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Rorcal: Heliogabalus

Tiefer in den Abgrund
Wertung: 9/10
Genre: Doom Metal/Drone/Sludge
Spielzeit: 70:32
Release: 24.09.2010
Label: Cal Of Ror

Wie finster kann Musik sein? Egal, ob elektronisch oder metallisch, Dark Ambient oder Black Metal, in zahlreichen Genres hat man schon in tiefste Abgründe gelukt und eine pechschwarze Atmosphäre beschworen – Rorcal schauen mit ihrem monumentalen 70-Minüter „Heliogabalus“ nicht nur in diesen Abgrund hinein, sondern steigen hinab in die undurchdringliche Dunkelheit, in der auch der letzte Funken Hoffnung von der unheilvollen Mischung aus Doom, Drone, Sludge und Dark Ambient verschlungen wird.

Schon die vorherigen Werke der Truppe aus der Schweiz waren alles andere als leicht zugänglich, doch mit ihrem neuen Konzeptalbum über den berüchtigten römischen Kaiser Marcus Aurelius Antoninus setzen Rorcal neue Maßstäbe in Sachen Dunkelheit – aus jedem schleppenden Riff, jedem Donnerschlag des Schlagzeuges und jedem durchdringenden Schrei kriecht dem Hörer eine lähmende Finsternis entgegen und hält ihn in der abstoßenden und zugleich faszinierenden Welt des über eine Stunde dauernden Stückes fest. Gestandene Drone-Hörer werden diesen Würgegriff wohl als eher sanft empfinden, der durchschnittliche Metalhead wird jedoch nicht gerade mit Seidenhandschuhen angefasst und sieht einem unbarmherzigen Monstrum entgegen, das alles andere als zugänglich ist – für reinen Drone existieren jedoch zu viele mit Drums und Melodien gespickte Passagen, so dass auch nicht wenige dem Doom zugeneigten Hörer wohl gerne in diesem rabenschwarzen Labyrinth verweilen werden.

Schon beim Betreten des Reichs von „Heliogabalus“ machen Rorcal es einem nicht gerade leicht: Minimalistisch beginnt das Mammutwerk mit den einsamen Klängen eines Beckens, bevor ein dissonantes Riff einsetzt und Gesellschaft in Form der hohen Screams von Jean-Philippe Schopfer erhält. Die anfängliche Monotonie, die nur durch winzigste Änderungen in der Songstruktur durchbrochen wird, lässt den Hörer in völliger Dunkelheit umherirren bis erst lange Zeit später das sich langsam aufbauende Klanggebilde abrupt auseinanderfällt – doch schon nach wenigen Sekunden der Stille sind unheimliche Trommeln zu hören, zu denen sich nach und nach verstörende elektronische Sounds gesellen. Sobald das Schlagzeugspiel langsam an Intensität gewinnt und die Gitarren sich vorsichtig andeuten, richtet sich das Ungetüm zunehmend wieder auf, um dann samt allen anderen Instrumenten und dem Gesang wieder auf den Hörer einzuprasseln. Langsam entstehen auch die ersten Melodien in dem nun beschleunigten Tempo, die später sogar von geisterhaften Klavier-Klängen begleitet werden.

Nach dem Abebben dieser etwas leichter zu verdauenden Passagen beweisen einem nur die schemenhaften Melodien, die gelegentlich in die Dark-Ambient-Soundcollage eingewoben werden, dass man sich noch nicht vollkommen in der Tiefe verloren hat – erst ein durchdringender Schrei durchbricht die quälende Stille und läutet einen der wuchtigsten Parts des Songs ein, der sich in einer mächtigen Melodie entfaltet, die fast schon schwarzmetallische Züge besitzt. Die unkontrollierte Gewalt des Sturms weicht jedoch schon bald einer ausgedehnten Drone-Passage, bevor sich die Finsternis ein letztes Mal aufbäumt und dem Hörer samt Doublebass alles an Aggression entgegenschmettert, was noch in ihr lauert – erst nach diesem letzten Ausbruch klingt das Stück langsam stampfend aus und lässt nur lichtlose Stille zurück.

„Heliogabalus“ ist eine hässliche, pechschwarze Monstrosität, die den Hörer verschlingt und in ihren Eingeweiden zitternd in der Dunkelheit Zeuge seiner Metamorphosen werden lässt – so abstoßend das für die meisten Musikkonsumenten auch erscheinen mag, so intensiv ist es für Freunde des Genres. Von der ersten bis zur letzten Sekunde nimmt dieses Album gefangen und belohnt aufmerksame Zuhörer mit unzähligen Geheimnissen, die sich auf dem bedrückenden Trip entdecken lassen. Wer Drone gewöhnt ist, sollte hier keinerlei Probleme haben, sofern die stellenweise metallische Schwere nicht als störend empfunden wird; wer aber generell experimenteller Musik nicht abgeneigt ist und weiß, worauf er sich mit „Heliogabalus“ einlässt, sollte ruhig einen Blick in den Abgrund riskieren – und vielleicht sogar den beschwerlichen Abstieg wagen.

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