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Room With A View: Collecting Shells At Lighthouse Hill

Sommerhits?
Wertung: 9.5/10
Genre: Dark Emo
Spielzeit: 39:56
Release: 03.03.2005
Label: My Kingdom Music

Ich gebe zu, als ich den Namen der Band das erste Mal las, musste ich unwillkürlich an die Liebesgeschichte zwischen Lucy Honeychurch und George Emerson von E.M. Forster im gleichnamigen Film denken. Mit dem haben die vier Italiener Francesco Grasso, Alessandro Mita, Gino Palombi und Piero Arioni aber nicht viel zu tun.

Ihre Anfänge lassen sich auf 1999 datieren, als Grasso und Mita noch Coverteen, bis sie schließlich beschlossen, es drauf ankommen zu lassen und ein Jahr später ihre erste Demo “Promo 2000” unter dem damaligen Bandnamen Black Thorns Lodge mit sechs Tracks einspielten, die musikalisch von Gothic über Metal bis hin zu Wave und 80er Pop reichte. Obwohl My Kingdom Music schon damals auf sie aufmerksam wurde, waren weder Grasso noch Mita mit ihrem Stil wirklich zufrieden - es wurde Room With A View geboren und schnell brachte das Duo ihr erstes Album mit dem Namen “First Year Departure” heraus. Trotz einiger Line Up-Schwierigkeiten ließ sich die Band aber niemals wirklich aus der Bahn werfen - und arbeitete beständig an ihrem Stil weiter. Ihr neues Album “Collecting Shells At Lighthouse Hill” schlägt eine völlig neue Richtung ein: Room With A View, das ist ein erfrischender Mix aus modernem aggressivem Rock, der melancholische Emoelemente genauso einbindet wie Hardcore und einmal mehr an Katatonia, The Cure oder Depeche Mode erinnert.

Zusätzlich zeigte sich die Band sehr kreativ, was die ganze Gestaltung der CD betraf: Wir halten hier keinen gewöhnlichen Silberling in der Hand. Jeder fleißige Media Player-Benutzer wird enttäuscht sein, diese Rarität nicht auf seiner Festplatte speichern zu können; den Musikern sei an dieser Stelle Verständniss dafür ausgesprochen: eine CD klingt, egal wie gut die Boxen sein mögen, in der Anlage nun einmal am Besten. Der Grund der Nichtkompatibilität: Die CD enthält einen Mutimediatrack - wunderschön animiert und liebevoll bis ins Detail gestaltet. Hier finden sich die “Schritt für Schritt” Aufnahmen der CD gebannt in Bilder, das Video zu “Friction” und die Texte.

Room With A View legen Wert auf Kleinigkeiten. Das Booklet ist ganz im Stile des Albumtitels in einem dunklen meerblau gehalten, überall trifft man zwischen Zeichnungen, die stilistisch an Albrecht Dürers Nashorn erinnern, auf das Hauptthema: Muscheln. Sie durchbrechen die melancholische Atmosphäre des graublauen Meeres in sanften Rot- und Brauntönen. Und immer wieder in die Bilder eingebunden: die Köpfe der Band. Alleine das Artwork, gestaltet von Zaelia Bishop, ist also ein Grund zum Kauf.

Wenn man weiter zur Musik geht, wird man nicht enttäuscht. Das Album erinnert am Anfang an Emocore, beginnt mit “Breath The Water” überraschend schnell und reißt sofort mit. Die Gitarren stehen Grassos melodischer Stimme an keiner Stelle etwas nach.

“Lies crawling, nothing stays ever, change your mind...” - klingt der Text in “Rohform” noch abgehackt und ohne Zusammenhang, entwickelt sich die undurchdringbare Faszination erst mit der Musik. Ein wenig erinnern sie in diesem Punkt an die Band um Herrn Friedrich, dessen Texte auch erst mit Musik ihre Magie entfalten können.

Doch Room With A View beweisen nicht nur Individualismus, das ganze Album ist auch erfrischend abwechslungsreich. Von melodischem Rock beim härteren “Sometimes Anywhere” über Emocore in “Till Morning Comes” bis hin zum letzten Stück “Remembering our Goodbyes“, das durch Posaune und Trompete von Gastmusikern mehr an Blues erinnert und Grasso einmal mehr unter Beweis stellen lässt, wie gut er mit seiner Stimme umzugehen vermag.

Schließlich muss ich mich bei Room wich A View für dieses faszinierende Album fast schon bedanken. Es ist genau das, was die mittlerweile doch etwas festgefahrene Szene gebraucht hat. Von den vier Italienern werden wir hoffentlich noch einiges zu hören bekommen. Ansonsten steht das Album bei mir schon mal in den “Sommerhits 2006”.

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