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Satyricon: Now, Diabolical

Der Mittelfinger an Engstirnige
Wertung: 7.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 44:49
Release: 15.04.2006
Label: Roadrunner Records

Scheuklappenträger und Puristen aus der Black Metal Szene mussten in den letzten Monaten stark sein. Darkthrone wagen es, ein Video zu machen und zeigen offener denn je ihre Punk Rock Einflüsse, Dissections' vorab bekanntes Material klingt so überhaupt nicht nach den alten Göttergaben und nun veröffentlichen Satyricon ihr neues Album “Now, Diabolical“, was sicherlich auch wieder die Gemüter erhitzen wird. Satyr und Frost sind nun schon seit längerem meilenweit von dem Sound entfernt, den eingangs erwähnte „Fans“ immer wieder von ihnen verlangen... und das ist auch gut so. Satyricon entwickeln sich mit jedem Album weiter und werden sich auch in Zukunft nicht wiederholen. Ob man das positiv oder negativ findet, bleibt natürlich jedem selbst überlassen, sie für diese Konsequenz aber nicht zumindest zu respektieren, wäre vermessen, wie ich finde.

“Now, Diabolical“ baut hörbar auf dem Vorgänger “Volcano“ auf, setzt jedoch andere Schwerpunkte. Das neue Material ist (bis auf zwei Ausnahmen) epischer und dennoch brutaler, obwohl die Band auf ausgelutschtes Geknüppel verzichtet. “Now, Diabolical“ kreiert eine Atmosphäre, die den Hörer verschlingt und in den schwarzen Abgrund hinab reißt. Keine Angst, ich werde jetzt nicht versuchen, mein Review mit pseudo-intellektuellen Metaphern anzureichern, aber anders kann man einen Song wie beispielsweise “Delirium“ nicht beschreiben.

Die ersten zwei Songs führen den Hörer erstmal ein wenig aufs Glatteis. Mit dem Titeltrack und “K.I.N.G.“ beginnt die Platte sehr flott und rockig, was an den “Volcano“ Kracher “Fuel For Hatred“ erinnert. Beide Songs machen sich sicherlich vortrefflich bei einer Metalparty, was sie ihrer eingängigen Hookline zu verdanken haben. Ich empfehle aber dringend auch den Rest der Platte zu hören, bevor man sich zu einem Kauf entscheidet, denn das war es nun mit der leicht verdaulichen Kost.

Obwohl die nächsten Songs nicht wirklich länger sind, entsteht hier etwas, was vor Augen führt, welch songschreiberisches Talent Satyr und Frost in sich tragen. Mit minimalsten Mitteln (bis auf den wohl akzentuierten Einsatz von Bläsern) kann das Duo hier fast alles an die Wand spielen, was sich heutzutage „ergreifend“ schimpft. Ich muss allerdings einräumen, dass sich die Songs dadurch zu sehr wie aus einem Guss anhören und kaum einer wirklich eigene Akzente setzt... jedenfalls bis ruhige Klänge fast schon verhalten “Delirium“ ankündigen. Dieses Musterbeispiel für einen sich stetig steigernden Song ist auf seine Art brutaler, als alles was sich die ach-so-böse selbst ernannte Elite zusammenknattert. “To The Mountains“ als Abschluss des Albums könnte nicht besser gewählt sein. Kann man Black Metal genießen?! Na sicher, denn diese Tour zu den titelgebenden Bergen ist unvergesslich. Denn auch wenn der Aufstieg beschwerlich ist, die monumentale Schönheit möchte man danach nie wieder missen... und da haben sich schon wieder die Metaphern eingeschlichen.

Selten fiel mir eine Bewertung so schwer wie diese. Alleine diese unglaubliche Macht, die in jeder einzelnen Komposition steckt, schreit nach der Höchstnote. Dazu kommt mein Respekt vor den Musikern, diese mutige Platte zu veröffentlichen. “Now, diabolical“ ist der ausgestreckte Mittelfinger in die Richtung all jener, die festlegen wollen, wie Satyricon zu klingen haben. Und dennoch... ich muss leider subjektiv an die Sache herangehen und sagen, dass mich der Mittelteil der Platte zwar beeindruckt, aber eben nicht begeistert. Ich denke nicht, dass ich Song 3 – 6 noch allzu oft hören werde und das ist immerhin die Hälfte des Albums. Unter Rücksichtnahme der anderen überragenden Songs muss daraus (leider, möchte ich fast sagen) diese Wertung resultieren.

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