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Satanic Syndrome: Ein Traum In Rot

Feine Keyboards, hervorragender Bass und ein hasserfüllter Sänger
Wertung: 7.5/10
Genre: Dark Metal, Black Metal
Spielzeit: 46:59
Release: 07.10.2010
Label: Eigenproduktion

Um unnötige Zeitverschwendung zu vermeiden: Alle, die nichts mit der Musik von Eisregen anfangen können, sollten hier gar nicht mehr weiterlesen. Allen, die trotzdem noch neugierig diese Zeilen studieren, sei gesagt, dass Satanic Syndrome zwar aus einer anderen Richtung kommen, nämlich weniger dem extremen Metal, sondern eher der gothischen Seite, dennoch erinnert die Stimme von Sänger Danny frappierend an das Organ von Michael „Blutkehle“ Roth. Das Sextett aus Aalen agiert zwar erst seit 2007, trotzdem gibt’s von der Combo schon eine EP mit dem vielversprechenden Namen „Schmerz“ zu erstehen – mit „Ein Traum In Rot“ folgt nun das Debütalbum. Mag der Titel noch relativ harmlos daherkommen, ändert sich dieser Eindruck spätestens beim Anblick des Covers, auf dem eine junge Frau – richtig – vor rotem Hintergrund auf dem Boden liegt. Es dauert eine Weile, bis einem auffällt, dass die Dame merkwürdig tot aussieht – und genau das ist das Faszinierende an der Scheibe: Zuerst wiegt man sich in Sicherheit (was vielleicht mit an der Betitelung „Melodic Dark Metal“ liegt, die falscher kaum sein könnte, zumindest, was das „Melodic“ angeht), bevor der Irre aus dem Hinterhalt zuschlägt.

So ähnlich könnte man auch den Opener „Lebensangst“ beschreiben: Das Intro wirkt zwar schon leicht gruselig, könnte aber noch in einen Gothic Metal-mäßigen Song abdriften; spätestens, wenn Danny seinen ersten Schrei loslässt, kann man sich allerdings das Grinsen nicht verkneifen und als dann Simon wie manisch auf seine Felle eindrischt und Keyboarder Dave das Ganze mit düster-bedrohlichen Samples unterlegt, hat der erste Song den Titel als Anspieltipp schon mal sicher. Zwar ist Dannys Stimme noch eine Spur gewöhnungsbedürftiger als man es beispielweise von Eisregen gewöhnt ist, weil sein Kreischen höher ist und etwas mehr an den Nerven zerrt, großartig klingt es aber allemal.

Überhaupt hat das Keyboard einen nicht unerheblichen Verdienst an der Gesamtstimmung des Albums. Klar würden die Gitarren bei „Im Mond Der Nacht“ auch solo wunderbar beunruhigend klingen, aber der hintergründige Keyboardteppich verleiht dem Song eben nochmal die besondere Atmosphäre. Richtig episch wird’s mit dem sechsminütigen „Winterdepressionen“, obwohl sich für eine richtige Depression einen Tick zu wenige Moll-Passagen in dem Song finden. Für die Vertonung jeglicher Depressionen eignet sich ein passend eingesetztes Keyboard natürlich besonders gut und so passt das Tasteninstrument natürlich auch hier einwandfrei, zumal es eine nahezu perfekte Symbiose mit den Gitarren eingeht. Dannys Stimme passt natürlich eher zu einem Tobsuchtsanfall denn zu einem Stimmungstief, aber das tut der „guten“ Stimmung keinen Abbruch.

Wirklich gut beherrschen die Herren von Satanic Syndrome das Vorantreiben ihrer Tracks – als Musterbeispiel kann hier das über sieben Minuten lange „Der Schneesturm“ herhalten, bei dem man sich in großartigen Gitarrenspuren geradezu wälzen kann. Zwar ist die Verfasserin dieser Zeilen kein großer Fan langer Songs, abr hier stimmt einfach alles: der Stimmungaufbau mit dem langsamen Schlagzeug zu Beginn, das sich dann abrupt in Doublebassgewitter verwandelt, Dannys krächzendes Geschrei, das wie aus weiter Ferne zu kommen scheint, und der immer präsente Keyboardteppich – fantastisch!

Ein Tipp für alle Lautstärkefanatiker: Bevor der Rausschmeißer „Wunden, Die Nie Heilen…“ loslegt, sollte man den Bass runterdrehen, sonst fetzt es einem direkt die Magenwand weg. Mit schönen Grüßen an den Gastroenterologen wummert Thilo sich mit seinem Tieftöner durch Felder von düsteren Gitarren und Keyboard-Einsprengseln. Mit der Zeit geht einem die Leadgitarre zwar ein wenig auf die Nerven, dafür verbreitet sich zwischen den Strophen ein umso schöneres Depressive Black Metal-Feeling. So subtil, wie die Herren Eisregen es schon seit einigen Alben nicht mehr hinbekommen haben, vollziehen Satanic Syndrome allmählich den Fade-Out. Am Ende grinst man nur und denkt sich: Kann ich das noch mal hören?

Fazit: Ganz ehrlich, nach drei Stunden Dauerrotation geht auch mir Dannys Stimme allmählich an die Substanz, aber welche Stimme tut das nicht?! Tatsächlich ist „Ein Traum In Rot“ ein ziemlich großartiges Debütalbum einer sehr talentierten Band geworden; Abstriche muss man natürlich immer mal machen, sei es wegen einer leichten Gleichförmigkeit der Songs – zum Beispiel plätschern ausgerechnet „Schatten Der Vergeltung“ und der Titelsong ziemlich am Hörer vorbei – aber die sechs Herren beherrschen ihre Instrumente definitiv und machen mit jedem Tasten- und Saitenanschlag klar, dass mit ihnen ihn nächster Zeit noch zu rechnen ist.

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