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Saxon: Call To Arms

Sollte man nicht nur von gehört, sondern erlebt haben
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Metal/ NWOBHM
Spielzeit: 43:35
Release: 03.06.2011
Label: UDR

„Ich hab das Gefühl, ich könnte glatt mitsingen, obwohl ich die Scheibe nicht kenne“ – so der Kommentar des Kollegen im Auto, nachdem die endlich auch bei uns gelandete Promo-CD im Autoplayer ihren Dienst antrat. Die Rede ist von Saxons neustem Output, und mit „Call To Arms“ legen die britischen Urgesteine auch ihr mittlerweile 19. Studioalbum vor.

Ist ja auch noch gar nicht so lange her, dass Saxon eine weitere erfolgreiche Europatour aufs Parkett legten, und obwohl das Gründungsdatum von 1977 für viel in grauer Vorzeit liegt, hinterließen die Mannen um Biff Byford und Paul Quinn einen mehr als fitten Eindruck. Klar, mit dem Wissen im Rücken, einmal mehr wieder ein Scheibchen abgeliefert zu haben, was erneut alle Trademarks der Band widerspiegelt, hat wohl ordentlich beflügelt – „Call To Arms“ strotzt wieder vor lauter Energie, kein Hinweis auf ergraute Haare, senile Osteoporose oder Arthralgie – frisch von der allseits gut gefütterten Leber weg rocken Saxon in bester NWOBHM-Manier, bestens mit einem Album bewaffnet, welches sich locker in der Phalanx der Klassiker einreihen kann.

Das komplette Album liefert einen Schulterschluss mit der eigenen Vergangenheit – zurück zu den Wurzeln dürfte da noch immer der beste Begriff sein, denn Saxon anno 2011 zitieren sich dauernd selbst und fetzen auch den letzten Rest Schlaf aus dem geschwollenen Augenlidern. „Show me your hands, show me your hands, raise up your hands“ – natürlich, wenn ein Heavy-Stampfer nicht nur gut ist, sondern in diesem Fall auch noch Back in 79 heißt, dann können nur noch die Pommesgabeln gezückt, die Luftgitarren dieser Welt entstaubt und die zottelige Matte geschüttelt werden. Eingerahmt wird dieser Rückblick in die (eigene) Vergangenheit von zwei Saxon-typischen Uptempo-Tracks. „Hammer Of The Gods“ glänzt da mit der bandtypischen Gitarrenarbeit und Biffs Stimme ist wie eh und je einzigartig. Hier tröpfelt nichts wie bei alterschwachen Blasen, sondern neu gewonnene Kraft schießt durch die Venen und vermittelt gleich den Eindruck, dass man nur so alt ist, wie man sich anfühlt. In die gleiche Kerbe schlägt auch „Surviving Against The Odds“, die Oktanzahl erreicht wieder Spitzenwerte, das schlingernde Moped wandelt sich zur Rennmaschine – „It was our destiny“? Falsch, ist es noch immer, denn „Call To Arms“ hat das Potenzial, ein bisschen mehr zwischen der Old-School-Fraktion und der Jungspundgeneration zu vermitteln. Bestes Beispiel ist da das mit einigen Spielereien angereicherte und stark Siebziger inspirierte, dadurch aber nicht weniger kraftvolle „When Doomsday Comes“, welches sich wider Erwarten durch den Keyboard-Einsatz ein wenig mehr hervorhebt.

Auf balladeske Ausflüge müssen Saxon-Jünger auch nicht verzichten. So ist der mit orchestralen Elementen versetzte Titeltrack „Call To Arms“ eindeutig der „regulären“ Version vorzuziehen und gehört schon jetzt zu den Klassikern im Saxon-Set. Lediglich das nicht Ozzy-konforme „No Rest For The Wicked“ zündet einfach nicht und hört sich mehr nach Stangenware denn nach Maßanfertigung an.

Auf Saxon ist Verlass – nie waren sie so wertvoll wie heute, in einer Szene, die so mit Ballast vollgepropft ist, wo Studiotechnik auch noch jeden Scheiß aufblasen kann und vermeintlich wichtig macht – gerade da stoßen die Briten mit „Call To Arms“ auf erfrischende Art und Weise wiederholt ein Tor zur Tradition auf, ohne aber einfach nur auf der Retroschiene zu gondeln, sondern auch anno 2011 mit erfrischenden, jetzt schon zeitlosen Tracks ein weiteres Statement für „je oller je doller“ abzuliefern. „Hammer Of The Gods“, Surviving Against The Odds“ oder auch „Call To Arms“ – so hören sich Monumente des NWOBHM an. Sollte man nicht nur von gehört, sondern erlebt haben.

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