Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Saltatio Mortis: Brot und Spiele - Klassik & Krawall

Kann das Original-Album toppen
keine Wertung
Genre: Mitteltalter-Rock/Klassik
Spielzeit: 39:36/71:55
Release: 22.03.2019
Label: Universal Music

Im August vorigen Jahres veröffentlichten Saltatio Mortis „Brot und Spiele“, mit dem sie einiges an Kritik einstecken mussten. Da konnte die Chartplatzierung nur schwacher Trost sein, die Scheibe wurde von Fans und Presse gleichermaßen mit Kritik bedacht. Wohingegen die Bonus-CD, welche mit Akustikstücken aufwartete, mit einem Schwall wärmender Worte bedacht wurde. Nun steht jenes Werk also wieder bereit, diesmal allerdings in einer Klassik & Krawall-Version; und bevor Mittelalter-Rock-Fans nun richtig Angst bekommen, Krawall steht hier für ein Live-Album und nicht etwa für eine extreme Form des Punk. Letzteren Zusatz möchte man in Anbetracht des Original-Albums für notwendig halten, da die Karlsruher tatsächlich starke Auswüchse in diese Richtung hatten, die offensichtlich nicht jedem gefielen.

Dass es beim Thema Klassik etwas zurückhaltender wird, war sicher von vornherein anzunehmen, allerdings überraschen Saltatio Mortis tatsächlich mit neuen Varianten, die sich zum Teil stark vom Original entfernen. So verblüfft „Dorn im Ohr“ gleich zu Beginn mit seiner ruhigen, fast schon als träumerisch zu bezeichnender Version, die durch anfängliche Piano-Klänge und Streicher gut unterstützt wird. Ebenso auf den Punkt gebracht ist „Besorgter Bürger“, welchem es vielleicht noch an letzter Dominanz fehlt, aber eben den Lyrics mehr Ausdruck zu verleihen vermag.

Für eine Klassik-Version prädestiniert erschien sicher schon im Vorfeld die Ballade „Spur des Lebens“, welche hier gar noch an Emotionalität zulegen kann. Anfangs nur durch ein Cello begleitet und im Verlauf durch sanfte Streichersätze erweitert, kann der Titel für einen echten Gänsehautmoment auf dem Album sorgt. Dabei sei angemerkt, dass Saltatio Mortis eh auf weiten Strecken sehr zurückgenommen agieren, um hierdurch den Songs eine größere Intensität zu verleihen. Sei es „Sie tanzt allein“, „Ich werde Wind“ oder das faszinierende „Heimdall“, all diese Lieder erfahren in der Klassik-Variante eine größere Eindringlichkeit, die durch Sänger Alea nochmals verstärkt wird. Sicher hat er nicht die wirklich klassische Stimme, dafür interpretiert er markant und gefühlsbetont.

Neben der großen Anzahl an ruhigen Titeln gibt es aber auch noch einige Ausbrecher zu hören, so zum Beispiel das titelgebende „Brot und Spiele“, welches mit seinem bedrohlichen Aufbau die Thematik bestens unterstützt. Dem völlig entgegengesetzt steht „Nie wieder Alkohol“, das nach einer Zigeuner-Weise klingt und sowohl Wehmut wie auch Kater-Stimmung versprüht.

Mit dem opulenter ausfallenden „Große Träume“ schließt man ein Album ab, das vielleicht nicht die vorher angenommenen großen Orchestrierungen enthält, dafür aber auf den Punkt gebracht wird und mit seinen stimmigen Versionen nicht nur überzeugt, sondern gar das „Original“ toppen kann.

Mit der Rezension zur Krawall-Version könnte man sich es an der Stelle recht einfach machen: Wer dem Genre gewogen ist, wird sich nach maximal zehn Minuten Spielzeit wohl erstmal ein Ticket für die bald anstehende Tour gönnen. Ein paar Worte seien aber dennoch hierzu verloren, denn da steht schon mal dieser unglaubliche Auftakt des Konzerts in Oberhausen, was sich von Anspannung hin zur Euphorie oder besser gesagt zur Hysterie entwickelt. Es dauert tatsächlich weniger als zwei Minuten bis das Publikum komplett ausrastet. Mitklatschen und lautstarke Chöre gehören hier zur Pflicht und bleiben über den gesamten Mitschnitt Programm.

Wenn man den Sinn von „ohohoho“-Gesänge überhaupt jemals verstehen will, dann wohl hier, man kann sie in jedem Moment seines Lebens mitgrölen und bei Saltatio Mortis eben offensichtlich auch noch verdammt laut. Zudem spürt man in jeder Sekunde des Konzerts die unglaubliche Spielfreude der acht Herren, die einen selbst in den heimischen vier Wänden völlig vom Hocker haut und direkt Bock auf das nächste Konzert macht, welches sicher nicht unter drei Litern Wasserverlust ausgeht.

Zugleich hat man den direkten Vergleich zur Klassik-Version, bei dem man wohl auf ein klares Remis hinauskommt. Da steht ein „Besorgter Bürger“ zum einen in einer ruhigen Eindringlichkeit gegen einen Smasher, bei dem man schnell mal vor lauter Energie den Text überhört. „Nie wieder Alkohol“ schiebt live mit einer absoluten Party-Laune übers Parkett, der man auf der ersten CD Tribut zu zollen scheint. Letzten Endes hat man nun drei Variationen von Titeln: die des Studioalbums, eine Klassik-Version und eben diese durch nichts aufzuhaltende Live-Variante, der man nicht widerstehen kann. Sound- und stimmungstechnisch ist dies ein perfektes Live-Album, zumal das abschließende „Spielmannsschwur“ nochmals die Live-Präsenz der Band auf höchster Ebene demonstriert. Für Fans der Band ist dieses Doppel-Album mit Sicherheit ein absolutes Muss.

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann

Rund um das neue Album

„Ist egal, ob die Verstärker kaputt sind, aber um den Laden mache ich mir echt Sorgen“

Und das Rudel feiert jeden Ton

Kontrolliertes Durcheinander