Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Saxon: The EMI Years (1985 – 1988)

Lohnt sich nur wegen der Live-CD
keine Wertung
Genre: NWOBHM/ Hard Rock
Spielzeit: 63:53/ 73:23/ 61:35/ 64:10
Release: 19.06.2012
Label: EMI

Der Blick in die Vergangenheit kann manchmal verstörend sein, des weiteren erheiternd, häufig aber auch sehr verschleiert, wobei man immer wieder an Diskussionen an der Lieblings-Metaltheke denkt, wenn das Thema auf „Früher war alles besser“ gelenkt wird. Natürlich haben sich so manche Relationen nach den ganzen Jahren verschoben, denn was gestern noch verteufelt wurde, ist heute anerkannt oder auch umgekehrt.

Nun gut, in 2012 scheinen Saxon ihr 35jähriges Jubiläum zu feiern, was ja an sich nicht schlecht ist, doch es scheint auch in einem Veröffentlichungswahn zu enden, denn neben dem Livealbum „Heavy Metal Thunder – Live – Eagles Over Wacken“ (Livealben sind ja quasi auch nur Compilations) erschien ja schon im April 2012 mit der 4-CD-Box „The Carrere Years 1979 – 1984“ die Aufarbeitung einer der wohl besten NWOBHM-Bands, die auch heute noch mit ihrem aktuellen Album „Call To Arms“ ein schwergewichtiges Wörtchen mitzureden haben. Großer Pluspunkt der vorliegenden Viererbox ist der günstige Preis, denn mehr als 20 Euronen sollten da nicht über den Tisch wandern, ansonsten sollte man den Anbieter wechseln.

Den Auftakt dieser Box macht das 85er Album „Innocence Is No Excuse“, was damals auch gleich die erste Langrille beim neuen Label EMI war. Schon damals zeichnete sich eine Kurskorrektur ab, die von der Band wohl Richtung mehr kommerzieller Erfolg abzielte, von den Fans aber mit einer schon sehr rot leuchtenden Karte abgestraft wurde. Glatt gebügelt, fast zahnlos, ohne Mumm, so scheppern die Songs der neuen Scheibe, die gebotene „The Devil Rides Out“-Wildheit wird Opfer des Standardriffings, mit gutem Willen kann man vielleicht noch „Rock’n’Roll Gypsy“ als okay durchgehen lassen, doch schon das folgende „Broken Heroes“ ist einfach eine seelenlose Ballade, die vielleicht im Refrain noch ein bisschen Mitgrölpotenzial erkennen lässt, oder die Gitarrenarbeit zu „Gonna Shout“, die unsäglich an „Eye Of The Tiger“ erinnert, lässt die Nackenhaare zu Berge stehen. Nein, auch heute gehört das EMI-Debüt zu den überflüssigen Saxon-Alben; es mag schon fast als Beleg herhalten, dass bei den aktuellen Shows die Tracks von 1985 keine Beachtung finden.

Bei „Rock The Nations“ haben sich Saxon wohl ein paar Gedanken gemacht, diese aber nicht konsequent zu Ende ausgemalt. Stärker als das Vorgängeralbum, aber noch immer recht schwach mit eher hardrockiger denn metallischer Ausrichtung. Starten sie noch mit einem annehmbaren Titeltrack und rocken deutlich fetziger mit „Battle Cry“ daher, so bremsen sie das Hörvergnügen mit Schnarchern wie „You Ain’t No Angel“ oder der puren Langeweile-Ballade „Northern Lady“. Selbst eher krachendes Material wie „Party 'Til You Puke“ gehört da zu den durchschnittlichen Songs in der langen Saxon-Karriere.

Mit „Destiny“ konnte man schon wieder etwas Aufwind spüren, nur wusste man auch damals nicht, dass es die letzte EMI-Scheibe sein wird, bevor sie dann das wesentlich geilere Folgewerk „Solid Ball Of Rock“ via Virgin Records veröffentlichten. Doch Schönreden muss man auch „Destiny“ nicht, denn hier regiert ebenso Hard Rock, auch hier sind die fesselnden Melodien der Carrere-Glanzzeiten einfach unter dem Teppich des Kommerzwunsches verschwunden. So wirkliche Highlights hat das Album eigentlich nicht zu bieten, vielleicht stechen das emotionale „SOS“ und das treibendere „For Whom The Bell Tolls“ noch am ehesten hervor, doch mit „I Can’t Wait Anymore“ ist auch eine kompositorische Nullnummer vertreten.

Highlight der Box-Edition ist eindeutig das Livealbum „Live At Hammersmith“, welches schön den damaligen Livespirit aufzeigt und zum Glück auch nicht klinisch überarbeitet daher kommt. Die Briten aber belegen, dass sie schon zu Beginn ihrer Karriere das Gehör für das gewisse Etwas hatten, dass Songs wie das epische „Crusader“, der Dauerbrenner „Dallas 1PM“ oder aber das heroische „Power And The Glory“ auch heute noch zeitlos genial sind. Damals wie heute sind Saxon noch immer eine Liveband, die man erleben muss, da spielt das verstrichene Lebensalter einfach keine Rolle.

Irgendwie zwiespältig: Auf der einen Seite ist da natürlich der unschlagbare Preis, den man für die 4-CD-Box hinzulegen braucht. Das bisher unveröffentlichte Album „Live At Hammersmith 1985“ dürfte das eigentliche Kaufargument darstellen, hat man doch hier die Liveversionen aus der Bandfrühphase mit zahlreichen, auch heute noch gespielten Klassikern  vorliegen. Dagegen sind die drei EMI-Alben „Innocence Is No Excuse“, „Rock The Nations“ und „Destiny“ eher in die Kategorie „Braucht man nicht wirklich“ bis „Nun ja, vielleicht“ einzusortieren. Das zwölfseitige Booklet beinhaltet ein langes Interview, einige wenige alte Promofotos und die paar Details zu den CDs, das war es dann auch schon. Hier hätte man sicherlich besser noch ein paar alte Livefotos und vor allem die Texte veröffentlichen können - gespart am falschen Ende. Nun, wenigstens haben alle Studioalben einige Bonustracks spendiert bekommen, wenn auch etwaige Single-Editionen oder B-Seiten mehr Exklusivität als tatsächlich vorhanden vortäuschen. Da wahre Saxon-Fans eh schon alles haben, lohnt sich der Griff zu der Platz einnehmenden Box nur wegen der Hammersmith-Geschichte, ein Club mit Tradition. Saxon dagegen hatten damals ein wenig das Ziel aus den Augen verloren.

comments powered by Disqus

Vigilance, Erazor & Spiker im Konzert (Essen, Oktober 2017)

„Bisschen Bier, bisschen Headbangen, bisschen Metal“

Insgesamt gelungener Tourauftakt im verregneten Hamburg