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Saltatio Mortis: Wer Wind sät

Auch als Sextett gelingt das Album
Wertung: 8.5/10
Genre: Folk Rock / Mittelalter Rock
Spielzeit: 51:57
Release: 28.08.2009
Label: Napalm Records

Es gibt wohl kaum eine Band, die ihre musikalische Ausrichtung im Laufe ihrer Geschichte so verändert hat, wie Saltatio Mortis. Sind die Grundpfeiler ihrer Musik, die mittelalterlichen Instrumente, zwar stets gleich und bestehen geblieben, so wechselte doch das darum gebaute Konstrukt: Was im Jahre 2000 als traditionell mittelalterliche Marktmusik begann, erhielt wenig später einen elektronischen Anstrich. Mit den letzten zwei Alben, "Des Königs Henker" und "Aus der Asche", wendeten sich Saltatio Mortis einem rockigeren Weg zu – einem Weg, der auch auf dem neuesten Werk "Wer Wind sät" weiterhin beschritten wird.

Dabei ist der Charakter der zwölf auf dem Album enthaltenen Songs durchaus unterschiedlich: überwiegt bei einigen die Rockattitüde, wird bei anderen ein stärkeres Augenmerk auf die mittelalterlichen Instrumente gelegt. Auf der Platte findet sich dabei kein altertümlicher Text mehr, bis auf ein französisches Gastspiel ("La Jument De Michao") singt Alea lediglich auf Deutsch.

"Wer Wind sät" bietet direkt einen rockigen Einstieg: Nach einer kurzen Dudelsack-Einleitung übernehmen die Gitarren mit dem simplen, aber eingängigen Hauptriff von "Ebenbild" das Ruder. Bei diesem Song, zu dem die Band vor Erscheinen des Albums bereits ein Video veröffentlicht hat, kehren die "alten" Instrumente erst beim Refrain wieder zurück in den Fokus. Alea erzählt hier die Geschichte eines Klons und seiner Selbstzweifel, aus der Perspektive von eben jenem und seines Schöpfers.

Der Song mit dem höchsten Wiedererkennungswert ist sicherlich "Letzte Worte": Diese Halbballade wartet einerseits mit überaus ruhigen Strophenteilen, andererseits mit einem vergleichseweise bombastischen Refrain auf, in dem der Dudelsack eine griffige Melodie zu der gemächlichen Gitarrenbegleitung spielt. Alea singt über alldem einen Text, der eigentlich dem Bandmantra "Wer tanzt, stirbt nicht!" widerspricht: "Und wenn mich einst des Todes Finger greifen. / Wenn nichts mehr bleibt und niemand bei mir ist. / Und wenn ich fort bin, wird es sich erweisen, / wer an mich denkt, wer mich schnell vergisst." Kombiniert ergibt sich so eine ergreifende Atmosphäre, die den Song zu einem Höhepunkt des Albums macht.

Im Kampf um den Titel "Rockigster Song des Albums" liegt "Miststück" ziemlich weit vorne: Innerhalb der ersten Minute gibt es keinerlei Anzeichen auf einen mittelalterlichen Einschlag, die Saitenfraktion bekommt hier Gelegenheit, sich so richtig an einem Hardrock-Riff auszutoben. Erst später kommt in Form der Blasinstrumente eine zusätzliche Melodie ins Spiel. Beim ersten Hören kann man sicherlich durch diesen Aufbau abgeschreckt werden, da man die Saltatio-typischen Elemente vermisst, doch nach ein paar Hördurchgängen hat man sich auch daran gewöhnt.

Einen zweiten ruhigen Punkt auf "Wer Wind sät" bietet "Aus Träumen gebaut". Bei diesem Lied übernehmen die verzerrten Gitarren eher die hintergründige Klangfüllung, die Betonung liegt auf der von Bruder Frank gespielten Basslinie, kombiniert mit einer Akustikgitarre sowie einer Schalmei.

Alles in Allem zeigen Saltatio Mortis, dass sie auch nach dem Ausstieg von Cordoban dem Verspielten und Thoron Ende 2008 noch überaus spielfähig sind: "Wer Wind sät" ist ein gelungenes Album, welches die eingeschlagene Rock-Richtung weiter vertieft, dabei aber die mittelalterlichen Wurzeln nicht aus den Augen verliert.

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