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Rolo Tomassi: Eternal Youth

Eine Bereicherung für jede Sammlung
Wertung: 8/10
Genre: Mathcore, Jazzcore, Experimental
Spielzeit: 124:10
Release: 17.06.2011
Label: Destination Moon

Jeder, der sich annährend mit Grindcore, Mathcore, Jazzcore oder auch nur mit schreienden Frauen im Metal beschäftigt, hat Rolo Tomassi schon auf seinem Schirm – sollte das nicht der Fall sein, dann Asche auf das Haupt derjenigen, die die Briten bisher unbeachtet gelassen haben. Zwar hat der Fünfer um Sängerin Eva Spence mit „Hysterics“ und „Cosmology“ erst zwei Full-Length-Scheiben auf den Markt gebracht, das reichte aber vollkommen aus, um sich eine standfeste und treue Fanbase aufzubauen. Statt Treuepunkten gibt’s jetzt mit „Eternal Youth“ ein ganz besonderes Schmankerl für alle Anhänger und die, die es noch werden wollen: Auf zwei CDs und über zwei Stunden Laufzeit finden sich neben Beiträgen von diversen EPs und Splits (unter anderem mit den kanadischen Hardcore Punks Cancer Bats) rare Remixe, alte Demotracks und akustische Versionen.

Bei kaum einer Band ist die musikalische Entwicklung so offensichtlich nachvollziehbar wie bei Rolo Tomassi. Man muss sich nur das erste Stück der zweiten Disc, „Breathing Through A City…“, anzuhören, um den Unterschied zu neueren Stücken zu bemerken: Damals, in der Mitte der 2000er, frönten Rolo Tomassi noch dem Grindcore, stampften alles und jedes nieder und Eva grunzte sich die Seele aus dem Leib. Neuere Tracks, wie das großartige, atmosphärische „Mount Celestia“ aus dem Jahr 2009, zeigen eine fragilere, experimentellere, aber nichtsdestotrotz brutale Seite der Band, bei der die Sängerin immer noch wie abgestochen schreit, aber erstens weiblicher klingt und zweitens mehr Emotionen in die Songs legt. Ein wichtiger Fakor ist außerdem, dass die Band seit ihrer Gründung 2005 im selben Line-Up besteht; nun mag das nebensächlich klingen, aber die fünf Musiker sind derartig gut aufeinander eingespielt, dass es durchaus Einfluss auf die Musik hat.

Eines muss man der Band lassen; um die beiden Discs am Stück durchzuhören, braucht man Nerven aus Stahl. Hier wird geschrien (übrigens mit freundlicher Unterstützung von Keyboarder James, der gerne mal am Mikro aushilft), gelitten, geschreddert, Doublebass werden durch den Äther gejagt, sphärische Keyboardflächen ausgelegt, die im nächsten Moment von kreischenden Riffs zersägt werden – man weiß bald nicht mehr wo einem der Kopf steht. Und genau diese Achterbahnfahrt macht Rolo Tomassi interessant. Da schafft es Eva doch, in einem einzigen Song (von immerhin elfeinhalb Minuten, aber dennoch) wie ein verschrecktes, kleines Mädchen und im nächsten Moment wie die Furie höchstpersönlich zu klingen. „A Cosmic Accident“ wird damit nicht nur zum Rausschmeißer und mit Abstand längsten Lied der ersten CD, sondern auch zu einer Blaupause für den unvergleichlichen Stil der Band.

Dass Rolo Tomassi auch mit ruhigen Klängen begeistern können, beweisen dann „Oh, Hello Ghost“ und „Nine“, die als Akustiktracks mit James’ angenehm rauchiger Stimme und einer Klampfe vorgetragen werden. In dem ganzen Chaos ist das eine wilkommene Abwechslung, auch wenn bei „I Love Turbulence“, das im Three Trapped Tigers Remix daherkommt, die eher gesetzteren Töne noch weitergeführt werden. Im Original haut der Track ordentlich rein, hier halten aber Indietronic-Beats und zaghafter Frauengesang Einzug. Eine schöne Variante, auch wenn mir persönlich die Auf die Fresse-Version besser gefällt. Gegen Ende der zweiten Scheibe widmen sich die Jungs und das Mädel ohnehin mehr der elektronischen Seite ihrer Musik: „Tongue In Chic (Team Wolf Remix)“ beispielsweise könnte so auch in jedem beliebigen Danceclub laufen, hält das konstant hohe Niveau der Doppel-CD aber.

Für Fans ist „Eternal Youth“ nahezu unverzichtbar, ebenso wie für Freunde der genannten Genres – außer vielleicht für die Grindcore-Fetischisten, denn die werden mit der elektronischen Komponente auf der zweiten CD so ihre Schwierigkeiten haben. Insgesamt jedoch eine Bereicherung für jede CD-Sammlung!

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