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Saltatio Mortis: Das Schwarze Einmaleins

Neo-Mittelalter-Folk?
Wertung: 8.5/10
Genre: Mittelalter-Rock / Hard Rock / Folk Metal
Spielzeit: 50:08
Release: 16.08.2013
Label: Napalm Records

Ungefähr eineinhalb Jahre ist es her, dass Saltatio Mortis ihren „Sturm aufs Paradies“ antraten. Bei dieser Scheibe zeichnete sich schon eine Entwicklung ab, die sich nun mit der neuen Scheibe „Das Schwarze Einmaleins“ konsequent fortsetzt. Die Mittelaltertruppe entfernt sich nach und nach weiter vom Mittelaltergedudel. Textlich konnte man diese Entwicklung schon auf „Sturm aufs Paradies“ sehr deutlich erkennen. Nun wird dieser Weg auch ganz deutlich auf die Musik ausgeweitet. Saltatio Mortis klingen rockiger denn je. Die Folkinstrumente rutschen noch ein Stück weiter in den Hintergrund, Aleas Stimme und die Gitarren erhalten mehr Freiheiten. Dadurch wird vor allem der Bewegungsspielraum für das Songwriting vergrößert. Diesen Freiraum nutzen die Musiker, um ihre bandtypische Eingängigkeit mit den klassischen Rockinstrumenten zu definieren.

Lyrisch zeigt der Weg weiter in Richtung aktuelle Themen. Alleine die ersten drei Lieder der Scheibe sind allesamt Themen mit Aktualität gewidmet. Egal ob es um den Wahnsinn unserer Finanzwelt geht oder um die Religionskriege im Nahen Osten, Saltatio Mortis kommentieren diese Entwicklungen schamlos, aber niemals plump. Gewitzt und mit spitzer Zunge wird der Welt der Spiegel vorgehalten.

Dabei reichen die Melodien von flott und fröhlich („Früher war alles besser“) bis hin zu schleppend und anklagend („Krieg kennt keine Sieger“). Klingt das erste Stück noch recht rockig, so schlagen beim dritten Akt der Scheibe auch ernsthafte metallische Spuren durch die Oberfläche. Vor allem die Gitarrenriffs lassen daran keinen Zweifel. 

Seit langer Zeit haben die Totentänzer auch wieder ein Stück auf Englisch mit aufgenommen. „My Bonnie Mary“  ist ein Traditional aus dem 18. Jahrhundert und wird von Saltatio Mortis etwas erweitert wiedergegeben.

Dass man sich aber bei weitem nicht ganz aus dem Bereich der Märchen, Sagen und Mythen zurückgezogen hat, das zeigt vor allem die zweite Hälfte der Platte. Hier treten auch die Folkinstrumente wieder weiter in den Vordergrund. „Sandmann“ ist eine weit tragende Ballade, die vor allem von den Dudelsackmelodien lebt. „Satans Fall“ dagegen erzählt davon, wie der Engel Luzifer zum Teufel und Wächter über die Unterwelt wurde. Das Stück erinnert musikalisch stark an vorangegangene Alben der Band.

„Das Schwarze Einmaleins“ ist ein sehr gelungenes Album, das die Combo weiter in die rockig-aktuelle Richtung treibt und damit locker dem Sumpf entgeht, in dem das Mittelalter-Folk-Genre momentan absäuft. Ohne Staub in den Haaren, und vor allem ohne immer wieder die gleichen Klischees zu bedienen, können Saltatio Mortis erhobenen Hauptes vorwärts gehen und sind drauf und dran, das Zepter als innovativste Gruppe des Genres zu werden.

Wer stark an den Strukturen und den Märchenerzählungen der Spielleute hängt, der wird sich allmählich schwer tun mit dem aktuellen Liedgut. Hier geht die Tendenz eindeutig in die rockige Richtung und eine gegenläufige Bewegung lässt sich nicht erkennen. Als Lohn dafür bekommt der Hörer eine frische, wilde Platte mit jeder Menge großer Melodien und Texten, die zum Nachdenken anregen.

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