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RPWL: Beyond Man And Time

Für Schöngeister und/oder Philosophen
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock / Artrock
Spielzeit: 73:21
Release: 09.03.2012
Label: Gentle Art Of Music (Soulfood)

Der Bandname RPWL macht eigentlich schon länger keinen Sinn mehr, denn die bayrischen Gourmetrocker entnahmen die vier Letter einst den Anfangsbuchstaben der Nachnamen ihrer Gründungsmitglieder und von denen sind nach dem Abgang von Bassist Chris Postl im Spätsommer 2010 inzwischen sogar nur noch zwei dabei, mal abgesehen davon, dass die Truppe mittlerweile aus fünf Mann besteht. Aber Namen sind ja bekanntlich eh Schall und Rauch, noch weniger sinnvoll wäre es schließlich, bei jedem Besetzungswechsel den Bandnamen zu ändern.

Widmen wir uns lieber der Musik: Es ist für eine – zumindest in Deutschland doch recht bekannte – Progressive-Band schon fast ungewöhnlich zu nennen, dass sie nach bereits 15-jähriger Existenz und einer ganzen Reihe von Studio- und Live-Releases erst jetzt ihr erstes Konzeptalbum unters Volk bringt. Dafür gehen die Freisinger aber auch gleich richtig in die Vollen, betonen das philosophische Konzept von „Beyond Man And Time“ (schon der Titel lässt allerdings erahnen, dass wir es hier nicht gerade mit einer Scheibe über Sex, Drugs & Rock’n’Roll zu tun haben) und veröffentlichen neben der standardmäßigen Elf-Track-Edition auch eine limitierte Auflage, auf der dem Album noch ein Hörbuch (!), welches das Konzept näher erklärt, beiliegt.  

Klar ist, dass bei dem Quintett auch anno 2012 die Pink Floyd-Einflüsse quasi omnipräsent erscheinen, nicht nur wegen Yogi Langs stimmlicher Ähnlichkeit zu David Gilmour; immerhin startete die Combo einst als Floyd-Coverband. Hier und da blitzen auch Porcupine Tree auf, aber einen eigenen Stil haben RPWL über die Jahre dennoch längst entwickelt – nicht umsonst gelten sie als eine der erfolgreichsten und besten deutschen Bands in Sachen Art-/Progressive Rock. 

Auf „Beyond Man And Time“ werden jedenfalls 73 Minuten erstklassiger Wohlfühl-Prog zelebriert, das Album ist wie ein einziger, wundervoller Rausch, den man am besten abends unter Kopfhörern mit geschlossenen Augen genießen sollte. Es ist eine regelrechte Klangreise, die im fabelhaften, 16-minütigen „The Fisherman“ kulminiert und mit der herrlichen Ballade „The Noon“ superentspannt ausklingt. Vielleicht war es gut, dass die Jungs so lange mit einem Konzeptalbum gewartet haben, auf jeden Fall geht die Rechnung voll auf: Der rote Faden ist ganz klar zu erkennen und trotzdem könnte fast jeder Track auch für sich stehen, denn songschreiberisch befindet man sich auf ganz hohem Niveau: Die Melodien des Openers „We Are What We Are“, des Titelstücks „Beyond Man And Time“ oder des trippigen „Unchain The Earth“, die hypnotischen Akkorde von „The Road Of Creation“ oder der Rush-artige Groove bei „The Ugliest Man In The World“, der sich mit relaxten Akustiksequenzen abwechselt – dies alles sind absolute Ohrenschmeichler, und über alldem thronen die zerbrechlich-zarten, wahnsinnig emotionalen Vocals von Frontmann Yogi Lang. Und auch bei einem Mammutsong wie dem angesprochenen „The Fisherman“ verlieren sich die Bayern nicht in wirren pseudo-progressiven Spielereien, sondern begeistern vielmehr mit grandiosen Einfällen und Melodiebögen. Warme Hammondorgelsounds, perkussive Momente, schwebende Gitarrensounds, sphärische Keyboards – alles ist wohl überlegt eingesetzt und dient niemals dem Selbstzweck.

Jeder, für den Musik in erster Linie schön sein muss, sollte dieses Album gehört haben – Prog-Feinschmecker kommen sowieso nicht drum herum. Da es für die Band aber nach eigenen Worten auch darum geht, mit diesem Album ein Plädoyer zum eigenen Denken zu erschaffen, ist es sicherlich nicht verkehrt, sich die limitierte Auflage zuzulegen (wenn sich da schon derart viel Mühe gemacht wurde), um nicht nur in der Schönheit der Musik zu versinken, sondern auch in die Tiefen des unter anderem von Platon und Nietzsche inspirierten Konzepts einzutauchen. Das (wahrscheinlich bewusst) simpel gehaltene Cover wirkt in dem Zusammenhang da übrigens ziemlich komisch.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann