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Roman Rain: Roman Rain

Interessante Mischung aus russischen Texten und düsterem Synthpop
Wertung: 7/10
Genre: Synthpop, Darkwave
Spielzeit: 74:04
Release: 04.06.2010
Label: Danse Macabre

Wenn Bands sich ihrer Muttersprache bedienen, hat das immer etwas Exotisches, es sei denn, es handelt sich um Englisch oder Deutsch – Sotahuuto beispielsweise geben ihre Songs auf Finnisch zum Besten und die Dänen Valravn tragen ihre Texte auf Dänisch, Isländisch und Faröisch vor. Roman Rain reihen sich ein in diesen Reigen und halten den Großteil ihrer Texte des Albums mit gleichem Titel auf Russisch – das klingt im ersten Moment ähnlich gewöhnungsbedürftig wie die japanischen Texte von Dir En Grey und Co., wenn man sich aber erst mal in die Synthpop-Arrangements der Russen reingehört hat, fällt die fremde Sprache schon fast nicht mehr auf.

Dabei handelt es sich bei „Roman Rain“ nicht direkt um ein neues Album – ein Teil der Songs ist im Heimatland der Band auf einem neuen Longplayer erschienen, der Rest der Platte besteht aus älteren Songs – eine Schnittstelle ist nicht zu erkennen, alles wirkt wie aus einem Guss, was das Hören zumindest etwas einfacher macht. Tatsächlich besteht die Band nur aus dem Sänger selbst, der sich auch um die Gitarrenarbeit kümmert – live wird er durch Andrey Kraft an den Drums und Gitarrist Alexey Nova unterstützt, den weiblichen Gesangspart auf „Roman Rain“ übernimmt Victoria Sergeeva, deren angenehme, zerbrechlich wirkende Stimme sich der ihres Partners wunderbar anpasst.

Sänger Roman Rain stammt aus Wladiwostok, aus der ärmlichsten Ecke Russlands sozusagen, und auch ohne auch nur Bruckstücke des Textes zu verstehen, kann man die Verzweiflung erkennen, die in den Songs verarbeitet wurde – zwar verwurstet der Promozettel das angebliche Elend des Musiker gar zu pathetisch, das ändert aber nichts an den tatsächlichen Eindrücken, die man durch die Stücke erhält. Bisher ist er vor allem in seinem Heimatland herumgekommen und hat sich dort eine treue und recht große Fanbase erspielt, unter anderem als Eröffnungsact für die Darkwaver Otto Dix. Ob sein Erfolg nach Deutschland überschwappen kann, lässt sich auch nach dem Genuss von „Roman Rain“ nicht mit Sicherheit sagen.

„Uletaju“ beginnt fast etwas rockig mit verzerrten Gitarren, driftet dann aber in die Darkwave-Ecke ab, lustige Keyboard-Einsprengsel unterstreichen den geheimnisvoll-mystischen Gesang des Meisters und ein wunderschöner Refrain rundet das Ganze ab. Für „Moj Ubijca“ konnte Rain Seventlana Vysockaja, die Sänger der Power Metaller Emerald Mind vors Mikro zerren, dementsprechend fällt der Track etwas opulenter aus als der Rest. „Prinzessin Der Träume“ fällt rein vom Titel her schon aus dem Rahmen und bietet einen etwas aggressiveren Beat als die übrigen, überwiegend an Synthpop orientierten Stücke. Der Text bleibt Russisch, im Refrain wird dem Hörer ein Keyboard-Einsatz geboten, der so ähnlich durchaus auch von den Berlinern Blutengel hätte stammen können, dafür kommen vor allem die weiblichen Vocals etwas schräg und ungewohnt daher.

„The Cradle Of My Craving“ setzt auf den einzigen englischen Text der ganzen Platte, sowie auf Industrial-Klänge, die nicht so ganz zur hier eher dünnen Stimme des Herrn Rain passen wollen – schade eigentlich, das Intro klang nämlich ganz vielversprechend. Dafür entschädigt „Zerkala“ aber mit einem todtraurigen Refrain, der einem unter die Haut geht, obwohl man kein Wort versteht. Zum guten Schluss wird mit „Malchik Lay“ noch eine astreine Ballade serviert, die zwar ein wenig Kitsch verströhmt, aber irgendwie trotzdem zu gefallen weiß.

Im Großen und Ganzen eröffnet sich dem Hörer also mit „Roman Rain“ die Möglichkeit, einer fremden Sprache zu lauschen und die erwünschten Emotionen trotz völliger Unkenntnis des Russischen zu erkennen. Interessant ist das allemal, zumal Romain Rain wirklich sehr auf qualitativ hochwertige Musik achten. Leichte Ausfälle wie das dissonant anmutende „The Cradle Of My Craving“ sind wahrscheinlich eher Geschmackssache, insgesamt ist dem Russen hier jedoch ein durchweg gutes Album gelungen, das man sich gerne mehrmals am Stück anhören kann.

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