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Satyricon: Deep Calleth Upon Deep

Wieder deutlich stärker als der Vorgänger
Wertung: 8/10
Genre: Black Metal/Dark Rock/Progressive
Spielzeit: 43:34
Release: 22.09.2017
Label: Napalm Records

Dass sich Satyricon vom „reinen“ Black Metal längst verabschiedet haben, sollte inzwischen auch jeder Ewiggestrige verstanden haben. Nennt „Now, Diabolical“ und „The Age Of Nero“ „kommerziell“ oder „poliert“ – songschreiberisch zeigten diese Alben Frontmann Sigurd „Satyr“ Wongraven auf dem Höhepunkt seines Schaffens, hatte er hier doch eingängige Düsterhymnen für die Ewigkeit erschaffen. Zwischen dem 1994er Debüt „Dark Medieval Times“ und heute liegen Welten – logisch, dass man bei einer solchen Entwicklung alte Fans verliert, aber dafür eben auch neue hinzugewinnt.

Dennoch war das selbstbetitelte Werk von vier Jahren eher enttäuschend, es fehlten Biss und Esprit – was den vorliegenden Nachfolger angeht, so ließ Satyr im Vorfeld ein Statement verlauten, das ebenso schwammig wie interessant tönte; die Rede war davon, dass er sich nicht sicher sei, ob dies den Beginn einer neuen Ära in der Geschichte der Band markiere oder ob es sich nicht gar um das letzte Album der Truppe handeln würde, dementsprechend besonders müsse es werden.

Letzteres wollen wir nicht hoffen, möglicherweise hängt diese Äußerung damit zusammen, dass bei dem Norweger vor nicht einmal zwei Jahren ein Hirntumor festgestellt wurde, der sich zwar glücklicherweise als gutartig entpuppte, trotzdem war dies natürlich ein Schock, den es erst einmal zu verdauen galt. Sollte jedoch tatsächlich ein neues Kapitel in der Historie der Band aufgeschlagen werden, durfte man nach dem eher misslungenen Vorläufer skeptisch sein – würden sie ähnlich ziellos und behäbig agieren, oder sollte die Formkurve wieder nach oben zeigen?

Die Bedenken zerstreuen sich erfreulich schnell – der Opener „Midnight Serpent“ reißt schon nach wenigen Sekunden mit. Es ist wieder erkennbar mehr Druck vorhanden, ohne ein ellenlanges Intro oder ähnliche Sperenzchen geht es sofort zur Sache, Frost hinter der Schießbude macht mit schnellen Beats ordentlich Alarm und die Gitarren haben wieder deutlich mehr den unverkennbaren, typisch klirrenden Satyricon-Sound, wie man ihn von den Jungs gewohnt ist. In der zweiten Hälfte ist der Song im Midtempo angesiedelt, der Refrain ist äußerst hymnisch geraten und für Powerfists und Pommesgabeln in der Livesituation geradezu gemacht. Hymnisch darf man auch „To Your Brethren In The Dark“ nennen, das durch eine düstere, „Volcano“-artige Stimmung besticht und dank seines feierlich-zeremoniellen Charakters dem Titel alle Ehre macht: Mit Fackeln bewaffnete Kuttenträger eines Geheimbundes entstehen beinahe automatisch vor dem inneren Auge.

Den gesamten Bandsound haben die Skandinavier also mitnichten umgekrempelt, so sind Ausreißer in höhere Temporegionen eher rar gesät, aber das Songwriting ist einfach wieder deutlich stärker und inspirierter als auf „Satyricon“, wo es streckenweise arg vor sich hinplätscherte und vor allem keine klare Linie erkennen ließ. „Deep Calleth Upon Deep“ ist schlicht schlüssiger und klarer strukturiert und auch wenn es nach wie vor kaum Blastbeats auf der Scheibe gibt, wohnt den Tracks mehr Pep inne: Das treibende „The Ghost Of Rome“ mit seiner markanten Gitarrenmelodie besitzt wiederum Ohrwurmqualitäten, die Abschlussnummer „Burial Rite“ fesselt erneut mit feierlicher Stimmung, die auch hier erstaunlich gut zum Titel passt, und „Blood Cracks Open The Ground“ kommt recht progressiv daher, die mäandernden, angeschrägten Riffs wurden höchst effizient und clever eingesetzt.

Auch „Black Wings And Withering Gloom“ schlägt mit vielen Breaks in eine progressivere Kerbe, neben „Midnight Serpent“ der einzige Track, bei dem Frost die Blastbeatkeule ausgräbt; sein Drumming ist dennoch wie immer ein Genuss, präzise und abwechslungsreich, wie man es von ihm kennt, und das ohne auf technische Hilfsmittel wie Trigger angewiesen zu sein. Experimenteller geht man es insbesondere aber bei „Dissonant“ an, bei dem man sich mit Håkon Kornstad einen Saxophonisten als Gastmucker geholt hat, der ansonsten auch mit cleanem Hintergrundgesang bei „The Ghost Of Rome“ und dem Titeltrack zu hören ist. Nichtsdestotrotz muss man konstatieren, dass dies den schwächsten Song der Scheibe darstellt, der Einsatz des Saxophons wirkt nicht konsequent genug und mehr nach dem Motto „Naja, wir wollten halt auch mal ’n Saxophon auf ’ner Platte haben“.

Alles in allem trotzdem ein gutes Album; an die genannten „Now, Diabolical“, „The Age Of Nero“ oder gar das famose „Volcano“ kommt es zwar nicht heran, der langatmige Vorgänger wird allerdings problemlos links liegen gelassen. Die Gitarrenarbeit ist ähnlich wie das Drumming großartig ausgefeilt, Satyrs Gesang gewohnt top (vor allem, weil er mit seiner außergewöhnlich klaren Diktion einer der bestverständlichen Frontmänner in den extremen Spielarten ist) und die dumpfe, trockene Produktion wird der Art der Musik absolut gerecht, was ja ebenfalls schon immer ein entscheidender Faktor bei dieser Formation war. Über das, nennen wir es mutige Cover kann man streiten, immerhin aber stammt dies von Norwegens berühmtestem Künstlerexport Edvard Munch, und auffällig ist es in jedem Fall.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“