststück vollbringt, nicht kitschig zu klingen.

Überhaupt zeigt sich „Oliver Appropriate“ insgesamt etwas ruhiger und reduzierter, die Akustikgitarre ist allgegenwärtig, gottlob bringt dann aber schon der zweite Song „Daze“, der bereits vorab als erste Single zu hören war, mehr Bewegung in die Sache, man kann sich unauffällig die Tränchen abwischen und dann beschwingt lostanzen, angefeuert von Max‘ heiserem Gesang.

Gerade auch Gitarren wie in „Ew Jersey“ rütteln auf, machen wach, laden zum Tanzen ein und klingen doch dramatisch genug, um nicht als oberflächlich durchzugehen. Das wütende „When I‘m Acid“ komm dann mit unter zwei Minuten Spielzeit aus und schafft die Kunst, nur mit Akustikgitarre schwurbelig-verdrogt zu klingen und die Wüstenfahrt von „Fear And Loathing In Las Vergas“ vor dem geistigen Auge heraufzubeschwören, während das sogar noch kürzere „Captive Audience“ überraschend mit einem Klavierteppich daherkommt und im Verlauf sich immer drängender durch die Membran prügelt.

Auf einem Album wie „Oliver Appropriate“ wirkt es dann auch nur bedingt merkwürdig, wenn ein abgespecktes, minimalistisches „Fired“ neben dem fast schon discolastigen „It‘s A Process“ existiert, „The Hardest“ markiert dann wieder einen waschechten Indie-Emo-Song – so halten Say Anything die Sache am Laufen, es bleibt spannend, da sollte für jeden etwas dabei sein.

Wer die Truppe – so wie ich – jetzt erst entdeckt, wird nicht umhin kommen, den restlichen Backkatalog auszuchecken. Schade, dass hier schon Schluss sein soll. Man möchte gar nicht darüber nachdenken, was für schöne Stücke noch im Verborgenen in irgendeiner Schublade bei Max Bemis zuhause schlummern. Schwer, sich hier für eine Bewertung zu entscheiden, im oberen Drittel kann man die Truppe aber guten Gewissens ansiedeln – da bleibt nur, Bemis und Co. alles Gute zu wünschen und ein bisschen zu hoffen, dass es den Musikern im selbst gewählten Hiatus schnell langweilig wird…

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