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Saint Vitus: Lillie F65

Geil, aber mit Abstrichen
Wertung: 7,5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 34:29
Release: 27.04.2012
Label: Season Of Mist

Geschlagene 17 Jahre mussten Saint Vitus-Fans nun auf neues Material warten, ganze fünf Jahre mehr auch darauf, dass Scott „Wino“ Weinrich ebenfalls wieder mit seiner doch sehr spezielle Stimme das Album dann veredelt – irgendwie hat man schnell den Eindruck, dass endlich wieder etwas zusammen gefunden hat, was einfach zusammen gehört, denn magische Saint-Vitus-Momente lebten schon immer mit den dahinter stehenden Namen.

Die Saint-Vitus-Doom-Fanszene ist ja recht übersichtlich, weswegen der Titel der neuen Scheibe passend wie der berühmte Hintern auf dem Eimer gewählt ist, denn wer der Anhänger hätte nicht liebend gerne zu dem von Dave Chandler einst bevorzugten Beruhigungsmittel gegriffen wie z.B. „Lillie F65“? Allein schon die die Ankündigung des neuen Albums war alles andere als beruhigend, die Spannung groß, die Doom-Fieberkurve überschritt jegliche Grenzwerte und plattenkonsumierende Normvorgaben.

Hohe Erwartung und dann ein leichter Absturz, kein jäher, kein zerbrechender, aber wenn Saint Vitus nach 17 Jahren denken, man könnte nach Jahren der Abstinenz mit schnöden fünf neuen Songs Punkten (die beiden Instrumentals außen vorgelassen), dann haben sie sich schon einmal mit harschen Gitarrensaiten in die eigenen Griffel geschnitten. Doch was sich hier sicherlich so negativ liest, ist eigentlich gar nicht so mies gemeint, denn die neuen Songs können durchweg überzeugen, so ist das nicht, doch allein was die Spiellänge betrifft, hätten doch die Karlifornien-Hippies sich ein bisschen mehr aus dem Kreuz leiern können.

Spätestens auf der 150 Gramm schweren Vinylversion hätte zumindest ein Bonus gehört, es ist doch auch bei diesem Medium möglich, ohne Qualitätseinbußen mehr als 35 Minuten in die Rillen zu ritzen. Zumindest sind auf der Innenhülle alle Texte abgedruckt, zudem liegt der Scheibe noch eine Gutscheinkarte bei, mit der man sich das Album auch als mp3 herunterladen kann. Die pappige Umhüllung besteht aus einem stabilen Karton, worauf das schön matte Artwork bestens zur Geltung kommt. Die Rückseite ist nur spartanisch mit den Titeln bedruckt.

Musikalisch ist „Lillie F65“ der erwartete Schritt in die Doom-Vergangenheit, denn wer hier auf neumodischen Schnickschnack wartet, der ist einfach auf dem völlig falschen Weg. Da wäre der Opener „Let Them Fall“ mit den brutal langsamen Gitarren, diesem eindringlich-einmaligen Wino-Gesang, diesem lyrischen Endzeittrip – man sieht förmlich vor dem konzertgeistigen Auge, wie Dave wieder mit weit aufgerissenem Mund und der Powerkralle seine Gitarrenarbeit unterstreicht, wie er wie in Zeitlupe auf seinem Wah-Wah-Pedal latscht und dieses völlig verzerrte Solo-Feedback-Gemisch durch die Boxen kriechen lässt. Da ist das schon von der Vinylsingle bekannte „Blessed Night“ mit schon fast galloppierenden, einer auch immer wieder an Black Sabbath angelehnten Gitarrenarbeit, ein einfach hypnotischer Song. Oder da wäre das stark verschleppende „The Bleeding Ground“, wozu man sogar mit Morbus Bechterew noch prächtig headbangen kann, wobei erst im Schlussdrittel die Doomzügel gelockert werden und Saint Vitus regelrecht entfesselt aufspielen.

Trübsal? Ja bitte, so doch immer. Doch nur nicht wie bei den beiden Instrumantalsongs „Vertigo“ und „Withdrawal“. Erster unterbricht die gerade aufgebaute Doom-Spannung, zweiterer als Rausschmeißer kommt eher wie ein überflüssiger Rückkopplungsdrogenrausch mit Abtörnwirkung daher und hinterlässt einen faden Vitus-Nachgeschmack, hier hat Wino wohl einfach zu viel mit Conny Ochs gearbeitet oder bei Darsombra abgeschaut.

Da bleibt am Ende die Frage: Hat sich das Warten über die ganzen Jahre hinweg gelohnt? Sicher, aber auch mit Abstrichen, denn die Spielzeit hätte durchaus ein wenig üppiger ausfallen können, zumal mit „Blessed Night“ schon ein Song auf Vinyl veröffentlicht wurde und mit den beiden Instrumentals bestenfalls nette Füller aufzuspüren sind. Der Rest aber, angeführt von dem Opener-Duo „Let Them Fall“ und „The Beeding Ground“, ist genau der Stoff, wonach nicht nur die Saint Vitus-Jünger gegiert haben, sondern sich auch die ganze Doomwelt nach verzehrt hat. Geil, mit Abstrichen, aber so sind nun mal die „Lillie F65“-Tripps.

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