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Satyricon: The Age Of Nero

Die konsequente Weiterentwicklung von "Now, Diabolical"
Wertung: 9.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 42:53
Release: 14.11.2008
Label: Roadrunner Records

Satyricon waren immer eine Band, die die (Black-)Metal-Szene spaltete und sie werden es immer bleiben. Bei Puristen hatten sie stets einen schweren Stand, weil sie es wagten, Experimente zu vollziehen und ihren musikalischen Horizont zu erweitern: Begannen die Norweger auf ihrem Debüt „Dark Medieval Times“ noch als eine Combo, die eiskaltes Schwarzmetall-Riffing mit folkloristischen Flötenklängen verband, so spielten sie auf den Nachfolgealben „The Shadowthrone“ und „Nemesis Divina“ eher traditionellen Black Metal (der auch entsprechend Underground-mäßig räudig produziert wurde). Auf „Rebel Extravaganza“ arbeitete man dann mit Industrial-Elementen, mit „Volcano“ präsentierte das Duo Satyr und Frost einen zähflüssigen, pechschwarzen Hassbrocken inklusive eines überlangen, äußerst durchdacht aufgebauten Epos als Finale („Black Lava“), und auf dem letzten Output „Now, Diabolical“ glänzten die beiden Skandinavier mit eingängigem, aber niemals in irgendeiner Form kommerziellem Songwriting.

Gerade die Tatsache jedoch, dass Satyr und Frost das Gerede von „Kommerz“ oder „Verleugnen der Wurzeln“ und ähnlichem Blödsinn nicht die Bohne interessierte und das Duo stattdessen immer das tat, was ihm in den Sinn kam, macht die Band eigentlich noch viel unkommerzieller, als es so manch engstirniger Pandabär wahrhaben will.

Ihren eigenen Stil haben Satyricon spätestens seit „Nemesis Divina“ gefunden, doch galt es diesen auf den Nachfolgealben zu perfektionieren und Songwriting und Produktionstechnik auf ein noch höheres Niveau zu hieven. Die Essenz davon findet sich meiner Ansicht nach auf dem überragenden „Volcano“, doch lag mit „Now, Diabolical“ ein nahezu gleichwertiges Werk vor.  

Der neueste Streich „The Age Of Nero“ jedenfalls ist die logische Weiterführung des starken Vorgängers. Der Fokus ist weiterhin auf klassisches Songwriting im Satyricon-Stil gelegt, die Arrangements sind erneut auf das Nötigste reduziert, bieten aber trotzdem jede Menge versteckte Details, die es mittels mehrerer Durchläufe nach und nach zu entdecken gilt.

Die ersten drei eher kurz gehaltenen Stücke „Commando“, „The Wolfpack“ und „Black Crow On A Tombstone“ sind auch gleich beste Mitsing-Songs, die ihre Livetauglichkeit bereits auf der letztjährigen Europatour bewiesen haben. Gerade ein Track wie „The Wolfpack“ untermauert einmal mehr, auf welch schwindelerregend hohem songschreiberischen Niveau die Norweger sich mittlerweile befinden. Eine Lead-Gitarren-Melodie, die einfach nicht mehr aus den Gehörgängen verschwinden will, ein unvorhersehbarer, aber absolut passend eingesetzter, psychedelisch angehauchter Mittelpart und ein Refrain, der schlichtweg zum Mitgrölen und Headbangen auffordert.

War das Niveau allerdings schon bei den ersten drei Songs überragend, wird dem mit dem hymnischen, siebenminütigen „Die By My Hand“ noch mal einer draufgesetzt. Der fies gekrächzte Refrain sorgte live bereits für in die Höhe gereckte Fäuste und Pommesgabeln und der abschließende Part ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man aus wenig viel macht: Beständig wird das Main-Riff in überarbeiteter Form wiederholt, ohne dass es langweilig wird; vielmehr schaffen es Satyricon durch eine völlig kalte, hypnotische Atmosphäre – die so wohl nur dieser Band eigen ist –, den Hörer gleichzeitig zu fesseln und zu verstören.

Es folgt mit „My Skin Is Cold“ ein zäher und düsterer Brocken, der schwer im Magen liegt und sicherlich nicht ganz an das Niveau der vorigen Songs heranreicht, bevor Satyricon einen Track vorlegen, der nach eigenen Worten die „Essenz der Band“ darstellt: „The Sign Of The Trident“ ist in der Tat eine großartige Hymne, die besonders durch das unfassbar geile Riffing und überhaupt die ausgefeilte Gitarrenarbeit besticht. Ganz großes Kino, wohl einer der besten Songs der Norweger überhaupt.

„Last Man Standing“ hingegen fällt in erster Linie durch den Titel auf, der an einen gewissen modernen Western mit Bruce Willis erinnert, ansonsten allerdings ist dieses Stück für meine Begriffe das schwächste auf der Platte.

Der Abschluss-Track „Den Siste“ ist mit seinen siebeneinhalb Minuten der längste Song des Albums und mit seinem doomig-zähen Charakter nicht gerade leichte Kost. Aber hier gilt, sich in das Stück hineinzufinden; Satyricon sind anno 2008 eine Band, die hauptsächlich in mittleren und langsamen Tempi agiert. Das mag nicht jedem gefallen und der ein oder andere hätte sich vielleicht ein paar mehr schnellere Stellen gewünscht, wie sie im Opener „Commando“ oder bei „Die By My Hand“ zumindest sporadisch vorkommen, das Zähflüssige ist dennoch nicht minder böse und verstörend und mutet wie eine langsam kriechende Schlange an, die einen zu verschlingen droht – dieses Bild habe wenigstens ich gerne mal beim letzten Stück „Den Siste“ vor Augen (so klischeehaft das jetzt auch klingen mag).

In jedem Fall haben Satyricon mit „The Age Of Nero“ wieder mal bewiesen, dass sie eine völlig eigenständige Band sind, die es versteht, großartige Songs zu schreiben und eine ganz eigene, pechschwarze Atmosphäre zu kreieren. Auch produktionstechnisch macht ihnen keiner was vor; es gibt wohl kaum eine Band, deren Sound gleichzeitig so relativ klar ist, dabei aber trotzdem offenkundig ohne technische Hilfsmittel, die Schwächen kaschieren sollen, auskommt, und die sich dadurch ein gewisses Underground-Feeling bewahrt hat.

Von Kommerz kann hier also keine Rede sein, liebe Black-Metal-Gemeinde, vielmehr von einer großartigen Band, die ihren Weg geht und weitergehen wird. Ich ziehe meinen Hut!

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