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Sahg: Delusions Of Grandeur

Bestes Sahg-Album bis dato
Wertung: 8.5/10
Genre: Classic/Heavy/Stoner Rock
Spielzeit: 46:54
Release: 25.10.2013
Label: Indie Recordings / Edel

Bei Langdreher Numero vier sind die Norweger Sahg mittlerweile angekommen und im Gegensatz zu den vorigen drei Alben wurden diesmal gleich in mehrfacher Hinsicht augenscheinliche Änderungen vorgenommen. Ganz oberflächlich betrachtet fällt natürlich als erstes der Titel auf: Hatte das Quartett zuvor einfach mit I, II und III römisch durchnummeriert und sich ein wenig an Led Zeppelin und Co. orientiert, wartet man heuer mit einem „richtigen“ Titel auf: „Delusions Of Grandeur“ nennt sich das Werk und dies nicht umsonst, handelt es sich hierbei doch um ein Konzeptalbum, das von einem Mann handelt, der sich von seinen Mitmenschen isoliert und immer mehr in einer Traumwelt verliert und in zunehmendem Maß psychotischer und größenwahnsinniger wird.

Doch vor allem musikalisch haben die Bergener eine leichte Kurskorrektur vorgenommen. Zwar ist man alles in allem auch weiterhin in Classic-Rock-Gefilden unterwegs, doch sind die Black Sabbath-Huldigungen nicht mehr omnipräsent und werden ergänzt durch eine spacige Atmosphäre und psychedelische Momente; die Stimmung des Covers mit den dort abgebildeten Astronauten und die Story mit ihren Weltraumelementen wird jedenfalls bestens eingefangen und umgesetzt. Überhaupt bietet „Delusions Of Grandeur“ mehr von allem: Mehr Heaviness, aber auch mehr Melodien, mehr Soli, mehr Dynamik, mehr psychedelische Sequenzen, mehr spacige Momente – mit anderen Worten: mehr Proggiges. Das bisherige Sahg’sche Albumtriplett war wahrlich nicht von schlechten Eltern, doch mit dem jetzt vorliegenden Output haben die Jungs bisher ihr klar bestes, vielseitigstes und reifstes Album abgeliefert.

„Slip Off The Edge Of The Universe“ leitet den Reigen an ausnahmslos gelungenen Kompositionen eindrucksvoll ein. Behutsam und bedächtig wird das Stück aufgebaut, Chorus-getränkte elektrische sowie akustische Gitarren untermalen Olav Iversens Stimme, die erneut ein wenig an eine Mischung aus Ozzy Osbourne, Toschie von Audrey Horne und Beardfish-Sänger Rikard Sjöblom erinnert und damit vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber eben auch sehr eigenständig tönt. Der Refrain des Openers bleibt sofort in den Hirnwindungen hängen und will dort auch nach mehreren Tagen nicht weg.

Mit melancholischem, aber groovigem und kraftvollem (sowie erneut sehr eingängigem) Riffing geht es bei „Blizzardbone“ weiter, das wiederum einen sehr starken Refrain sein Eigen nennen darf, bevor beim treibenden „Firechild“ etwas mehr aufs Gaspedal getreten wird und auch Iversen seiner Stimme einen etwas aggressiveren Touch verleiht. Fast überflüssig zu erwähnen, dass wieder ein fetter Chorus vorliegt, während viele sorgsam platzierte, aber nie übertrieben eingesetzte Gitarreneffekte für die Aufrechterhaltung der spacigen Atmosphäre sorgen.

Besonders interessant wird es beim folgenden „Walls Of Delusion“, das durch einen spannenden Aufbau und auf das erste Hören ungewöhnliche Melodiebögen besticht und mit einem Killerriff par excellence abschließt, bei dem es schlichtergreifend unmöglich ist, die Birne nicht auf und ab zu bewegen. Herausragendes Highlight der Scheibe bildet allerdings trotzdem das elfminütige Abschlussepos „Sleeper’s Gate To The Galaxy“, das mit wundervoll luftigen Akustikgitarren, die glatt auch einer Led-Zeppelin-Folknummer entnommen sein könnten, und hübschem mehrstimmigem Gesang beginnt, bevor sich die Gitarristen aufs Neue mörderisch grandiose Riffs aus dem Ärmel schütteln. Als Bonus gibt es dazu zum Ende hin ein absolut fantastisches Gitarrensolo.

Überhaupt ist die handwerkliche Arbeit über jeden Zweifel erhaben; gerade die Gitarrenfraktion glänzt wie nie zuvor und überzeugt mit Spielfreude und durchdachten Arrangements. Beim Songwriting wurde ein großer Schritt nach vorne gemacht, nicht nur, dass die Stücke noch packendere und griffigere Melodien besitzen, im Aufbau agiert man einfallsreich und detailverliebt, die ruhigen Passagen in beispielsweise „Blizzardbone“ oder „Sleeper’s Gate To The Galaxy“ sorgen für die nötige Abwechslung, Entspannung und Dynamik. Da auch die Produktion voll und ganz im grünen Bereich liegt und Musik und Atmosphäre absolut gerecht wird, kann man Sahg nur zu einem klasse Album gratulieren, in das jeder Fan von klassischem Rock im zeitgemäßen Soundgewand einmal reingehört haben sollte.

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