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Rude: Remnants...

Blick in die Vergangenheit
Wertung: 6,5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 39:09
Release: 20.01.2017
Label: FDA Records/ Soulfood

Nanu, ist da die falsche CD im Player gelandet? Kurz überprüft und festgestellt, dass da wirklich das zweite Album namens „Remnants...“ der Amerikaner Rude rotiert. Aber es besteht schon ein wenig Verwechslungsgefahr. Es ist nämlich unverkennbar, wen die vier Herren als musikalisches Vorbild für ihr aktuelles Werk hatten: Weite Strecken des Openers „Torrent To The Past“ erinnern an DIE Morbid Angel aus den Neunzigern und werden bei so manchem Death-Metal-Fan für ein fettes Grinsen und Schwelgen in Erinnerungen sorgen. Damit aber nicht genug der Zeitreise: Das gesamte Album strotzt geradezu vor Nostalgie. Dabei kommen nicht nur wiederholt Morbid Angel-Einflüsse zum Tragen, sondern auch andere Kapellen desselben Genres blitzen immer wieder durch. Ein paar Death-Einflüsse kann man beispielsweise auch erahnen. Präsentiert wird das Ganze im dazu passenden Sound, der genauso roh und unverfälscht klingt wie eben so mancher Klassiker der amerikanischen Bands.

Hat man sich dem reinen Old School Death Metal verschrieben, ist man, was die Abwechslungsmöglichkeiten angeht, in ein gewisses, mehr oder weniger enges, Korsett gepfercht. Man muss dem Vierer attestieren, dass der daraus resultierende Spielraum hier voll genutzt wird. Der Gefahr der Eintönigkeit wird durch Tempo- und Rhythmuswechsel entgegengewirkt. Deutlich wird dies beim Titeltrack, der vergleichsweise bedächtig beginnt, bis dann der Knüppel ausgepackt wird, oder bei „House Of Dust“, welches zu Beginn immer wieder durch Breaks ausgebremst wird.

Ein besonderes Lob verdient die „gesangliche“ Leistung: Hier wurde mit der Abwechslung zwar sparsamer umgegangen als bei der Instrumentenfraktion, aber dieses heisere Gebrüll, welches hier aufgefahren wird, passt sehr gut zum musikalischen Konzept des Albums, zum Sound und unterstreicht somit das gesamten Oldschoolfeeling auf „Remnants...“. Bei einem Blick aufs Bandfoto fällt übrigens auf, dass es die Jungs wirklich durchziehen: passt auch in die Neunziger. Das nennt man dann wohl konsequent.

So schön ein Blick in die Vergangenheit auch sein mag, kritisieren muss man hier, dass Rude musikalisch so nahe bei ihren Vorbildern sind, dass einem das ein oder andere Riff schon sehr bekannt vorkommt. Natürlich war das den Musikern beim Komponieren der Lieder bewusst und es ist wohl genau so gewollt. Trotzdem wäre zumindest etwas mehr Loslösung von den Klassikern und ein kleiner Schritt Richtung Eigenständigkeit das noch fehlende Tüpfelchen auf dem i.

Fazit: Rude ist eine nette Zeitreise in die Neuniziger des vergangenen Jahrhunderts gelungen. Die Herren pfeifen auf jedes musikalische Voranschreiten und huldigen ihren alten Helden. Ein solides Album, dem allerdings (noch?) etwas Eigenständigkeit fehlt.

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