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Saitenfeuer: Auf und Davon 2012

Es fehlen Rotz und Dreck
Wertung: 6/10
Genre: Deutschrock
Spielzeit: 55:31
Release: 15.05.2012
Label: Better Than Hell Records

Es war der 5. November 2011, als man sich zum Oberhausener Kohle und Stahl Festival aufmachte, um sich vornehmlich die guten Krawallbrüder und Berserker live anzusehen. Bereits damals standen unter anderem Saitenfeuer als Anheizer auf dem Plan und konnten durch einen sympathischen Sänger und eine energetische Liveshow überzeugen. Heute, ein gutes halbes Jahr später, steht das Debütalbum „Auf und Davon 2012“ auf dem Plan. So recht wollen die Benndorfer nicht in das klischeehafte Bild der typischen Deutschrocker passen – weder verfügt Sänger Carsten über die nötige Rotzigkeit und besoffene Prollart, noch holzen die restlichen Jungs asozial durch die Botanik. Aber Halt – Klischees sind nicht umsonst nur Klischees. Zwar lassen die Saitenfeuer-Jungs eine gewisse Angepisstheit vermissen, dafür bieten sie auf der knappen Stunde Spielzeit aber gut durchdachte und teils wirklich sehr ohrwurmige Deutschrocksongs ohne kryptische Texte oder gezwungene Wortspiele.

Wenn man sich nun über den Titel mit angehängter Jahreszahl wundert, sollte man zum besseren Verständnis wissen, dass das Erstlingswerk bereits vor zwei Jahren erschien. Damals noch in Eigenregie, dürfte das Ergebnis nicht hundertprozentig zufriedenstellend für die Jungs gewesen sein, und da man mittlerweile mit Better Than Hell Records auch ein Label gefunden hat, re-releaste man das gute Stück folgerichtig mit dem Bonus-Track „Engel“ als Piano Version.

Die Platte startet denkbar gut mit direkt zwei Knallern: Der Opener „Saitenfeuer“ startet mit den typischen galoppierenden Drums und recht melodischen Gitarren und ist soweit noch nichts Besonderes, aber beim Refrain überkommt einen dann doch die Gänsehaut. Überhaupt haben Saitenfeuer ein Händchen für Refrains, da kann der Rest des Stücks noch so standardmäßig daherkommen. Ähnlich verhält es sich mit dem folgenden „Engel“, das in der Originalversion übrigens um einiges besser als die auch recht hörbare Piano-Version ist. Hier wird ein bisschen mehr Richtung Punk gespielt, der Text verhält sich dann eher romantisch – muss nicht unbedingt sein, kommt aber auch nicht unbedingt im Fremdschämmodus daher, obwohl man hin und wieder ein bisschen an Schlager erinnert wird. Spätestens bei der Zeile „Ich reiß dir die Flügel aus/Ich will dich schreien hören“ muss man aber grinsen. Es ist ein gutes Package, das die Jungs da an den Albumanfang gestellt haben.

„Explodieren“ gestaltet sich, trotz des Titels, eher fad, dafür kann das nachfolgende „Die Zeit“ mit einem sehr schönen, fast dramatischen Intro punkten. An sich gibt es ein Problem bei den Songs auf „Auf und Davon 2012“: Nur wenige bleiben wirklich hängen. Man wippt zwar beim Hören immer mal mit dem Fuß im Takt und diverse Zeilen aus den Refrains spuken einem noch eine Weile durch den Kopf, aber so richtig als Ohrwurm markieren kann man bisher nur die ersten beiden Songs und vielleicht noch den Titeltrack. Aber: Wir sind ja erst bei der Hälfte. Mal sehen, was die Herren noch in petto haben.

„Meine Art und Weise“ hat einen schönen Text, der aber leider in recht 08/15-mäßige Riffs verpackt ist. Dennoch gehört der Song zu den soliden Stücken von Saitenfeuer, da kann man an sich nicht meckern. „Sieger“ könnte mit seinem „Wohoho“-Mitgröhlpart durchaus als Song zur WM respektive EM durchgehen, überzeugt aber auch nur auf kurze Strecken. Bei „Rock’n’Roll und Alkohol“ weiß man auch, was das grundlegende Problem der Truppe ist: Sänger Carsten, der eine wirklich gute Stimme hat, klingt generell einfach zu glatt und poliert. Bei besagtem Track packt der Mann eine etwas heisere Stimme aus, die auch gut zur Piratensymbolik des Songs passt und einfach auch besser klingt als bei den vorherigen Stücken.  

Im Rückblick muss man sagen, dass Saitenfeuer live wesentlich mehr Hummeln im Hintern als auf Platte haben. Schlecht ist „Auf und Davon 2012“ nun natürlich nicht, allerdings wünscht man sich wie gesagt ein bisschen mehr Rotz in der Stimme und ein bisschen weniger Pop in den Instrumentalparts. Wenn man ein bisschen mehr Staub und Schmutz über den Sound der Truppe legen würde, würden sich sicherlich noch mal ein paar Pünktchen zur Bewertung dazugesellen.

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