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Satyricon: Satyricon

Eine herbe Enttäuschung
Wertung: 5.5/10
Genre: Black Metal/Dark Rock/Progressive
Spielzeit: 53:11
Release: 06.09.2013
Label: Roadrunner Records

Nicht erst seit gestern mokieren sich zahlreiche Anhänger der Schwarzwurzelszene darüber, dass Satyricon und insbesondere ihr Frontmann Sigurd „Satyr“ Wongraven massiv an Glaubwürdigkeit verloren hätten, was einmal in Wongravens Lebensstil, der vielen wohl nicht „schwarzmetallisch“ genug ist, und zum anderen an der musikalischen Entwicklung der Band begründet liegt. Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass jeder die Musik spielen darf, die er will, und sich kleiden darf, wie es ihm passt – diesen Leuten wird es mit der neuen Scheibe, der ersten seit fünf Jahren, nicht leichter gemacht.

Dies allerdings war nach den letzten Alben, die immer mehr auf Eingängigkeit abzielten und die frühere Aggressivität vermissen ließen, auch zu erwarten. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich halte „Now, Diabolical“ und „The Age Of Nero“ nach wie vor für sehr stark – ob nun authentischer Black Metal oder nicht. Mit dem neuen Album, das die Norweger schlicht „Satyricon“ betitelten (irgendwie scheint es gerade wieder voll in zu sein, Alben so wie die eigene Band zu nennen, wenn man nicht schon so mit dem Debüt verfahren ist, Dream Theater zum Beispiel machen es dieses Jahr ja genauso), versucht das Duo nun noch einen Schritt weiterzugehen. Es ehrt sie, dass sie sich nicht um nörgelnde und skeptische Stimmen von außen scheren, doch muss im Endeffekt konstatiert werden, dass die Band sich inzwischen verzettelt hat, mit dem Album nicht überzeugen kann und daher vielleicht doch darüber nachdenken sollte, sich wieder etwas mehr in Richtung eigene Wurzeln zu orientieren.

Schon der Anfang mit dem ewig nicht auf den Punkt kommenden „Tro Og Kraft“, das als Opener nach dem bereits viel zu langgezogenen Intro „Voice Of Shadows“ durch die Boxen schallt, enttäuscht. Das Ganze reißt überhaupt nicht mit, wirkt zunächst wie ein lahmer (und weniger eingängiger) Aufguss des Materials der vorigen Platten, bevor eine abrupte, sehr ruhige Passage das inzwischen gewohnte Midtempo-Riffing unterbricht. Derer gab es in der jüngeren Vergangenheit des Öfteren, doch in dieser Art sind diese bislang noch nicht aufgetreten – ein erster Versuch, noch progressiver zu agieren, und schlecht gemacht ist das keineswegs, gestaltet den Song letztlich aber nur leidlich spannender.

Dummerweise soll dieser misslungene Auftakt nicht die einzige Enttäuschung der Platte bleiben: Im Prinzip plätschert die gesamte erste Hälfte des Albums relativ bedeutungs- und einfallslos vorüber. „Our World, It Rumbles Tonight“ hat mit seinem angeschrägten Riffing und fein arrangierten Gitarren vor allem bezüglich Atmosphäre schon etwas mehr als sein Vorgänger zu bieten, kann songschreiberisch summa summarum aber auch nicht wirklich überzeugen. Die erhabenen Chöre im Refrain von „Nocturnal Flare“ indes kommen zwar cool, können am Ende aber ebenfalls nicht davon ablenken, dass insgesamt einfach zu wenig passiert.

Trauriger Tiefpunkt dann das völlig indiskutable „Phoenix“, wo Sivert Høyem, Frontmann der norwegischen Alternative Rocker Madrugada, auf den Plan tritt und ausschließlich cleane Vocals zum Besten gibt. Prinzipiell ist dagegen ja nicht unbedingt etwas einzuwenden, haben Watain dieses Jahr in Form von „They Rode On“ schließlich auch gemacht. Nur, wo die Schweden eine fantastische Gänsehautballade abgeliefert haben, bieten Satyricon ein nichtssagendes Gebräu, das null Wiedererkennungswert hat und bei dem Stimme und Instrumentierung zudem nicht die Bohne zusammenpassen (ganz im Gegensatz zu den genialen Gastbeiträgen von Anja Garbarek seinerzeit).

Erst in der zweiten Hälfte des Longplayers wird es besser: „Walker Upon The Wind“ und „Ageless Northern Spirit“ sind geile Uptempo-Kracher, bei denen endlich die Lethargie abgelegt und zum Teil amtlich geblastet wird, und „Nekrohaven“ ist ein schön aufs Simpelste reduzierter, fast punkiger Rocker, ein bisschen im Stil von „Fuel For Hatred“ oder „K.I.N.G“, wenn auch nicht ganz so stark. Hier fällt dann auch die merkwürdige Teilung der Scheibe auf: Die langsamen Nummern am Anfang, in der Mitte die Möchtegern-Ballade und am Ende die schnelleren Sachen – irgendwie seltsam, ein Album derart aufzuteilen und auch dadurch fehlt der rote Faden. Es ist einfach kein Gesamtkonzept erkennbar und das war eigentlich doch immer die Stärke dieser Band, wenn man sich dagegen beispielsweise eine Platte wie „Volcano“ ansieht. Produktionstechnisch kann man die Chose hingegen durchgehen lassen.

Das (quasi) finale „The Infinity Of Time And Space“ bietet vor allem, was das Drumming betrifft, einige recht interessante Momente und gehört insgesamt klar zum besseren Material auf „Satyricon“, kann aber leider auch nicht die Tatsache verhehlen, dass die Norweger eine der größten Enttäuschungen des Jahres vom Stapel gelassen haben – vor allem nach so langer Wartezeit auf ein neues Album. An Glaubwürdigkeit hat die Gruppe für meine Begriffe dadurch aber nicht weiter eingebüßt, denn es darf ja wie gesagt jeder machen, was er will. Die Glaubwürdigkeit geht eher durch Aktionen verloren, wie die, dass das widerlichste Tagesblatt Deutschlands diese Scheibe via Stream präsentieren durfte!

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