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Sarkom: Bestial Supremacy

Im Prinzip sehr gutes Black-Metal-Album, aber warum sind die Songs so kurz?
Wertung: 7.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 43:36
Release: 14.11.2008
Label: Twilight

Sarkom“ nennt sich dieses finstere Trio aus Norwegen, das mit „Bestial Supremacy“ sein zweites Full-Length-Album vorlegt, welches angeblich noch rauher, primitiver und brutaler als das Debütalbum „Aggravation Of Mind“ (2006) sein soll. So weit, so standardmäßig.

Die meisten würden jetzt wahrscheinlich davon ausgehen, dass bei dem Namen (Sarkom ist die Bezeichnung für einen bösartigen Tumor) und der Beschreibung der Musik – angeblich ist ja jedes neue Album gerade einer Black-Metal-Band stets härter und böser; man muss schließlich sein Gesicht wahren – permanent ICE-Tempo vorherrscht; doch weit gefehlt. Zwar agiert man produktionstechnisch recht räudig und wartet größtenteils mit typischem Black-Metal-Riffing auf, doch wird hier nicht durch die Bank nur geholzt. Vielmehr haben die Norweger eine gute Balance zwischen Mid- und Uptempo gefunden und setzen ihre Blastbeat-Passagen sehr überlegt ein, was definitiv eine viel größere Wirkung erzielt.

Der Opener „Inferior Bleeding“ beispielsweise ist in eher zähflüssigem Tempo gehalten und bietet obendrein neben dem Genre-üblichen, klirrend-kalten, gnadenlosen und dissonanten Riffing recht melodische Lead-Guitar-Licks. Ein sehr guter Auftakt, der beweist, dass es nicht unbedingt nötig ist, mit Überschallgeschwindigkeit durch die Botanik zu brettern, sondern dass zähflüssiges Tempo des öfteren wesentlich effektiver sein kann als stumpfes Gebolze. Mal abgesehen davon zeigen Sarkom der Konkurrenz auf diese Weise sogleich, dass sie sich vom Gros der Szene abheben wollen, indem sie dem norwegischen Black Metal ihre eigene Note verleihen, ohne die Trademarks, die diese Spielart ausmachen, zu vernachlässigen.

Ein ähnliches gilt für den zweiten Track „I Call Your Name“, der durch sein simples Main-Riff sogar fast noch eingängiger als der vorige Song anmaßt. Erst beim Titelsong, der als nächstes folgt, packt Drummer Renton – der im Übrigen auch den Bass bedient, somit also quasi für die gesamte Rhythmusgruppe verantwortlich zeichnet – zum ersten Mal die Blastbeats aus. Sehr schön auch die Spannungspausen innerhalb des Songs, wenn das Schlagzeug schweigt, die gedoppelten Gitarren dadurch mehr in den Vordergrund treten und außerdem einige mehr oder weniger gesprochenen Passagen erklingen. Allerdings zeigt sich spätestens hier das Problem, welches dem aufmerksamen Hörer möglicherweise auch schon bei den vorigen Stücken aufgefallen sein dürfte: die Songs sind einfach zu kurz. Sarkom verstehen es wirklich ausgezeichnet, Atmosphäre aufzubauen und ziehen einen durch die bereits angesprochenen, recht subtilen Lead-Gitarren-Melodien, die über der gnadenlosen Rhythmus-Sektion und dem Kreischgesang von Fronter Unsgaard schweben, und ihren trotzdem typisch skandinavischen Black-Metal-Sound recht schnell in den Bann, doch ließe sich einfach noch viel mehr aus den Stücken machen, würde man sie noch weiter ausarbeiten.

Sowohl die bereits besprochenen ersten drei Tracks, als auch die vierte Nummer „Infected“, die sich an sich durch eine sehr spannungsgeladene Steigerung auszeichnet, enden einfach viel zu abrupt. Gerade wenn es richtig abgeht, wird der jeweilige Song ausgefadet oder endet etwas unerwartet, was bei der wunderbar unheilvollen Stimmung, die das Trio verbreitet, sehr schade ist. Auch bei dem erneut eher im Midtempo angesiedelten „Parallel To A Wall Of Fire“ und dem sich langsam dahinschleppenden „Artificial“ tritt dieses Problem zu Tage.

Gerade in letzterem steckt so viel Potential; das Ganze mutet wie einen Vulkan herabrinnende Lava an und ist nach dem teilweise rasend schnellen Stück „Symbolic Revulsion“, bei dem Mannevond von Koldbrann als Gastsänger fungiert, eine enorm effektive Abwechslung – nur: was soll diese schnelle Ausblendung? Wirklich schade drum, aber vielleicht sollte dies ja den Wandlungsreichtum der Norweger unterstreichen, da der folgende Song „Revival Of Torment“ wieder eher in die schnellere Kerbe haut, wenn man mal von dem eingängigen und eher langsamer gehaltenen Chorus absieht.

Allerdings stellen „Revival Of Torment“ und „Symbolic Revulsion“ für meine Begriffe die klaren Highlights der Platte dar, zumal sie mir am ausgereiftesten erscheinen und auch nicht so enttäuschend schlagartig enden wie oben genannte Tracks.

Insgesamt steckt in Sarkom jedenfalls unheimlich viel Potential. Die Band nimmt gefangen, zieht einen ganz schnell in eine unheilschwangere, düstere, um nicht zu sagen pechschwarze Atmosphäre und weiß durch Abwechslung, Spielfreude und gelungene Arrangements – wenn man bedenkt, dass es sich hier immer noch um rohen Underground-Black-Metal handelt – zu überzeugen. Andere Bands derselben Spielart langweilen schnell durch künstlich in die Länge gezogene Tracks, bei Sarkom jedoch besteht diese Gefahr nun überhaupt nicht, sondern es ist eher das Gegenteil der Fall, dass man bei den meisten Stücken das Gefühl hat, es müsste noch was kommen.

Trotzdem ist die Combo ganz klar immer noch gut genug, um sich 7,5 Punkte zu verdienen – mal sehen, was das nächste Album bringt.

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