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Savatage: Power Of The Night (Re-Release 2011)

Sollte man grundsätzlich besitzen, aber da wäre mehr Bonusmaterial drin gewesen
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Metal, Power Metal
Spielzeit: 51:28
Release: 01.04.2011
Label: Ear Music/Edel

„Power Of The Night“ markierte das dritte Album von Savatage – wenn man das eigentlich lediglich EP-Länge besitzende „The Dungeons Are Calling“ mitzählt – und wurde Mitte 1985 veröffentlicht. Damals spielte die in Florida gegründete Band noch ziemlich klassischen, traditionellen Heavy Metal und klang wesentlich roher, erst mit dem ’89er-Meisterwerk „Gutter Ballet“ wandte man sich progressiveren beziehungsweise symphonischen Klängen zu. Dies wiederum zeigt die Wandlungsfähigkeit der Combo, die in den Augen mancher Traditionalisten dadurch vielleicht „weicher“ klang, von ihrem typischen Klangbild und in Sachen Wiedererkennungswert aber nichts einbüßte, dafür sorgt schon allein die einzigartige Stimme Jon Olivas, der stets problemlos zwischen aggressiv-rauen Arschtritt-Vocals und völlig authentischem, emotionalen Gesang voll Herz und Seele wechselt.

Andere hingegen bevorzugen eben jene spätere Phase, da man sich musikalisch ohne jeden Zweifel weiterentwickelte, doch egal, welche Sichtweise man nun vertritt – zweifellos hatten die Jungs damals bereits eine Menge auf dem Kasten: Criss Oliva, der viel zu früh bei einem Autounfall ums Leben kam, war ein Ausnahmegitarrist und sein älterer Bruder Jon ist nicht nur am Mikrofon, sondern auch an den Tasteninstrumenten äußerst begabt. Haben einen nicht schon die ersten beiden Alben „Sirens“ und das erwähnte „The Dungeons Are Calling“ überzeugt, so zeigt der Opener und Titeltrack „Power Of The Night“ gleich mal, wo der Hammer hängt. Wer bei dem ordentlich bratenden, mit sehr drahtig-knarzigem Gitarrensound ausgestatteten Mainriff, das auf das spacige Keyboardintro folgt, nicht augenblicklich am Headbangen ist, sollte gleich mal in den Volksmusik-Sektor wechseln und kann dann da brav und bieder mitklatschen. 

Hier fällt auch sofort auf, dass der Sound im Vergleich zum Original-Release deutlich druckvoller und transparenter herüberkommt, glücklicherweise ohne den Charme und Spirit dieses Klassikers zu verfälschen – es ist schon noch eindeutig zu hören, dass wir hier ein Achtziger-Jahre-Album vorliegen haben. Das Schlagzeug zum Beispiel tönt auch auf diesem Re-Release noch ganz klar typisch für die damalige Zeit.

Sicherlich handelt es sich bei „Power Of The Night“ auch bereits um den besten Track der Scheibe, was natürlich immer ein bisschen problematisch ist, da sich schnell Ernüchterung breit machen kann, wenn man feststellt, dass es über die gesamte Distanz keine Steigerung mehr gibt. Wie gut, dass die Platte dennoch eine ganze Menge weiteres bärenstarkes Material bietet, doch Jon Oliva hat ja nicht aus Spaß das Statement (nachzulesen auf dem Backcover der CD) verlauten lassen, dass „Power Of The Night“ ein sehr wichtiges Album für die Gruppe war und sie weltweit bekannt machte. „Unusual“ mit seinem beinahe mystisch wirkenden Chorus und „Warriors“ mit seinem Mitgröl-Refrain gehören ebenso zu den Highlights wie der epische Stampfer „Fountain Of Youth“, das lediglich zweiminütige, flott nach vorne peitschende „Washed Out“ (fällt unter die Rubrik „kurz und schmerzlos“ und beinhaltet geile Flanger-Effekte) oder auch „Hard For Love“, das erneut mit einem sehr eingängigen, fast poppigen Chorus aufwartet, der irgendwie auch so typisch Achtziger ist. Nicht wenige sind ja der Ansicht, die Band hätte schon damals noch viel berühmter werden können, hätte man dieses Stück als Single veröffentlicht (was aufgrund des Ohrwurm-Refrains eine nachvollziehbare Maßnahme gewesen wäre), doch waren irgendeinem Vollidioten bei der Plattenfirma Titel und Lyrics zu anrüchig (als Europäer kann man über solch verbohrten Konservativismus wieder mal nur den Kopf schütteln, auch wenn man derartig Absurdes aus Amerika ja gewohnt ist), weswegen letztlich lediglich die Abschlussballade „In The Dream“ zu diesen Ehren kam – übrigens ebenfalls ein sehr schöner Track, bei dem Jon sich von seiner gefühlvollen Seite präsentiert.

Den Bonus bei dieser Neuauflage bilden Live-Performances der großartigen Hits „City Beneath The Surface“ und „Hounds“, die äußerst hörenswert sind, und natürlich den Hauptkaufanreiz für die Wiederveröffentlichung bieten sollen. Dennoch: Ein bisschen mehr als zwei Bonustracks und ein paar Liner-Notes von Jon Oliva im nur vierseitigen Booklet hätte es schon sein dürfen – nicht mal die Texte sind abgedruckt. Für eine Neuauflage etwas lieblos, wer das Album allerdings noch nicht besitzt, sollte hier zuschlagen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann