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S. A. Adams: Unearthed

Mike Portnoy hat nicht immer nur Prog gespielt...
Wertung: 6.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 37:24
Release: 09.11.2010
Label: FnA Records

Das gibt es auch nicht alle Tage: Ein komplettes Album, das vor gut 25 Jahren aufgenommen wurde, kommt erst jetzt zur Veröffentlichung; „Unearthed“ vom hierzulande wohl eher weniger bekannten Amerikaner S. A. Adams wurde nämlich bereits im Dezember 1985 beziehungsweise im Januar 1986 aufgenommen, ging bis heute aufgrund der im Musikbusiness nicht unüblichen Vertragsprobleme jedoch nie über die Ladentheken.

Möglicherweise wäre das Material auch weiterhin irgendwo im Ungewissen verrottet, wenn Mike Portnoy – ja, ganz recht, der Mike Portnoy, der sich mit Bands wie Dream Theater und Transatlantic einen großen Namen gemacht hat – nicht zufällig damals der Mitstreiter des Sängers und Gitarristen gewesen wäre, und dessen inzwischen prominenter Status daher das Interesse an den alten Songs geweckt hätte. Adams hatte vor einigen Jahren ein Album mit dem Titel „Stovepipe“ auf den Markt gebracht und dabei auch über die damalige Arbeit mit Portnoy gesprochen, was konsequenterweise gleich die Neugier aller möglicher Personen erregte.

Trotz der Einverständniserklärung des (inzwischen ja leider Ex-)Dream Theater-Drummers für die Veröffentlichung dauerte es erneut einige Jährchen, bis „Unearthed“ endlich auf die Menschheit losgelassen werden konnte, da Adams schwer erkrankte und das Label pleite ging, das den Longplayer herausbringen sollte. Es schien glatt, als wenn eine höhere Macht nicht wollte, dass die Öffentlichkeit endlich in den Genuss der Scheibe kommen dürfte.

Nun aber ist es doch endlich so weit, wer allerdings erwartet, Mike würde hier ein Drum-Feuerwerk abziehen, wie später mit Majesty, die dann zum Traumtheater mutierten, oder würde zumindest mit bereits progressivem Schlagzeugspiel sein enormes Potential auf diese Art zur Schau stellen, der sieht sich getäuscht. Mit Prog Metal hat die Platte so viel zu tun wie Nordkorea mit demokratischen Wahlen. Hier wird straight nach vorne gerockt – simpel, rotzig und mit punkiger Attitüde. Motörhead kommen als erstes in den Sinn, sofort, nachdem auch nur ein paar Noten des Openers „Paste“ (allein das Bassintro!) ertönt sind, doch auch der Vergleich mit Raven, den die Info heranzieht, ist nicht von der Hand zu weisen, schon allein, weil der Gesangs Adams’ wesentlich höher als Lemmys charakteristisches Geknarze ist, und – abgesehen von den hohen Schreien, die hier nicht vorhanden sind – durchaus ein wenig an Mister John Gallagher erinnert.

Da das Ganze aus frühen Tagen der beiden Musiker stammt und noch dazu in Mikes Appartement aufgenommen wurde, dürfen in Sachen Sound natürlich keine Wunderdinge erwartet werden; dass die Gitarren oft dünn und das Schlagzeug teils eher pappig klingen, sei daher verziehen. Übrigens klingen manche Fills – man mag das bei dem Namen Portnoy glauben oder nicht – sogar etwas holprig. Aber geschenkt: Das macht den Charme solch eher rauer Musik aus und es ist sehr sympathisch, dass Mike hier noch meilenweit von der – zumindest auf späteren Werken manchmal klinischen – Perfektion mit Dream Theater entfernt ist.

Songschreiberisch ist die Platte größtenteils solide, „Paste The Glass“, „Too Far Gone“, „War“ oder „Chapter Closed“ ballern schön im Uptempo in den Allerwertesten, „Kiss Of Death“ (auch ein witziger Zufall, dass Motörhead später selbst ein Album so nannten) und „Love Dies“ sind hingegen im Midtempo gehalten, „Sex“ ist sehr eintönig, aber mit einem gewissen Augenzwinkern zu sehen („my name is sex“) und das für die Verhältnisse von „Unearthed“ mit sechs Minuten fast schon überlange „High Plains Drifter“ bietet ein durchaus hörenswertes Gitarrensolo. Sicherlich wurde hier nichts Großes erschaffen, aber es ist ganz cool, gerade auch als Dream Theater-Fan mal zu hören, was Mike früher so getrieben hat.

Anmerkungen: Die Bonustracks sind nicht in der Spielzeit berücksichtigt, da sie auf der Promo-CD nicht enthalten waren. „Chapter Closed“ und „1986“ stehen in der Ausgabe mit 14 Tracks außerdem in umgekehrter Reihenfolge in der Tracklist.

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