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Saga: The Human Condition

Perfekte Integration des neuen Sängers
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 47:14
Release: 27.03.2009
Label: InsideOut

Es gibt nur wenig Schwierigeres für eine bekannte Musikcombo, als wenn der langjährige Sänger seinen Hut nimmt. Und genau dies ist bei Saga passiert. Michael Sadler hat die Band verlassen und Rob Moratti (Final Frontier) darf nun diese Lücke versuchen zu schließen. Unüblicherweise trennte man sich in Freundschaft und ohne jeden offiziellen Krach oder die berühmt berüchtigten musikalischen Differenzen. Das haben Saga aber auch nicht nötig. 

Bevor ich nun aber vom neuen Album berichte, will ich noch einen kurzen Streifzug durch die Vergangenheit der Band machen, auch wegen des Druckes, der auf Rob lastet. Ihre Fanhochburg liegt in Deutschland, aber seit dem 1985er Album „Behaviour“ hat man es nicht mehr geschafft, die Top Ten der Charts zu knacken. Die beste Platzierung der letzten 15 Jahre konnte das Album „Trust“ einheimsen, welches es auf Platz 23 schaffte. Der letzte Studiooutput „10.000 Days“ konnte zumindest Position 78 ergattern.

Der Titeltrack „The Human Condition“ eröffnet das aktuelle Album gekonnt. Im besten Prog liefern sich Jim Gilmour und Ian Crichton eifrige Duelle zwischen Gitarren und Keyboards. Stark, wie da an den Instrumenten gehext wird, das sind unverkennbar Saga. Aber wo bleibt der Gesang? Er fehlt fast gänzlich. Ab und zu erklingen verzerrte Vocals, die aber nicht wirklich zu bewerten sind. Der Song wirkt eigentlich eher wie ein tolles Instrumental mit kurzen, seltsamen Gesangsfragmenten. Cooler Einstieg, der die Spannung auf den neuen Sänger noch mehr ansteigen lässt. Irgendwie erwacht die Hardrock-Komponente inmitten der ganzen Musik wieder stärker zum Leben.

„Step Inside“ ist dann der für Saga-Verhältnisse recht kraftvolle Opener für den neuen Sänger. Zwar beginnt Rob etwas verhalten mit kurzen lang gezogenen Textfragmenten, aber das hört sich richtig gut an, wenn er dann zum ersten mal fließend singt. Das gibt der Band etwas Frisches, man ist fast gewillt, Unverbrauchtes zu sagen. Schön gefühlvoll schleicht der Song durch die Gehörorgane und schmeichelt dem Gedächtniszentrum mächtig. Der wirklich treffsichere Gesang wird von typischen Saga-Attributen umgarnt. Da kommt plötzlich ein Klavier und die akustische Gitarre und lässt den Song richtig wohlig warm ausklingen. Ein Fest für Ohren und Herz. 

„Hands Of Time“ lässt die nicht zu hohe Stimme von Rob Moratti brillieren. Man hat hier fast das Gefühl, eine schmusigere Version von Frankie Goes To Hollywoods “Power Of Love” immer wieder heraus zu hören. Unglaublich schön, es herrscht erhöhte Kuschelgefahr, wenn man nicht allein ist. Spätestens hier sollte wohl auch jedem alten Saga Fan klar sein, dass Saga zwar anders sind, aber sicherlich nicht schlechter, es hat eine neue Periode der Band begonnen, mehr nicht.

„Avalon“ geht dann wieder etwas zügiger voran, trotzdem verleiht Rob dem Song eine Wärme und Ausstrahlung, wie es Mr. Sadler nicht geschafft hätte. Das ist aber auch irgendwie logisch, denn der neue wird ebenso Schwierigkeiten haben, die alten Songs umzusetzen. Auch wenn der Track nicht ganz mit den vorherigen mithalten kann, ist dies weiß Gott kein schlechtes Stück.

„A Number With A Name“ ist dann so typisch Saga, wie es eigentlich nur sein kann: Progressiv, teilweise abgehackt und sehr intensiv. Auch wenn mich die Gesangsrhythmik irgendwie streckenweise ein wenig an den angeblichen King of Pop Michael Jackson erinnert. Trotzdem irgendwie stark, spannend und gerade auch wegen der typischen Sagaprogressivität absolut gelungen.

„Now Is Now“ könnte man auch als Statement zur aktuellen Situation ansehen. Leider ist der Song aber irgendwie ein wenig zu flach geraten. Der schöne Refrain, die interessanten Strukturen und das tolle Gesamtklangbild schaffen es aber dennoch nicht, den Song in die Highlights zu katapultieren.

„Let It Go“ ist dann das, was man im Allgemeinen den Bodensatz einer Flasche nennt. Der wohl schwächste Song des Albums, auch wenn Ian Crichton wieder einmal ein tolles Solo hinlegt. Jim Crichton am Bass und Drummer Brian Doerner sorgen wie immer solide für den passenden Takt.

„Crown Of Thorns“ gerät wieder deutlich rockiger und hat fast etwas hymnenhaftes, trotz aller Verspieltheit. Ein wirklich guter Song, der aber vom nachfolgenden noch mal um Längen getoppt wird. 
„You Look Good To Me“ schließt dann irgendwie den Spannungsbogen dieses Albums. Anfangs nur zaghaft mit dem neuen Goldkehlchen und nun mit einer fast schon zu starken Hommage an ihren alten Song „You`re Not Alone“. Hier könnte man sich als Alternative den Ex-Sänger gut am Mikro vorstellen, wobei ich mir nicht sicher bin, wer da besser abschneiden würde. Auf jeden Fall ist dies ein Song, der die alten Fans ansprechen wird, auch mit Rob am Mikro.

Fazit: Logisch, dass Rob anders klingt als Michael, aber Saga sind immer noch Saga und das ist auch gut so. Irgendwie ist man sogar fast schon der Meinung, dass sie auf diesem Album irgendwie befreiter musizieren. Die Frischzellenkur ist gelungen und es würde mich nicht wundern, wenn man auch in den Charts wieder etwas weiter nach vorne kommt. In Köln würde man wohl mit rauem, aber herzlichen Charme sagen: „Michael Sadler, mach et juut, schwing de Hut!“ Vergessen wird man ihn nicht, aber er hat durch seinen Ausstieg der Band die Chance gegeben, ihre musikalische Welt noch einmal zu erneuern. Und die ist gewillt, diese zu nutzen.

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