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Sahg: Sahg I

Bestens
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 48:27
Release: 18.04.2006
Label: Regain Records

Nach "sabbathesque world class doom" soll es klingen, sagt einem der Pressewisch oder PR-Mensch.

Und tatsächlich, hier wird ohne Risiken und Nebenwirkungen etwas geboten, was das ganze verkehrte Wesen des Doom Metal nochmal einen ganzen Schritt nach vorne befördern könnte.

Der Produzent und Hauptverantwortliche der ungewohnten Klänge aus dem Norden heißt schlicht Sahg; ob dies nun Akronym oder Abbreviatur von etwas viel Größerem ist, ist mir - wie die Bedeutung des Begriffes - selbst unbekannt.

Das dahinter stehende Quartett setzt sich jedenfalls aus einigen der Schlüsselfiguren der norwegischen Hartwurstszene zusammen, Bands wie Manngard oder Gorgoroth - die spinnen, die Skandinavier, kann ich da nur anmerken, nach den Spiritual Beggars und Blackstar schon der dritte Doom-Auswuchs von Leuten, die eigentlich im Death/Black Metal Sektor beheimatet sind.

Sein erstes Album ebenso schlicht "I" zu nennen, zeugt entweder von enormer Bescheidenheit im Angesicht der ansonsten unbegrenzten Möglichkeiten oder von der unvergleichlichen Dreistigkeit, die Autorität eines Led Zeppelin Debuts zu untergraben; durchkommen würden sie übrigens mit beidem.

Der Zeitpunkt, ein Album herauszubringen, welches sowohl klassische 70ies Elemente als auch zeitgenössische Härte aufweist, sowie ein seiner Zeit weit vorausgehender Progressivismus, hätte besser nicht gewählt sein können, befindet sich Doom Metal momentan doch gewissermaßen in schleppender Statik: Black Sabbath streiten sich immer noch mit Ozzy, der keine weiteren Studioalben mehr machen will und Cathedral haben ein Album 'rausgebraucht, das nach vergammelten Äpfeln stinkt.

Für gewöhnlich bebt, wummert und grollt die Lautsprechermembran in der Welt von Sahg nur so vor Gotterbarmen; vorausgehend steht jedoch ein Intro an, das statt genretypischem Kirchenchor oder Gitarrenfeedback schwebende, organische Ambientsounds durch den Äther jagt; ein bisschen wie bei Pearl Jams Meisterwerk "Ten", aber dennoch völlig eigenständig.

Die Idylle wird jedoch spätestens mit "The Executioner Undead" durch ein Gitarrenbrett im eigentlichen Wortsinne durchbrochen, begleitet von einem Bass, der sich selbst durch Beton schneiden würde, als sei es Papier, dank Ex-Gorgoroth Bassist "King ov Hell".

Über alldem thront Sänger Olav Iversens Stimme, die zumindest technisch einem Ozzy klar überlegen ist, wenn sie auch ein leicht anderes Timbre einschlägt.

"The Alchemist" zeigt sich hingegen weniger riffbetont, dafür aber stärker progressiv und im Chorus als eine Tanznummer sondergleichen; sicher alles andere als träge und langsam, daran könnten sich selbst die alteingesessenen Doomster ein Beispiel nehmen.

Selten wurde das Horn zum jüngsten Gericht stilvoller geblasen und die Apokalypse allen Erdenlebens nie treffender eingeläutet; was "Rivers Running Dry" verspricht, das hält es auch, denn hier wird ein wortgewaltiges (will sagen, superber Text und Gesang) Armageddon entfacht, wie man es in letzter Zeit viel zu selten gehört hat: Eingängig, brachial und über jedem Maße groovy, das könnte zu zeitloser Musik werden.

"Whisper of Abaddon" versetzt den Hörer anschließend vom mächtig stampfenden Tonkonstrukt zu akustischen Gitarrenklängen; ein nettes, eineinhalbminütiges Intermezzo, lieber wäre mir jedoch ein vollwertiger Track gewesen.

Zum Schluss wird wieder auf eindrucksvollste Weise sowohl mit der Tradition gebrochen, als auch auf Altbewährtes zurückbesinnt, was besonders an Songs wie "Boundless Demise" zu erkennen ist, die allesamt das Potenzial zum Klassiker haben.

Ich mache es kurz und schmerzlos: Sahgs Erstling könnte zu den besten Hard 'n' Heavy Veröffentlichungen dieses Jahres gezählt werden, soweit ich die anstehenden Releases überblicken kann, aber ich möchte da aufgrund des noch jungen Jahres nicht allzu prophetisch wirken.

Der einzige Vorwurf, den man den Mannen machen könnte, betrifft die Quantität; nur acht Tracks in voller Länge ist zugegebenermaßen ein bisschen mager, aber wie viel man damit bewegen kann, wissen wir ja spätestens seit Metallicas "Master Of Puppets".

Regain Records könnten ruhig mehr solche Experimente wagen, denn dieses ist ihnen vorzüglich gelungen.

Ich erlaube mir mal, in doomtypischer Bildersprache zu schließen: Jeden, der nach dem Hören dieser Scheibe noch aus seinem Leviathansmaul verkünden lässt, dass Doom Metal nicht mehr praktikabel und ausgestorben sei, soll unaufgefordert die gerechte Strafe Gottes ereilen.

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