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Rummelsnuff: Sender Karlshorst

Nur etwas für Fans derber Strommusik
Wertung: 4/10
Genre: Electro, Industrial, Experimental
Spielzeit: 50:41
Release: 14.05.2010
Label: Out Of Line Music/Universal

Wer den Namen Rummelsnuff hört, kann sich eigentlich schon ausmalen, dass es hier nicht darum geht, genretaugliche Musik zu machen. Hinter dem etwas bizarr anmutenden Namen verbirgt sich Roger Baptist, der schon in der DDR Erfahrung mit einigen Bands sammeln konnte und seit 2005 sein Unwesen unter seinem jetzigen Namen treibt.

Abgesehen davon, dass Herr Rummelsnuff genauso eigentümlich aussieht, wie der Name klingt – auf dem Albumcover präsentiert er sich nämlich als extremst gestählter Muskelprotz – ist auch die Auswahl seiner musikalischen Stilmittel, sagen wir mal, interessant. Von Elektro-Stampfern über Shantys bis hin zu Chansons ist alles dabei, was die Kategorisierung sowie das Anhören der Platte „Sender Karlshorst“ etwas schwierig macht.

Schwierig könnte man auch den „Gesangsstil“ des Herrn nennen – wer dachte, Till Lindemann klänge monoton, der wird hier seine wahre Freude haben. Singen kann der Mann nämlich nicht so besonders; aber das tut er auf diesem Album sowieso nur sehr selten, die meiste Zeit betätigt er sich eher als Geschichtenerzähler denn als Sänger. Dabei lässt sich „Sender Karlshorst“ interessant an: „Der Heizer“ hat einen bedrohlichen Beat, dazu passt die Stimme natürlich perfekt, aber schon „Donnerbolzen“ und „Pumper“ widmen sich der Bodybuilder-Brachial-Romantik, der man hier noch öfter begegnen wird und mit der ich persönlich so gar nichts anfangen kann. Fast fühlt man sich zurückversetzt in „Herzeleid“-Zeiten, als die Herren von Rammstein mit eingeölten Oberkörpern auf dem Cover posierten – und sich im Nachhinein dafür in Grund und Boden schämten. Zu Recht übrigens.

„Salzig Schmeckt Der Wind“ präsentiert sich als gar nicht mal schlechtes Shanty mit Akkordeon-Klängen, der Matrose Rummelsnuff versucht sich mit seiner Reibeisenstimme vorsichtig am Gesang. Wirklich schlimm – und damit meine ich wirklich schlimm – wird es bei „Mandy“. Ja, richtig, das ist die Schnulzballade schlechthin, die Barry Manilow anno 1974 zu einem Platz an der Spitze der US-Charts verhalf und die von Howard Carpendale schon in der deutschen Version missbraucht wurde. Nun hat sich auch Herr Baptist diesem Song angenommen – ebenfalls auf Deutsch, versteht sich – und hat dem Ganzen nochmal seinen ganz eigenen Stempel in Form einer freien Übersetzung aufgedrückt. Wir wenden uns mit Grausen ab.

Erstaunlicherweise passt die raue Stimme recht gut zum französisch vorgetragenen „Nathalie“, einer Homage an den Chansonnier Gilbert Bécaud, der 2001 an Lungenkrebs verstarb. Das Arbeiterlied „Stalinallee“ greift auf Rummelsnuffs früheren Stil zurück – schließlich begann er seine Karriere mit Arbeiterliedern und Sporthymnen -, klingt für mich aber ein wenig sehr propagandistisch, wohingegen „Wolgastrom“ mit seiner Balalaika-Melodie einen gewissen Charme ausübt. Lustig wird’s am Ende nochmal mit „Hombres Hombres“, wobei sich herauskristallisiert, dass Rummelsnuff nicht halb so gut Spanisch spricht wie Französisch.

Man muss dem Mann zugute halten, dass er wahrscheinlich vor Kreativität gar nicht weiß, was er zuerst anpacken soll. Ein Unikum ist er ebenso wie seine Musik, dennoch: Wenn Herr Baptist mal ins Klo greift, dann richtig (siehe „Mandy“ – mich schüttelt’s noch immer). Einige Stücke klingen durchaus interessant, haben ihren eigenen Charme und – das muss man ihm lassen – die musikalische Zusammenstellung habe zumindest ich in dieser Form noch nie gehört, trotzdem kann mich „Sender Karlshorst“ nicht überzeugen. Anhänger für die „derbe Stormmusik“ des Muskelmannes finden sich aber sicherlich genügend. 

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