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Saltatio Mortis : Zirkus Zeitgeist - Live aus der Grossen Freiheit

„Der Club ist ein bisschen räudig, aber hat seinen Charme. So wie wir".
Wertung: 9/10
Genre: Rock / Mittelallterrock
Spielzeit: DVD 1: 158:58 DVD 2: 24:40
Release: 01.04.2016
Label: Vertigo Berlin

Verdammt! Sind seit der ersten (Rockshow-) DVD der Spielmänner von Saltatio Mortis tatsächlich schon fünf Jahre vergangen? Das ist ja ein Wahnsinn. Nun, es sei wie es ist. Die sehr erfolgreichen Musiker haben eine Show in der berühmt-berüchtigten Grossen Freiheit in Hamburg aufgezeichnet und diese werden wir nun mal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Bevor die Setlist in Augenschein genommen wird, erst einmal die technische Seite der Silberlinge. Die Veröffentlichung gibt es auch auf Blu-Ray. Das erklärt schon einmal, warum das Bildmaterial so gut ist. Rein von der Qualität kann man aus einer DVD kaum mehr herausholen. Das Konzert wurde aus vielerlei Perspektiven gefilmt und mit flotten Schnitten aufbereitet. Zusätzlich sorgen viele Kamerafahrten für einen ständigen dynamischen Eindruck.

Auch akustisch ist die Scheibe eine gelungene Produktion. Der Klang ist druckvoll und kräftig. Natürlich ist er im Vergleich zum wirklichen Livesound ein bisschen zu glatt, aber man erkennt immer noch ganz deutlich, dass man hier einer Liveaufnahme lauscht.

Somit bleibt es an den Kriterien Setlist und Stimmung im Konzert um herauszufinden, ob man die Qualität der absolut guten ersten DVD „10 Jahre wild und frei“ wieder erreicht hat oder sogar noch überschreiten konnte.

Schauen wir mal auf die Stimmung in der Grossen Freiheit. Das Resultat dürfte kaum überraschen, denn Saltatio Mortis sind seit jeher Meister darin, ihre Zuhörer zum Ausflippen zu bringen. Einen nicht geringen Anteil daran hat der charismatische Frontmann Alea, wie sich auch dieses Mal wieder zeigt. Einen Unterschied gibt es aber schon zum zehnjährigen Jubiläum der Truppe. Mag die Location zwar für viele ein schicksalsträchtiger Veranstaltungsort mit wahnsinnig viel Geschichte sein, aber um dort zu filmen, dazu ist die Grosse Freiheit nicht so gut geeignet wie die historische Stadthalle in Wuppertal, in der das Konzert zum Jubiläum gefilmt wurde. Gegen das historische Gebäude kann die Grosse Freiheit einfach nicht anstinken.

Nun, was soll man zum Konzert sagen? Es wäre falsch zu behaupten, Saltatio Mortis wären besser, mitreißender, spielfreudiger oder ambitionierter gewesen als zum Beispiel beim Schlosshof Festival 2011, beim Metalfest 2012, bei sämtlichen MPS, Wacken 2011 und 2014 und natürlich unzähligen anderen Konzerten. Auch wäre es ein Schlag ins Gesicht der Fans die an allen anderen Konzerten teilgenommen haben, wenn es denn so gewesen wäre. Kurz gesagt: Der Auftritt war, wie man ihn von Saltatio Mortis immer erwarten kann. Voller Spielfreude zocken die Spielmänner ein 23 Songs langes Set und genießen jeden Applaus sowie jedes Anfeuern. Dafür geben die Musiker vom ersten Moment an mehr als einhundert Prozent und wie so oft stacheln sich die Zuhörer und die Band gegenseitig immer mehr an und die Band schafft es wirklich, die Zuhörer bis zum Konzertende durchgehend hüpfen und schreien zu lassen, was dann durchaus auch für Betrachter vor dem Bildschirm durchaus beeindruckend ist. Vor allem die Hüpf- und Singorgie bei „Eulenspiegel“ sei hier erwähnt.

Natürlich macht es wenig Sinn, in diesem Rahmen auf die immer mehr nachdenklichen Texte der neueren Stücke hinzuweisen, denn die Songs wurden hier in der Grossen Freiheit ja allesamt nicht uraufgeführt. Durchaus erwähnenswert sind aber die Ansagen, die in diesem Zusammenhang oft von Drummer Lasterbalk kommen. Mehrmals erörtert er in kurzen Erzählungen wie die Band dazu kam, bestimmte Themen musikalisch aufzubereiten. besonders beeindruckend ist hier die Geschichte, die er zu „Todesengel“ zu erzählen hat.

Summa Summarum hat die Doppel DVD durchaus ihre Daseinsberechtigung. Wer die Möglichkeit hat, das Konzert mit vernünftigen Lautsprechern oder einem guten Kopfhörer (wirklich mal ausprobieren!) zu hören, der kann sich tatsächlich fast wie in dem Konzert fühlen. Zum vollen Konzerterlebnis fehlen dann nur noch eine Raumtemperatur von 43 Grad, eine Luftfeuchtigkeit von 98 % und der Geruch von 25 Paar ungewaschenen Socken. Für den ambitionierten Heimwerker dürfte das eine lösbare Aufgabe sein.

Spaß beiseite. Saltatio Mortis haben sich hier nicht neu erfunden und auch nicht in irgendeiner Form übertroffen. Das war aber sicher auch nie das Ziel des Projektes. Dem Hörer wird eine Möglichkeit eröffnet, sich ein Konzert zum wiederholten Genuss ins Wohnzimmer zu holen und genau das dürfte auch die Intention der Spielleute gewesen sein.

Zusätzlich zur Konzert-DVD gibt es auf einer zweiten Scheibe noch ein Making-Of, das durchaus mindestens genauso unterhaltsam sein kann, wie das Konzert selbst, nur vielleicht nicht so oft. Ein Zitat soll diese Bemusterung abschließen: „Wohl die Hälfte seines Lebens stimmt er dieses Instrument vergebens“.

In diesem Sinne: Auf in den Zirkus Zeitgeist!

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