Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Saltatio Mortis: Zirkus Zeitgeist - ohne Strom und Stecker

Ein Spielmann, ein Poet der Straße
Wertung: 8,5/10
Genre: Mittelalter/ Folk
Spielzeit: 66:08
Release: 27.11.2015
Label: Universal / Vertigo

Man wird sich als nicht Die-Hard-Fan der äußerst erfolgreichen Spielleute von Saltatio Mortis schon fragen, ob es wirklich Sinn macht, ein komplettes Album in akustischer Version kurz nach der Veröffentlichung des Originals noch einmal zu veröffentlichen. Geht es vielleicht doch nur um Kohle?
Sicher, die Band wird sich nicht davor fürchten, noch ein bisschen mehr Geld mit ihrer Musik zu verdienen. Die Frage ist ja nur, ob dieser Umsatz gerechtfertigt ist. Nach erster Begutachtung fällt schon auf, dass zumindest in der Deluxe-Edition gleich mal zwei CDs den Weg in die Hände des neuen Besitzers gefunden haben. Die erste Scheibe ist das komplette „Zirkus Zeitgeist“ Album in akustischer Form, das allem Anschein nach von allen Beteiligten komplett neu eingespielt wurde.

Auffällig ist sehr schnell, dass einige Lieder in der entstromten Version noch mehr Atmosphäre erzeugen als in der Rockversion. Das klappt bei „Wo sind die Clowns“ schon ganz gut, aber richtig cool klingen in der Akustikversion vor allem das swingende „Willkommen in der Weihnachtszeit“, das dramatische und traurige „Maria“ das fast schon stur optimistische „Geradeaus“, das „Trinklied“ und der „Gossenpoet“. Die Aufzählung zeigt, dass fünf von 13 Liedern es in dieser Lagerfeuerversion durchaus mit dem Original aufnehmen können. Klar, diese Einschätzung wird Geschmacksache bleiben, aber einen kleinen Richtwert kann sie trotzdem geben. Positiv beeindruckt auch die Tatsache, dass die Spielleute auch vor keinerlei stilistischen Spielereien zurückschrecken. Von sehr mittelalterlich ausgerichteten Nummern geht es über Folk bis hin zum Akustik Rock und sogar zu eher exotischeren Stilen wie Swing und Reggae. Kurz und knapp: Die Platte ist es wirklich wert, einmal angetestet zu werden.

Damit ist aber noch nicht Schluss. Saltatio Mortis haben noch eine CD mit Weihnachtsliedern angehängt, die, nun ja, etwas unkonventionell sind. Eingeleitet wird die Scheibe mit der Albumversion von „Willkommen in der Weihnachtszeit“. Der Text dürfte schon mehr als nachdenklich stimmen über das Konsumfest, das wir Weihnachten nennen. Auch in der Fortsetzung ändert sich diese kritische Stimmung nicht. „Morgen, Kinder, wird’s nichts geben“ prangert kurz gefasst die Arm-Reich-Schere an, die sich natürlich an Abenden wie an Weihnachten sehr stark bemerkbar macht. Eine ähnliche Thematik greift auch „Alle Jahre wieder“ auf, nur dass es in diesem Lied eher um die Problematik des Geschenkebeschaffens geht.

Allerdings werden nicht nur Weihnachtslieder verarbeitet. „Als die Waffen schwiegen“ handelt vom Weihnachten 1914, an dem es ja bekanntermaßen eine kurze Waffenruhe an der Westfront gab, während der sich die gegnerischen Soldaten sogar in Einzelfällen die Hände gereicht haben. Das morden ging allerdings am nächsten Tag mit unverminderter Härte weiter, weil es von oben so beschlossen wurde.

Mit einer gewissen Ironie muss man die Coverversion von „Last Christmas“ betrachten. Anders kann man es sich kaum erklären, dass sich die Spielleute ausgerechnet diese völlig ausgelutschte Nummer vorgenommen haben. Wie auch immer - Der Song ist eben auch drauf. Gebraucht hätte diesen Titel sicher niemand. Vielleicht hat der Rezensent den Gag auch nicht verstanden und der Sinn ergibt sich daraus, dass „Last Christmas“ rein textlich ja eigentlich gar kein Weihnachtslied ist. Wie auch immer - Man kann dieses Folterinstrument aus Tönen gar nicht so stark abwandeln (Saltatio Mortis haben das Stück stark verrockt), dass es eine Daseinsberechtigung auf irgendeinem Tonträger hätte.  

Die CDs haben ihre Daseinsberechtigung. Auf ein paar Stücke kann man sogar einen ganz neuen Blick werfen, was durchaus interessant ist. Natürlich muss der Hörer selbst entscheiden, aber einige der Stücke auf „Zirkus Zeitgeist - ohne Strom und Stecker“ haben durchaus das Potential, ihre Originalversion zu übertreffen.

comments powered by Disqus

Vigilance, Erazor & Spiker im Konzert (Essen, Oktober 2017)

„Bisschen Bier, bisschen Headbangen, bisschen Metal“

Insgesamt gelungener Tourauftakt im verregneten Hamburg