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Rolo Tomassi: Time Will Die And Love Will Bury It

Eine Band, an die man sich gewöhnen muss - mit einem starken Album
Wertung: 8,5/10
Genre: Mathcore, Jazzcore
Spielzeit: 54:15
Release: 02.03.2018
Label: Holy Roar Records

Rolo Tomassi sind eine Liga für sich. Schon technisch äußerst versiert, hat sich die Band mit Sängerin Eva Spence außerdem einen Ausnahmestatus im männerlastigen Math-/Jazzcore erkämpft und gedenkt diesen Platz auch mit ihrem fünften Studioalbum „Time Will Die And Love Will Bury It“ zu halten. Dabei scheuen die Briten auch vor – Schock! - Balladen nicht zurück. Doch dazu gleich mehr.

Mittlerweile haben die Briten ihr Line-Up ordentlich durchgeschüttelt, von der Ursprungsbesetzung aus dem Jahr 2005 sind nur noch Sängerin Eva und ihr Bruder James übrig, der sich für die Keyboards und weitere Vocals verantwortlich zeigt. Mittlerweile ist die Truppe aber wieder auf ein stabiles Quintett angewachsen.

Vorneweg haben die Briten bereits drei Songs ausgekoppelt, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Das schräge, düstere „Rituals“ mit seinen gerade im Intro sehr metallischen Einflüssen überrennt den Hörer förmlich mit rasanten Doublebassparts und Evas tierischem Geschrei; auch „Balancing The Dark“ lässt schon rein titeltechnisch ein bisschen Gänsehaut aufkommen, entwickelt sich dann aber wie erwartet zu einem bitterbösen Mathcore-Monster. Die dritte Single „Aftermath“ hingegen zeigt ein filigranes Stimmchen, das unterstützt wird von perlenden Samples und in einen schwebenden, beinah ätherischen Refrain mündet. Gewöhnungsbedürftig ist der Song allemal, auch wenn er nicht von Rolo Tomassi stammen würde – und mutig sind die Herren und die Dame, den Song nach einem überlangen Intro gleich an zweiter Stelle auf die Tracklist zu setzen.

Dass Rolo Tomassi nun aber nicht die Hitparaden stürmen wollen, machen sie auf der restlichen Tracklist von „Time Will Die And Love Will Bury It“ recht deutlich. Zwar zeigt ein Titel wie „A Flood Of Light“ schon an, dass es hier etwas ruhiger zugehen könnte, der Klargesang ist hier aber beinah versteckt hinter einem noisigen Samplevorhang, gelegentlich werden zartere Passagen eingeschoben, insgesamt hält sich aber hier das Verhältnis von laut und lieb die Waage.

„Alma Mater“ überrascht dann mit fast tanzbaren, aber unsagbaren fies vorantreibenden Passagen und zeigt eine Band, die ihren roten Faden, trotz einiger chaotischer Arrangements und scheinbar wild umher schießender Songs fest in Händen hält. Das bedeutet aber auch, dass zwischen all der Verwüstung auch mal ein Song wie „Contretemps“ mit Klaviermelodien eingeleitet wird, wobei man nur darauf wartet, von der Frontfrau angesprungen zu werden – tatsächlich kommt nach kurzer Zeit der Rest der Crew ins Spiel, tightes Drumming und flächige Gitarren schalten sich an, werden wieder heruntergebrochen und wabern wieder empor; und trotz viel Instrumentalgeplänkel kommt hier unterm Strich ein wahnsinnig mitreißender und straighter Song heraus, ja man möchte fast sagen, einer der besten Songs der Scheibe – obwohl man sich die letzte halbe Minute Klargesang gut hätte sparen können. Andererseits schlägt gerade der dann die Brücke zum finalen „Risen“, einem sehr balladesken und ruhigen Stück, das durchaus als poppig zu bezeichnen ist und das auch tatsächlich über die gesamte Länge bleibt.

Rolo Tomassi kann man gut und gerne als gewöhnungsbedürftige Band bezeichnen, bei der es nichts bringt, sie mal eben nebenbei anzuhören. Zu sehr wird hier auf (scheinbares) Chaos, Zorn und Zerstörungswut gesetzt, und genau das ist es, was die Truppe am Besten kann. Songs wie „Alma Mater“ und „Balancing The Dark“ prügeln solche Stücke wie „Risen“ gnadenlos an die Wand, gleichzeitig ist es aber schön zu hören, wie Fronterin Eva ihre Stimme ausprobiert und dabei durchweg überzeugt. Alles andere ist hier Geschmackssache – unterm Strich aber ein wirklich starkes Album, das zudem in wunderhübschen, limitierten Vinylvarianten erschienen ist.

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