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Sahg: Memento Mori

Noch finsterer als der Vorgänger
Wertung: 8/10
Genre: Heavy-/Doom-/Stoner Rock
Spielzeit: 44:31
Release: 23.09.2016
Label: Indie Recordings

Mit „Delusions Of Grandeur“ veröffentlichten Sahg anno 2013 ihr klar bestes und ambitioniertestes Album, nicht nur, weil ein Konzept zugrunde lag. Mittlerweile hat sich die Band mit einem völlig eigenständigen Sound irgendwo zwischen Doom-, Stoner- und Classic-Heavy-Rock-Anleihen zu einer der besten Hartwurstcombos nicht nur in Norwegen gemausert. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, den starken Vorgänger, wenn nicht zu toppen, so doch wenigstens zu erreichen.

Recht düster tönte der Vierer auch schon auf dem 2013er Output, der von einem psychotischen Größenwahnsinnigen handelte; sieht man sich das simpel gehaltene Cover mit dem Totenschädel, den Titel „Memento Mori“ („Gedenke zu sterben“) sowie die zu jenem Titel gehörenden äußerst pessimistischen prägnanten Gedanken der Band an, die im Promoschreiben wie eine Art Leitsatz aufgeführt sind und wie eine Totenrede auf die Menschheit wirken, erscheint alles Vorangegangene fast schon niedlich. Zwar bezieht der Albumname sich in erster Linie auf die Tode von Lemmy Kilmister und David Bowie (R.I.P.), denen die Scheibe auch gewidmet ist, dennoch: Leider dreht die Welt ja so sehr am Rad wie lange nicht mehr; man will angesichts von Fremdenfeindlichkeit, Krieg, religiös motiviertem Terrorismus, Hunger und Ungerechtigkeit schon gar nicht mehr den Fernseher einschalten, weil man diese ganze Scheiße nicht mehr ertragen kann.

Entsprechend düster und aufgewühlt präsentiert sich auch die musikalische Komponente auf „Memento Mori“, die Stimmung ist noch dunkler, die Mucke dabei jedoch mindestens so abwechslungsreich wie auf dem Vorwerk. „Black Unicorn“ ist ein Start nach Maß, beginnt mit einer einfachen, scharfen, durch Effekte verfremdeten Gitarrenfanfare, auf der der Song langsam und mit bedrohlich mäandernden Gesangslinien aufbaut. Im weiteren Verlauf wird sowohl mit deutlicher Grunge-Schlagseite (vor allem Alice In Chains lassen grüßen) heftig gerifft als auch spacige Momente abgegrast – mit dem nahezu explodierenden Chorus als Knotenpunkt.

Man wird somit vom ersten Augenblick in den Sahg-Kosmos hineingesaugt, das Problem ist nur, dass dummerweise der beste Song ganz am Anfang schon „verpulvert“ wird. Glücklicherweise ist dies nicht gleichbedeutend mit einem rapiden Abfall des Niveaus: „Devilspeed“ (wieder so ein Titel, der inhaltlich nichts Gutes suggeriert, bedeutet der davon abgeleitete ursprüngliche Begriff „Godspeed“ doch so etwas wie „Gute Reise“ oder „Viel Erfolg“) peitscht mit Schmackes nach vorne, sehr clever als markanter Kontrast gesetzt folgt anschließend in Form von „Take It To The Grave“ eine ruhige Nummer im leichten „Planet Caravan“-Stil, sprich mit jeder Menge psychedelischem Touch.

Sehr ätherisch und verkifft zeigt sich vor allem auch das wie auf Wolken schwebende „(Praise The) Electric Sun“, das wiederum sehr schöne Abwechslung nach der mächtig stampfenden, dabei aber auch mit vertrackt-progressiven Versatzstückchen versehenen Midtempo-Dampfwalze „Sanctimony“ bietet, ohne dass dies aufgesetzt wirken würde. Der Abschlusstrack „Blood Of Oceans“ hat dann sogar etwas stark Rituelles, Brodelndes, so hypnotisch wirken die dezenten Chöre und die stetige langsame Steigerung in der Instrumentierung vor allem im Endpart – erinnert fast ein wenig an den Mittelteil von „As Rome Burns“ von Primordial.

Insgesamt liefern Sahg hier zweifellos wieder eine tolle Platte ab, die ebenso vielfältig wie kohärent ausgefallen ist. Die Atmosphäre ist düster, dicht, ätherisch, spacig – auf jeden Fall ganz eigen und die Produktion entsprechend kernig, aber dennoch rau und down to earth. Das Einzige, was „Delusions Of Grandeur“ am Ende doch eine Nuance über den vorliegenden Rundling hievt, ist die Tatsache, dass die Hooklines diesmal nicht ganz so ausgeprägt sind, trotz des mit schnörkelig-eingängigen Gitarrenläufen und einem regelrecht eleganten Refrain ausgestatteten „Silence The Machines“, einer Nummer mit „Hitpotential“, wenn man dieses Wort denn gerne bemühen möchte.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann